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Egal in welchem Genre Regisseur Danny Boyle gerade unterwegs ist, auf visueller Ebene bleibt eigentlich immer etwas hängen. Da kann ein Bergsteiger stundenlang zwischen Felsen eingeklemmt sein, ein junger Inder zum Millionär werden oder können Zombies durch ein postapokalyptisches London fetzen, - im vorliegenden Fall bleibt leider nicht viel mehr kleben als ein offenherziger Blick zwischen die Schenkel von Rosario Dawson.

Beim Kunstraub im Auktionshaus kommt es zum Eklat zwischen den Gaunern Franck (Vincent Cassel) und Simon (James McAvoy), woraufhin Letztgenannter mit Amnesie im Hospital erwacht und sich nicht erinnern kann, wo er das gestohlene Meisterwerk versteckt hält. Simon versucht es daraufhin mit Hypnose bei Psychotherapeutin Elizabeth (Rosario Dawson), die wiederum ihre eigenen Ziele zu verfolgen scheint...

Vom Heist-Movie zum Psychotrip geht es in Boyles Thriller, der zunächst recht konventionell mit dem Raubüberfall einsteigt, jedoch deutliche Muster eines Neo-Noirs annimmt, sobald sich erst einmal die Femme Fatale hinzu gesellt, deren Verhaltensweisen von Beginn an fragwürdig erscheinen. Bereits im ersten Drittel deutet sich an, in welche Richtung die Erzählung abdriften könnte, da Gedanken unter Hypnose größtenteils visuell umgesetzt werden und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verschwimmen scheinen.

Boyle packt den geneigten Betrachter jedoch mit seinen starken Bildern in kräftigen Farben, durchkomponierten Kontrasten und ausgeklügelten Kameraperspektiven und nicht zuletzt mit einem latent hohen Erzähltempo im ersten Drittel, welches durchaus Interesse an den Figuren, primär Simon weckt. Allerdings erfordert das Geschehen zusehends die erhöhte Aufmerksamkeit des Betrachters, da der Sog zwischen Manipulation, Ungewissheit und verdrängte Erinnerungen diverse Wendungen mit sich bringt, die genauer betrachtet in hanebüchene Gefilde abdriften. Im letzten Akt erschließt sich zwar eine detaillierte Erkenntnis, doch unter dem Deckmantel der Hypnose erscheint die Geschichte kaum plausibel und es gilt eher: Der Weg ist das Ziel.

Unter diesem Motto geht Boyle sichtlich routiniert vor, allerdings nicht sonderlich nachhaltig, denn trotz schräger Kameraperspektiven und auffallend vieler Spiegelbilder bleibt bereits kurz nach dem Abspann nicht viel in Erinnerung, also fast wie beim Hypnosepatienten, zu dem der Zuschauer unweigerlich mutiert.
In diesem Kontext verkörpert Dawson eine durchaus ansprechende Verführung, McAvoy performt wie gewohnt nuanciert und mit viel Präsenz, nur Cassel wirkt eher lustlos und ein wenig unterfordert.

Während der Dauer der hypnotischen Bilder und dem sauber darauf abgestimmten Score vermag Boyles Stoff durchaus zu zünden, doch das Spiel aus Lügen, Suggestion und verschiedenen Realitätsebenen kann nicht die erzählerischen Schwächen kaschieren, welche sich vor allem im finalen Akt offenbaren und die Handlung arg konstruiert erscheinen lassen.
Denn viele Twists bedeuten nicht automatisch eine clever durchdachte Geschichte, auch wenn Boyle es nach wie vor versteht, diese ansprechend zu verpacken und den Zuseher phasenweise in seinen Bann zu ziehen.
6,5 von 10

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