Bei Martha Klein dreht sich alles nur um das Eine: Essen. Genauer gesagt, Essen kochen - das selber essen läßt sie lieber sein. Ihrer Meinung nach ist sie die beste Köchin in der ganzen Stadt, in ihrem Beruf geht sie so vollständig auf, daß sie nahezu fanatisch wird und ihr Privatleben völlig vernachlässigt. Selbst eine Therapie verspricht keinen Erfolg.
Ihr Leben ändert sich jedoch schlagartig als ihre Schwester bei einem Autounfall ums Leben kommt und ihre Tochter hinterlässt. Martha nimmt die kleine Lena bei sich auf und versucht ihr die Mutter zu ersetzen, was ihr mehr schlecht als recht gelingen mag. Doch eines wird ihr jetzt klar: es dreht sich nicht immer alles nur ums Essen machen.
Martina Gedeck geht sichtlich in ihrer Rolle als Martha auf, sie scheint ihr auf den Leib geschrieben zu sein. Mit Freude mimt sie die verhaltensgestörte Soziopathin so überzeugend, daß man sich jederzeit fast in den Film hineinzuversetzen glaubt. Nicht umsonst wurde Martina Gedeck 2002 beim "Deutschen Filmpreis" als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.
Wesentlicher Anteil an diesem heimeligen Gefühl trägt auch Sergio Castellitto bei. Der italienische Filmstar darf hier in seiner ersten deutschen Rolle die Ambivalenz seiner Persönlichkeit unter Beweis stellen. Auf der einen Seite der italienische Macho, andererseits nicht immer fröhlich sondern auch ein trauriger und nachdenklicher Mensch, zuletzt sogar feinfühlig und liebevoll. Auch hier gilt: Sandra Nettelbecks (Regie) Suche nach der Idealbesetzung ist von Erfolg gekrönt.
Dies zeigt sich auch an den passend ausgesuchten Schauspielern der zweiten Riege: August Zirner als Therapeut und Ulrich Thomsen als Marthas Nachbar machen ihre Sache wie immer außerordentlich gut und sind überzeugende Counterparts des Duos Gedeck und Castellitto.
Bella Martha regt die Sinne an und ist für Genießer die richtige Wahl, der Klappentext verspricht hier keinesfalls zuviel. Eine nachdenklich stimmende, faszinierende und liebevolle Komödie.
(10/10)