Review

Ich bin aktuell offenbar verflucht, mir aus dem öffentlich zugänglichen Angebot angejahrter Horrorware nur die Hundehaufentütchen rauszusuchen, aber einer muss es ja machen, wenn ich sehe, wie wenig diese Filme von der Kritik wahrgenommen werden.
Das führt mich zu meinem nächsten Griff ins Klo, denn was ich als Teaser serviert bekommen habe, war die Beschreibung, keinen zusammenhängendes Rip-Off von „Re-Animator“ hinzubekommen und das Ganze dann als Giallo zu produzieren.
Klingt schräg, muss man für diese Aussage aber gesehen haben.

Wovon ich wiederum doch eher abraten würde, denn „Hellmaster“ ist eine von diesen von mehreren chronischen Krankheiten geplagten Produktionen, wo es hauptsächlich um die Raterei geht, ob nun das Geschick, das Geld, das Glück oder alles gefehlt hat, was einen guten Film ausmacht.

Ich hau mal gleich mit dem Besten dieses am besten vergessenen Wracks raus: sie hatten die nötigen Locations, sie hatten ein paar brauchbare Trickleute und sie haben sich offensichtlich in Ausleuchtung und Farbgebung an Giallo-Motiven orientiert.
So etwas ist ja vielen schon die halbe Miete wert und hier und da, wenn die Schmerzens-Mutanten-Untoten in die Kamera gehalten werden oder die Teilnehmer durch die langen Hallen und Korridore des Instituts (tatsächlich eine Heilanstalt) eilen, die geschickt in Blau und Orange wie ein Höllenpanorama ausgeleuchtet sind, habe ich den Impuls auch verspürt.

Aber der geht sofort weg, wenn man an Douglas Schulzes (Buch + Regie) Versuch teilhaftig wird, eine kohärente Story zu erzählen. In der Zusammenfassung liest sich das ungefähr so: John Saxon gibt einen „mad scientist“, der ein dolles Serum entwickelt hat und seine Studis als Versuchskaninchen in Quasi-Untote verwandelte. Dann ist der Scheiß komplett abgefackelt (das wird alles nicht gezeigt) und man hält den Guten für tot. Aber nö, er ist natürlich zurück und zwar für „tonight only“, wenn nur ein gutes Dutzend Personen anwesend sind. Irgendwo aus dem Nirgendwo reisen seine „neuen“ Freaks per Bus an, also neue Obdachlosen-Quasi-Untote, die für Angst und Schrecken sorgen und hier und da auch was meucheln. Und die aktuellen Studienteilnehmer, darunter eine Hellsichtige, müssen dann eben den Tag retten – oder überleben, je nachdem.

Klingt wie Standardware, isses aber leider nicht. Weder hat der Film einen zentralen Hauptcharakter, noch kann man halbwegs nachvollziehen, was eigentlich vorgeht. Ich hab mir die Infos darüber vorab angelesen und war echt dankbar, denn Schulze ist offenbar außerstande, die Regeln des Geschichtenentwickelns und –erzählens auch nur ansatzweise zu befolgen.
Es fängt mit beliebig wirkenden Szenencollagen an: Mutanten bedrohen einen Reporter, hier eine Vorstellung der Studenten, dort eine Kellerinspektion, irgendwo wird eine Mama beim Reifenwechsel vom Mutantenbus überfallen, drittrangige Nebencharaktere führen unwichtige Unterhaltungen und man weiß nicht: was machen die da, was wollen die da, wo sind die überhaupt? Dazwischen läuft „Dawn of the Dead“- Opfer David Emge herum, mit einer Armbrust und Seren-Spritzen im Brustgurt und will irgendwas…Rache vermutlich für die Opfer von damals. Zwischendurch lässt John Saxon wie ein „Morpheus für Arme“ in langem Mantel und mit Sonnenbrille (auch nachts) ein paar ominöse, meistens eckig aufgesagte Sätze ab und verschwindet dann wieder für eine Weile.

In diesem Wirrwarr gehen so einige Figuren drauf und alles deutet auf die Hellsichtige als Protagonistin, aber die bekommt letztlich viel weniger Screentime als eine heulsusige Mini-Rauschgoldblondine, der man von Szene 1 an „Opfer“ auf die Stirn tätowieren könnte.

Was aber noch viel schlimmer ist, dass diese Melange total wirr und pointenlos erzählt wird, ist das Verhalten der Figuren, die sich in Zeitlupe durch die Gänge und die Spannungsszenen bewegen. Da wird eine Tötungsabsicht gern mal angekündigt, abgewartet, geschaut, bedächtig einen Fuß voran gesetzt, gezielt, abgesetzt, noch mal kommentiert, alles durchdiskutiert und dann vielleicht mal geschossen. In einem Fall bewegt sich ein Charakter so lange auf sein Ziel zu, bis er praktisch davor steht, um dann von einem anderen Gegner spontan angegriffen zu werden. Und so geht das ununterbrochen, verschiedene Figuren sind schon mal scheinbar verloren, dann aber doch noch nicht ganz tot.
Dazu serviert werden die hölzernsten Darstellermimenanwärtergehilfen in Ausbildung, die zur Verfügung standen, die gesamte Emotionspalette wird monoton runtergesprochen oder so kantig aufgesagt, dass Interesse gar nicht erst aufkommen kann.

Was schade ist, denn bei Beleuchtung, Locationwahl, Kameraarbeit, Atmo und Masken/Tricks hat die Produktion durchaus den Hut auf, aber das genügt schlussendlich nicht, wenn man sich die ganze Zeit fragt, was man das sieht und wieso sich diese Handlung bar jeder menschlichen Regung so voran bewegt wie sie es tut.

Wenn man die Qualitäten des Films natürlich in einen knapp 2minütigen Trailer gießt, dann kommt dabei ein herber Reißer in bester Horrortradition heraus, der jeden Fan lässig aufs Glatteis führt. Fragt euch aber nachher nicht, warum ihr den auch im fünften Anlauf nicht zu ende geschaut habt. (2,5/10)

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