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Mit „Empire“ präsentiert uns Regie-Debütant und Drehbuchautor Franc Reyes die klassische Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters, thematisch ähnlich wie bei den Genre-Perlen „Scarface“ oder „Carlito´s Way“, hier jedoch in einem modernen Gewand mit allen gesellschaftlichen Einflüssen der heutigen Zeit.

Die Geschichte dreht sich um Victor Rosa (hervorragend dargestellt von John Leguizamo), der als einer von drei Gangster unter dem gemeinsamen Schutz einer kolumbianischen Patin (Isabella Rossellini) die Szene in der South Bronx kontrolliert. Im Gegensatz zu den anderen träumt er jedoch von einem besseren Leben fernab seines Viertels, kann jedoch wegen der Gesellschaftstrukturen nicht aus seiner Situation ausbrechen und führt deshalb seine Gang so gut er nur kann.

Die erste Hälfte des Films beschäftigt sich mit Victor und den bestehenden Machtverhältnissen im Mikrokosmos der Bronx – und zwar mit allen Facetten wie Deals, Macht, Familie, Loyalität und Gewalt ... soweit keine wirkliche Innovation, doch dann lernt unsere Hauptfigur einen Investment-Banker (großartig: Peter Sarsgaard) kennen, durch dessen Geschäfte er einen Ausweg sieht, um sich und seiner schwangeren Freundin ein besseres Dasein zu ermöglichen.

Tatsächlich scheint es auch zu funktionieren, denn mit einigen Investmentgeschäften verdient er eine Menge Geld und kann nach New York ziehen, wird dort aber wegen seiner Herkunft nur bedingt akzeptiert, wodurch er seine Freundin und das Ansehen seiner alten Freunde verliert. Gleichzeitig wecken diese Tendenzen auch die Patin auf den Plan, die Victor nicht so einfach ziehen lassen will, und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände reitet dieser sich immer tiefer in einen Konflikt mit seinen alten Gangfreunden hinein, der eigentlich nur schlimm / blutig enden kann...

Aus diesem Grund setzt Victor alles auf eine Karte: Er leiht sich 1,5 Millionen von der Patin für ein großes Geschäft an der Börse, in welches er auch seine gesamten Ersparnisse investiert – so will er sich aus der Szene freikaufen und den endgültigen Ausstieg schaffen ... doch alles stellt sich plötzlich nur als Schein heraus und der Investmentbanker (der inzwischen fast sein einzig gebliebener Freund war) ist plötzlich mit dem Geld verschwunden ... seine Existenz ist zusammen mit seinen Träumen zerstört und die Kolumbianer möchten entweder ihr Geld oder seinen Kopf haben...

Die Inszenierung von „Empire“ ist stilsicher und interessant, doch um die alte Geschichte neu zu erzählen legte Reyes sein Hauptaugenmerk auf die sozialen und gesellschaftlichen Unterschiede in New York:
„Two Worlds Collide“ lautet der US-Slogan, und diese zwei Welten zwischen der Finanzwelt von Manhattan und der Armengegend South Bronx (beide nur rund 10 Meilen voneinander entfernt) wird deutlich gezeigt. Die Milieus der Figuren werden gut ausgeleuchtet – es wird viel wert auf Familie und Gesellschaft gelegt, deutlich mehr als auf Gewalt oder Action (besonders erstere ist jedoch auch an gewissen Stellen stark vertreten).

Die Besetzung ist treffend: Leguizamo agiert überraschend gut, seine alten Freunde werden von Rappern wie Fat Joe oder Treach dargestellt, für die andere Seite New Yorks stehen dagegen Sarsgaard und Denise Richards, Sonia Braga und Isabella Rossellini spielen die weisen Damen im Hintergrund – insgesamt ist hier alles stimmig präsentiert, nur etwas mehr Tempo hätte dem Film in Teilen nicht geschadet, was aber weniger ins Gewicht fällt, als daß man die Grundgeschichte schon aus diversen anderen Filmen (s.o.) bereits kennt.
Der neue Impuls mit dem Aufeinandertreffen der Kulturen der Wall Street und der South Bronx ist zwar gut, aber dieser gewisse „alter Wein in (fast) neuen Kelchen“-Beigeschmack bleibt doch.

Fazit: Ein stimmiges, gut besetztes und atmosphärisch dichtes Thriller-Drama, das auf jeden Fall einen Blick wert ist ... 7 von 10

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