"Wir lichten den Anker. Setzt die Segel, Männer."
Meuterei, Schatzsuche und die obligatorische Buddel voll Rum gehörten schon von Anbeginn der Filmindustrie zu Leinwandfüllern. "Die Piratenbraut", der den passenderen Originaltitel "Cutthroat Island" trägt, sollte das Genre des Piratenfilms für ein paar Jahre schlafen legen.
Im 17. Jahrhundert sucht eine rivalisierte Piratenfamilie den Goldschatz eines gekaperten spanischen Schiffes, der sich auf der karibischen Insel Cutthroat Island befindet. Die Lage dieser Insel und des Schatzes ist auf einer Karte verzeichnet, die aus drei Teilen besteht.
Black Harry Adams (Harris Yulin) ist im Besitz eines Teils dieser Karte, sein Bruder Dawg Brown (Frank Langella) eines weiteren. Während der Kaperung von Harry's Schiff wird dieser durch Dawg schwer verletzt ohne ihm zu sagen, wo sich sein Teil der Karte befindet. Seine Tochter Morgan Adams (Geena Davis) fischt ihren Vater aus dem Meer und rettet ihn an den Strand. Im Sterben liegend erzählt Harry von dem Schatz und seinem Teil der Karte. Morgan schwört Rache an ihrem Onkel Dawg Brown, macht Harry's Crew zu ihrer eigenen und sich auf die Suche nach einem Übersetzer für das in Latein geschriebene Stück der Karte des Schatzes.
In einer Kolonie der Briten trifft sie auf den Gefangenen William Shaw (Matthew Modine) der sich seine Kasse durch Betrug füllt und lateinische Kentnisse vorweist. Sie befreit ihn aus seiner Gefangenschaft und flüchtet aus der Kolonie, wodurch sie die Aufmerksamkeit des Gouverneur's Ainslee (Patrick Malahide) und Captain Trotter (Angus Wright) auf sich zieht, die fortan ebenso wie ihr Onkel hinter ihr her sind.
1995 bedeutet der Misserfolg des nicht mehr gewürdigten Genres um Abenteuer und Freibeuter einen Millionenverlust. "Die Piratenbraut" spielte gerade mal ein Zehntel seiner Kosten wieder ein und wurde großzügig mit der unbeliebten Goldenen Himbeere für die schlechteste Leistung nominiert. Ob hier höchster Verlust mit schlechtester Leistung verglichen werden kann, ist sicher fraglich. Nominierungen für diese Sparte, wie auch für die Oscars waren aber schon häufiger fraglich und vermutlich nur Grundlage des Geschmacks der Masse. Als Folge wurden Piratenfilme als Kassengift angesehen und versanken in den Tiefen des Meeres.
Erst 2003 traute sich Jerry Bruckheimer das Genre des Piratenfilms wiederzubeleben und schickte mit Johnny Depp eine wahrhaft tuntige Version eines Freibeuters ins Rennen, die sich als Publikumsmagnet erwies. Ob dies im Endeffekt nun besser als eine klassische Variante war liegt im Auge des Betrachters. Die Masse würdigte es jedenfalls mit einem Millionenumsatz, was Fortsetzungen zur Folge hatte.
Renny Harlin's (“Cliffhanger”, “Stirb langsam 2”, "Mindhunters") Piratenfilm enthält alles was das Genre hergibt. Tropische Inseln, eine versteckte Schatzhöhle, zwielichtiges Gesindel, zünftige Schlägereien sowie spektakuläre Seegefechte. Auch wenn sich der Film allzu klassisch präsentiert und die Handlung kaum etwas Neues bietet, gibt es immer etwas zu sehen und zu erleben. Harlin's Werk sprüht vor unterhaltsamer Action, nicht immer passend platziertem, augenzwinkerndem Humor, einer oppulenten Kulisse sowie detaillierten Kostümen. Gerade die Ausstattung macht den Misserfolg des Films noch tragischer.
Augen und Ohren verwöhnt "Die Piratenbraut" auf sonderlich einfache Weise. Ausstattung und Effekte sind auf gehobenem Maß, Schauplätze stimmig. Dazu gesellt sich ein bombastischer Soundtrack, der sich individuell den Ereignissen anpasst und die mal heitere mal actionreiche Atmosphäre gelungen zur Geltung bringt.
Einbrüche erlebt der Film wenn es um Logik und Nachvollziehbarkeit geht. Manch ein Stunt ist übertrieben ausufernd. Scheinbar haben die Figuren keinerlei Schmerzempfinden und Knochen aus Stahl. Ebenso wundert man sich gegen Ende über das plötzliche auftretend des britischen Empire, dass scheinbar ohne Schiff auf Cutthroat Island eintrifft. Bei der Rückreise sind es zumindest nur zwei Schiffe, die alle Personen befördern. Dies sind aber die Schiffe der Piraten Dawg Brown und Morgan Adams die wiederum keinerlei britische Personen auf die Insel mitbrachten.
Obwohl die Figuren klar definiert sind, halten sich die darstellerischen Leistungen in Grenzen. Geena Davis ("Stuart Little", "Die Fliege") nimmt man die harte Rolle der trinkfesten Freibeuterin nur selten ab. Matthew Modine ("Full Metal Jacket", "Transporter - The Mission") spielt zwar seine charmanten Momente aus, bleibt aber von Anfang bis Ende seiner Linie zu treu. Einzig Frank Langella ("Frost/Nixon", "Superman Returns") bietet einen imposanten und glaubwürdigen Gegenspieler. Der Kurzauftritt von Harris Yulin ("Training Day", "Ghostbusters 2") ist kaum der Rede wert.
Im direkten Vergleich zur "Fluch der Karibik"-Reihe und auch anderen Filmen fällt hier der Mangel eines "Zugpferdes" auf. Wenn sich einer der Schauspieler und dessen Charakter mehr in die Köpfe der Zuschauer gebrannt hätte, wäre der Flop des Films sicher ausgefallen.
Zu unrecht wird "Die Piratenbraut" herzlos und stiefmütterlich behandelt. Sicherlich fällt eine Bewertung im Vergleich zu "Fluch der Karibik" wesentlich schlechter aus, dazu fehlt ihm einfach die epische Breite und namhafte Darsteller. Ansonsten steht "Die Piratenbraut" dem ersten "Fluch der Karibik" in nichts nach, bietet eine unterhaltsame Piratengeschichte mit sympathischen Charakteren, toller Ausstattung und furiosem Finale. Gute...
7 / 10