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Ehre wem Ehre gebührt: Gleich zu Jahresbeginn zolle ich einem Mann Tribut, der zweifelsohne zu den Wichtigsten im Exploitation-Genre gehört - Jess Franco. Sicherlich hat der Gute allerhand filmischen Fliegenschmiss fabriziert, doch in Anbetracht seines Gesamtwerkes sowie der Anzahl vieler Sleaze-Klassiker und Fun-Flicks hat Franco einen Stammplatz in der Hall of Fame sicher.

Leider muss "Perverse Emanuelle" zum Ausschuss gezählt werden. Der Streifen ist eine verworrene Mischung aus Erotik-Drama und Mystery-Thriller um eine depressive Pianstin, die in einen Sog aus Intrigen, Betrug und Mord hineingezogen wird. Der Story fehlt leider ein roter Faden. Statt dessen ist die ganze Handlung eine Schlaftablette sondersgleichen, die sich zäh wie Kaugummi dahin zieht. Unterlegt mit nervigen Lalala-Frauensingsang stellt der Film die Nerven des Zuschauers auf eine harte Geduldsprobe. Genauso wie die arg aufgesetzte Melodramatik, die stark an den überbewerteten "Eugenie" (mit Soledad Miranda) erinnert. Kurzum: Der Streifen ist schlichtweg unspektakulär, ereignislos, eintönig.

Was "Perverse Emanuelle" dennoch völlig vorm Absaufen rettet, ist die Tatsache, dass der Film rein stilistisch recht interessant gestaltet wurde. Franco benutzt Filter und Weichzeichner, und schafft somit fast schon ein künstlerisches Flair. Viele Bilder wirken traumgleich, Realität und Fiktion scheinen nicht selten zu verschwimmen. Vom Eros-Faktor kocht der Film eher auf Sparflamme. Die Sexszenen sind ziemlich kurz, hin und wieder gibt es einpaar explizite Fingerspiele im Genitalbereich. Mit Lina Romay oder Jack Taylor ist nicht gerade die Glanzriege aus Franco´s Schauspielerfundus vertreten.

Fazit: Arg mäßiger Euro-Sleaze mit totlangweiligem Plot, aber immerhin einpaar interessanten Stilelementen. Franco kann es (wirklich!) viel viel besser. 3 von 10 Punkten.

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