"Nur wenige von uns haben die Gelegenheit, und noch wenigere sogar den Mut, sich selbst zu opfern."
Im Golfkrieg gibt Lt. Colonel Nathan Serling (Denzel Washington) während eines undurchsichtigen Gefechts einen Feuerbefehl und zerstört dadurch nicht nur einen Panzer seiner Einheit sondern tötet damit auch einen guten Freund, der sich in dem Fahrzeug befand. Der Vorfall wird vom Militär vertuscht und Serling, der nach dem Krieg mit Alpträumen zu kämpfen hat, mit einem Bericht über Captain Karen Emma Walden (Meg Ryan) beschäftigt. Nach einem Hubschraubereinsatz im Irak, von dem sie nicht lebend zurück kam, soll ihr nun postum die Tapferkeitsmedaille verliehen werden. Durch die Berichterstellung begegnet Serling den beiden Soldaten Monfriez (Lou Diamond Phillips) und Ilario (Matt Damon) die zur Besatzung des Hubschraubers gehörten. Schnell fällt auf, dass sich deren Aussagen nicht decken und sie scheinbar etwas verheimlichen.
Regisseur Edward Zwick's ("Glory", "Last Samurai") Militärdrama "Mut zur Wahrheit" zieht seine Handlung aus fiktiven Rückblenden des Golfkrieges und den Ermittlungen eines US-Offiziers, der mit seinen versehentlichen Taten zu kämpfen hat und, gegen den Willen seiner Vorgesetzten, seine Ermittlungen so genau wie möglich durchführen möchte. Thematisch liegt das Drama also zwischen der Aufarbeitung einer persönlichen Fehlentscheidungen und dem Mut sowie der Pflichterfüllung während eines Gefechts.
Genauso fällt auch die Aufteilung zwischen actionorientierten Rückblenden und gegenwärtigen Untersuchungen aus, wobei erstere den wirklichen Reiz des Films ausmachen.
Bereits der spektakuläre Beginn präsentiert ein effektvolles und zugleich sehr taktisches Kriegsgetümmel, das durch hektische Schießereien und bombastische Explosionen veranschaulicht wird. Zwick's Machart des Krieges war schon immer detailreich inszeniert und üppig visualisiert.
Auch später hält er das hohe Tempo des Kriegsszenarios konstant. Und obwohl durch eine wiederholte Erzählung aus verschiedenen Blickwinkeln die Geschehnisse auf gleiche oder leicht abgewandelte Art bebildert werden, bleibt das Spannungspotential im oberen Bereich erhalten.
Dem Gegenüber steht die eigentliche Handlung um Nathan Serling die ihren thematisch interessanten Ansatz durch eine sehr eindimensional gehaltene Geschichte verspielt. Diese erweckt den Eindruck kritische Wege einzuschlagen, entpuppt sich aber letztlich als pathetische Vervollkommnung gegenüber dem US-Militär und seiner den ehrenhaften Heldentod sterbenden Soldaten.
Ebenso kraftlos wirkt das Golfkriegs-Drama durch nicht konsequent zu Ende geführte Ansätze. Einige wichtige Rollen spielende Figuren bleiben bleich, die Ermittlungen selbst werden mit zunehmender Laufzeit immer ermüdender. Und obwohl es Zwick durch eine eindringliche Erzählweise ab und an gelingt ordentlich auf die Tränendrüse zu drücken, enthält das erinnerungswürdige Ergebnis einzig einen heldenverehrenden Farbton.
Zudem ist die zugrunde liegende Geschichte um eine Aufarbeitung geschehener Fehlentscheidungen alles, nur nicht neu.
Denzel Washington ("Training Day", "Crimson Tide - In tiefster Gefahr") ist das Zugpferd von "Mut zur Wahrheit". Durch seine glaubhafte Darstellung als zielstrebiger Offizier sowie eingebrochenem Familienvater liegt es vor allem an ihm, dass das vorhandene Potential nicht vollends verloren geht.
Eine frische Überaschung ist Meg Ryan's ("When a Man Loves a Woman", "Schlaflos in Seattle") Bruch als Hollywoods "Everybodys Darling". Die sonst eher in Komödien oder Liebestragödien zu sehende "Knuddel Mama" legt hier Akzente in einem für sie ungewöhnlichen Genre und vermittelt ihre Position außerordentlich gut. Leider gibt die Story nur wenige Szenen vor in der sie sich entfalten kann.
Für Matt Damon ("Bourne" & "Ocean's"-Reihe, "Good Will Hunting", "Dogma") und Lou Diamond Phillips ("Hollywood Cops") wurde nur sehr wenig Spielraum eingebaut. Ihre Zeit beschränkt sich fast völlig auf das wiedergeben ihrer Version der Ereignisse. Somit bleiben diese beiden weit hinter ihren Möglichkeiten. Und im Gegensatz zu "Der Soldat James Ryan" wirkt Damon hier viel zu bübchenhaft.
Sehr gegensätzlich verhalten sich eigentliche Handlung und Rückblenden, die den Krieg zwar nicht in aller Ausführlichkeit, taktisch und technisch aber spannend und actionorientiert visualisieren. Schade, dass "Mut zur Wahrheit" den Mut nicht gewährleistet weiter zu gehen und seine kritischen Züge kaum weiter ausbaut. So leidet das Drama viel zu sehr unter seiner pathetischen Präsentation und begeistert am ehesten durch die eingestreuten Kriegsszenarien und eine ungewöhnlich positionierte Meg Ryan.
6 / 10