John Alan Schwartz’ Faces of Death (1978) ist sicher kein künstlerisch oder moralisch anspruchsvoller Film, aber er war seiner Zeit weit voraus!
Er stellt Gewalt, Tod und menschliche Grausamkeit ins Zentrum und inszeniert diese Tabubrüche mit einer Unschärfe zwischen Realität und Fiktion. Der Tabubruch ist ein Vermarktungselement, das den Reiz am Verbotenen bewusst ausnutzt, wie es auch heute noch in der Schock-Kultur der Fall ist. Die Faszination am (damals zum Großteil lediglich vermeintlich) realen Leid spiegelt sich gerade heute im Internet, in sozialen Medien und True-Crime-Formaten wider. Psychologische Mechanismen wie Sensationslust und Angstbewältigung durch das Erleben von Gefahr aus der sicheren Distanz gelten damals wie heute.
Der Film zwang den Zuschauer zur Selbstreflexion: Warum schaue ich das? Was fasziniert mich an Tod und Gewalt? Wo liegt meine Grenze zwischen Neugier und reinem Voyeurismus? Auch wenn der Film keinen Anspruch auf Medienkritik hat, so erzeugte er allein durch seine schiere Provokation eine Diskussion über die Grenzen des medial Zeigbaren, Authentizität und Manipulation. Eine Diskussion, die im Zeitalter von Gewaltvideos, Desinformation und Deep-Fakes aktueller denn je ist. Aus heutiger Perspektive wirkt Faces of Death wie ein visionäres Zeitdokument, oder ein Vorbote des Schreckens.
Aber 1996 fällt dem "Visionär" John Alan Schwartz nichts Besseres ein als dieser poplige Zusammenschnitt aus Szenen, die wir bereits in den ersten vier Teilen gesehen haben.
So sieht man beispielsweise einen Eingeborenenstamm, der einem Menschopfer das Herz rausschneidet, oder FBI-Agenten, die ein Haus stürmen, in dem satanistische Ritualmorde begangen wurden. Beide Szenen sind gestellt und stammen aus Gesichter des Todes IV (1990). Diese Aufnahmen hat man zudem auch schon im darauffolgenden Faces of Death V (1995) gesehen, der ebenfalls ein Zusammenschnitt aus den ersten vier Teilen ist. Das heißt also, diese Szenen wurden insgesamt dreifach verwertet. Lazy-ass-Bullshit! Gleiches gilt für die gestellten Szenen, in denen ein Gefangener auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wird oder ein Autostunt am Filmset missglückt.
Der überwiegende Großteil der Szenen ist also gefakt, wie beispielsweise der Höhlenunfall oder die Grizzlybärenattacke. Es sind aber auch echte Archivaufnahmen aus dem Krieg oder von verhungernden Kindern dabei.
The Worst of Faces of Death (1987) macht keinen Hehl daraus, dass es sich um ein Best-of bzw. Worst-of (was auch immer der Unterschied und die Auswahlkriterien gewesen sein mögen) handelt. Bei Faces of Death Teil 5 und 6 handelt es sich aber klar um Etikettenschwindel, denn es sind keine "Fortsetzungen" sondern wahllose Zusammenschnitte. Aber hey, du willst Exploitation, du bekommst Exploitation!
Und während zum Abschluss nochmal der Song "Life" aus dem 1978er Original ertönt, komme ich zurück zur Selbstreflexion: Warum schaue ich das?
Stumpfer Komplettismus!