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Nach Coffy und Foxy Brown der dritte und letzte Bestandteil eines damaligen Vertrages, zu dessen Erfüllung sich die junge Pam Grier verpflichtet hat, und wodurch ihr vor allem mit den ersten beiden Vertretern der Sprung in die Prominenz ganz nach vorne und nicht nur als Aushängeschild der schwarzen, sondern auch zusätzlich des weiblichen starken Kinos gelang. Dass die Filme davor und danach, allen voran noch die weiteren eng mit der (kurzzeitigen) Welle an Actionkrimis mit afroamerikanischen Darstellern und (öfters, nicht immer) auch entsprechenden Regisseuren, Produzenten und Autoren zugehörigen Friday Foster - Im Netz der schwarzen Spinne, Bucktown, oder auch Die Sklavenhölle der Mandingos nicht mehr die Aufmerksamkeit wie noch bis einschließlich 1974 erregten, liegt an der allgemein eingetretenen Übersättigung des Publikums, an dem Paradigmenwechsel in Hollywood, dass mittlerweile auf gemischtrassige Programmierung ansprang und einem zunehmend scharfen Ton der 'eigenen Leute', was alles andere übertünchte und in seiner Lautstärke das Interesse nahm. Zusätzlich sind die 'Spätwerke' von Grier gemäßigter in Sachen Gewalt und auch Sexualität, was dem anfangs ausgelobten Ansatz der Exploitation widerspricht:

Die in Chicago als Privatdetektivin tätige Sheba Shayne [ Pam Grier ] bekommt aus der Heimat Louisville beunruhigende Nachrichten über ihren Vater Andy Shayne [ Rudy Challenger ], wurde dieser doch in seiner Firma, einer Kreditgesellschaft überfallen und niedergeschlagen. Sheba will aufgrund der Untätigkeit der Polizei unter Führung von Sergeant Michaels [ Robert Drane ] sofort in die Offensive gehen, wird aber anfangs noch vom Kindheitsfreund und Partner ihres Vaters Brick Williams [ Austin Stoker ] zurückgehalten. Doch bald eskaliert die Lage endgültig, was die Frau zu eigenen Ermittlungen und dies zum lokalen Platzhirsch Pilot [ D'Urville Martin ] und dort zum Hintermann Shark Merrill [ Dick Merrifield ] und noch mehr Ärger führt.

Von der Großstadt Chicago, wo man sich weltmännisch und im 'Männerberuf' als Privatdetektiv mit der Waffe im Holster verdingt zurück nach Louisville, Kentucky, wo man in erster Linie sowieso nur eine Frau und dann auch nur eine Tochter, die “kleine Andy“ halt ist. Die beliebte Mär vom Neuankömmling in der (hübsch hausbackenen) Stadt, der dort endlich mal aufräumt und für Ordnung sorgt und normalerweise von einem Mann verkörpert wird (siehe auch Bucktown, in dem Fred Williamson eben jene Rolle und Grier nur die der wütend trauernden Witwe gibt), wird hier zusätzlich mit dem emanzipatorischen Anspruch angereichert und eben noch mit der Tatsache, dass die Heldin und ihr Umfeld Schwarz ist, was hier allerdings auch für die Bösen und so konträr zu den üblichen “Get Whitey“ - Stories gilt. [Das Hospital im Film und auch manche Wohnhäuser haben den Charme osteuropäisch-sozialistischer Zweckbauten.]

Ein Ladeneinbruch samt nicht geplanter, aber dann umso energischer ausgeführten Prügelei gegenüber dem zufällig noch anwesenden Besitzer sowie eine Autobombe später ist die verständlich einfache Geschichte von Autor, Produzent und Regisseur William Girdler – einem ausgesuchten Mann für Scifi Horror Nonsense mit Trashappeal – auch schon in die richtige Richtung und den zweiten Gang im Tempomaten gerückt. [Der früh durch einen Unfall verstorbene Girdler hat neben bekannteren und quasi berühmt-berüchtigten Titel wie Panik in der Sierra Nova, Der Manitou oder Grizzly auch die kommerziell erfolgreiche Blacorcist-Variante Abby, ein direktes Ripoff von Friedkins Exorzist, oder auch The Zebra Killer und die zumeist auch in seiner Heimatstadt Louisville gedreht.]

Wie auch die Männer sonst erledigt Sheba ihre Mission mit ihrem selbstbewussten Auftreten, sicherlich auch über das gute Aussehen, mit ihrer Pistole, mit etwas Folter (einer der armen Spitzbuben wird zum Steigern des Redeflusses in Chloride getränkt, damit er der “weißeste Neger in der ganzen Gegend wird“), und dann wieder mit der Pistole, zumindest wenn es an das Eingemachte geht. So wird auf einem nächtlichen stillgelegten Güterbahnhof etwas Hasche mit den Schergen des Hintermannes gespielt, die sich dann allerdings mit einem Waffengang mit Großkaliber und Schnellfeuergewehren am helllichten Tage und einer 'Umdekorierung' des Ladens revanchieren; die erste halbwegs blutige Szene, da mehrere Leute dran glauben müssen, bis auch endlich mal die unnütze Polizei und dies vor allem im mit Schießerei und Motorbootverfolgungsjagd angefüllten Finale auf einem See auf den Plan tritt.

Der Hauptverantwortliche Girdler, geschult nur von low-budget drive-in flicks inszeniert seine eigene Geschichte mit eher weniger Begeisterung, oder er kann es auch nicht besser; Dialogszenen sind nicht gänzlich steif geschrieben, aber so gespielt und auch die schnelleren Momente wirken oftmals wie noch in der Probe und gleichzeitig gestellt. Ein mittig längerer Atttentatsversuch einer Drei-Mann-Truppe auf Sheba hat genau eine gute Einstellung – als ein Auto plötzlich über die Böschung schießt und die entgegen Rennende Sheba dabei fast von vorn erwischt – , ist aber ansonsten unansehnliches Gelaufe und Verfolge samt ausführlichen Ringelpiez auf einem Jahrmarkt; da ist kein Druck dahinter und kein Esprit. Dummerweise wirkt auch die Titelheldin relativ unsympathisch, einiges wird sogar durch sie verschlimmert, während der Mann an ihrer Seite oftmals die wahren Worte sagt und sich auch in prekären Verhältnissen als der Denkende und Moralische im Bunde gibt. [Darsteller Stoker wurde hierdurch und Abby von Carpenter für Das Ende - Assault on Precinth 13 entdeckt.]

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