Eiert-nicht-lange-Rum
Der Stoff aus dem die perfekten Kino-Redemption-Stories sind: „Cutthroat Island“ als Karrieregrab, Studiotodesstoss und Totalflop zu Release verschrien - nun drei Jahrzehnte danach aber längst rehabilitiert und viel gnädiger rezeptiert. Auch von mir persönlich. Zum Glück. Man lernt ja nie aus. Erst recht, wenn man sich anschaut, wieviel hier handgemacht war und wohin die ungemein erfolgreichere „Fluch der Karibik“-Reihe sich mittlerweile entwickelt hat… „Die Piratenbraut“ erzählt von einer legendären Piratin, Abenteurerin und Anführerin zu See, die durch eine (hautgemachte!) Karte ihres Vaters, zusammen mit einem gewieften Sidekick/Love Interest und über den Umweg Jamaika auf einer möglichen Schatzinsel landet…
Die ulkige Tante von „Fluch der Karibik“
Die Stunts, die Geena, der Langella als Bösewicht, die Kulissen und Orte, die Action und Kämpfe, die Kamera und das Haptische… es ist leicht zu kapieren, dass das teuer war und sich monetär nicht rechnen konnte. Es ist allerdings schwer zu verstehen, wie man das damals als „schlecht“ abtun konnte. Das ist campy, das ist cheesy, nicht jeder Witz sitzt, die Story kennt nur den Vorwärtsdrang und ist über zwei Stunden trotzdem etwas basic. Und das ist eventuell mit seinen schwertschwingenden Attributen doch gehörig oldschool und aus der Zeit gefallen. Aber „schlecht“ ist das für mich nicht eine Sekunde. Kuriose Nebenfiguren, handfeste Fights, die Davis macht viele wahnsinnige Stunts selbst (!!), Harlin wusste einfach wie Action geht. Es gibt nahezu kein CGI hier! Das ist schon erstaunlich. Das ist Wahnsinn! Das ist geil! Und trotz aller Nähe zu „Pirates of the Carribean“ nahezu dessen Gegenentwurf. Und damals leider der kommerziell GAU. Schade drum. Aber nimmt dem Film ja nichts. Ich habe ihn heute liebend gerne gesehen. An einem lahmen Sonntagnachmittag war er das genau Richtige. Und er hat meine Heimkinoanlage (und das Kind in mir!) zum Beben gebracht!
Practical Spectacle
Fazit: üppiger Flop und humpelnder Blockbuster… weder an seinen Stars noch an der Action oder Ausstattung oder den Bildern kann’s gelegen haben. Ein teures und teils tolles Abenteuer zum Wiederentdecken - voller Erfolg in seiner Ästhetik und voller Misserfolg an der Kasse in Personalunion!