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Wähnt man sich in den ersten Szenen noch in einem unbekannten stylischen Thriller eines bis dato recht unbeschriebenen dänischen Regisseurs namens Adam Neutzky-Wulff, dessen Erstling UNDSKYLD! von 2006 wohl den meisten von uns unbekannt ist, lassen einem die ersten Dialoge und Minuten einer Entführung durch einen Maskierten in THE STRANGER WITHIN eher das Gefühl eines Edeltrash Dramas im Gewand einer TV-Mystery Serie aufkommen. Dazu trägt auch der biedere Rosamunde Pilcher ähnliche Soundtrack bei, der die Laufzeit über den Film mit kitschigen Streichern überschwemmt. William Baldwin, als Bruder von Alex Baldwin, ist sogar noch als streng gel-frisierte Starzutat für THE STRANGER WITHIN zugeteilt, aber auch er kann die Designervillen Produktion nicht vor der tiefen Mittelmäßigkeit retten.

Die weibliche Hauptrolle spielt die bei uns recht unbekannte Kanadierin Estella Warren, die ganz aufmerksame Filmfans vielleicht noch aus dem 2001er PLANET DER AFFEN Remake oder einigen Horror B-Movies dazwischen kennen. Sie spielt in THE STRANGER WITHIN das sinkende Filmsternchen Emily. Estella Warren war mal vor ihrer Karriere als Badeanzug Model Landesmeisterin im Synchronschwimmen, und das passt auch ganz gut zu ihr, wenn sie mit 19 cm Absätzen am Rande einer Steilküste entlang marschiert. Sie sieht nicht nur fast so aus wie eine Mischung aus Veronica Ferres und Barbara Schöneberger mit leichter Hasenscharte, sondern sie schauspielert auch entsprechend.

Man nimmt ihr die Gefühle nicht wirklich ab. Noch weniger tut man dies bei einer unbekannten jungen Frau die in das Haus des Ehepaars kommt deren Mann gerade gestorben ist und die die nächsten Tage nichts besseres zu tun hat als stets leicht bekleidet und grinsend durch das Bild zu laufen und wie ein Kind mit Champagnerflaschen ans Meer zu laufen um dort mit allen Beteiligten nackt zu baden und sehr viel Spaß am Leben zu haben. Inszenatorisch geht THE STRANGER WITHIN zur Erzeugung von Spannung immer nach dem gleichen Prinzip vor. Emily wacht auf oder träumt vor sich hin und sieht grausige Dinge die sich dann aber allzu einfach als ihre reine Vorstellung entpuppen.

Nach dem fünften Mal dieses dramaturgischen Versteckspiels hat dies der Zuschauer erkannt und kann nur noch müde grinsen was als nächstes nun passieren möge. Zugegeben, tatsächlich gelingt es THE STRANGER WITHIN in einigen wenigen Szenen den Puls des Zuschauers ein wenig zu beschleunigen. Altgediente Horror- oder Mysteryfilmhasen werden hier nicht mit etwas bedient was sie nicht schon hundertmal besser gesehen haben. Grafische Gewalt gibt es übrigens gar nicht. Deswegen kommen trotz der nur knapp über 80 Minuten Handlungslaufzeit tatsächlich sogar mal Längen in dem Filmchen auf.

Das Drehbuch ist löcherig wie ein Schweizer Käse und es werden teilweise Personen eingeführt, die ohne Erklärung wieder verschwinden und anfängliche Handlungen suchen nach Auflösungen, die nie mehr gegeben wurden. Auch technisch gibt es außer der schönen designten Villa am Meer und der atemberaubenden Steilküste mit einigen aufwendigen Kamerafahrten nichts Besonderes zu melden. Die Kamera ist brav meist in der üblichen Halbdistanz und Totalen und man darf sogar auch mal einen Achsensprung als ältesten Kamerafehler der Welt vermelden. Was THE STRANGER WITHIN gut gelingt, ist das undurchsichtige Spiel mit diversen Genre wie Thriller, Horror und Drama und man weiß bis zum Finale nicht, ob die furchterregenden Bilder die Emily sieht real sind oder nur ihrer Vorstellung entspringen.

Die Auflösung selbst überschlägt sich im Rahmen des twistreichen Showdowns fast vor Wendungen und ist sogar noch das Beste an THE STRANGER WITHIN, weil tatsächlich noch mal neue Aspekte geschaffen werden. Insgesamt kann ich den Film nur für durch und durch TV-Dramen verseuchte Zuschauer oder noch existierenden William Baldwin Fans empfehlen, denen bei ausführlich angekündigten weiß geschminkten Frauen unterm Bett noch wirklich das Herz aus der Hose bzw. dem Rock springt…

4/10 schwarzen Kontaktlinsen….äh,….Punkten

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