Spezialitäten aus dem Lebkuchenhaus
In einer kleinen Stadt leben die Geschwister Hänsel und Gretel Grimm. Während Gretel im Laden der freundlichen Bäckerin Lilith arbeitet, vertreibt sich Hänsel eher die Zeit mit Videospielen.
Als ihr Vater den beiden eröffnet, dass er wieder heiraten möchte und das Haus zu verkaufen denkt, platzt Hänsel der Kragen.
Er läuft in den nahegelegenen Wald und tappt dort in eine Bärenfalle. Gretel findet ihn und bringt in zu einer Hütte, die zufälligerweise Lilith gehört. Die kümmert sich um die beiden und gibt ihnen u.a. auch spezielle Süßigkeiten zu essen. Am nächsten Morgen ist Hänsel verschwunden und Gretel dämmert allmählich, dass mit Lilith irgendetwas nicht zu stimmen scheint.
Hänsel & Gretel aus dem Hause Asylum ist eine moderne Horrorinterpretation des gleichnamigen Grimm-Märchens. Nicht zu verwechseln mit dem aktuellen Kinohit Hänsel Und Gretel: Hexenjäger weiß der Film doch trotz des geradezu lächerlich geringen Budgets von nicht einmal 150000 Dollar streckenweise zu überzeugen.
Die Story hält sich in groben Zügen an die Märchenvorlage und ist ganz passabel inszeniert worden. Woran es allerdings mangelt ist ein durchgehender Spannungsbogen. Der Auftakt - wohl als eine Art Tribut an Saw gedacht - macht Laune, doch danach kommen immer wieder Passagen, die mit der heißen Nadel gestrickt worden zu sein.
Sicher ist es nicht einfach, aus solch altem und hinlänglich bekannten Stoff einen durchgängig guten Film zu basteln. Dabei hätte man sich bei den Dialogen ein wenig mehr Mühe geben können, denn die wirken teilweise wie aus einer billigen Soap entnommen, garniert mit einigen Schimpfwörtern. Was vor allen Dingen fehlt ist ein wenig Humor. Zwar merkt man dem Film schon an, dass er sich nicht gänzlich ernst nimmt, völlig überzeugend ist er dabei aber nicht.
Da wissen die Splatterszenen schon eher zu beeindrucken. Mit dem wenigen Geld hat man es geschafft, einige teils richtig eklige Effekte zu zaubern, die auch nicht allzu billig wirken. Damit wären wir auch schon beim nächsten Problem, denn in seiner unzensierten Form ist der Film in Deutschland nicht erhältlich. Für die FSK 18-Fassung mussten gut 3 Minuten geschnitten werden, was natürlich völlig inakzeptabel ist. Warum der Film nicht der JK vorgelegt wurde, ist mir schleierhaft. So bleibt den deutschen Kunden mal wieder nur der Import aus dem Ausland. Ob es die Kohle wert ist, steht sicher auf einem anderen Blatt.
Die Geschichte von Hänsel & Gretel wurde schon oft verfilmt und auch aus dieser modernen Horrorvariante hätte man etwas mehr rausholen können. So bleibt ein durchschnittlicher Splatterfilm, den man (ungeschnitten) sicherlich mal anschauen kann, einen Pflichtkauf stellt er aber nicht dar, ebenso wenig eine gleichwertige Alternative zu den Hexenjägern im Kino.