Keine spaziert so lässig durch die Straßen der Großstadt, zieht dabei ihren maßgeschneiderten Soundtrack wie einen Schweif Parfüm hinter sich her und macht dazu so eine adrette Figur wie Pam Grier. Wenn Barbara Manson ihr im funky Titelsong die „Dangerous Lady“ nachpfeift, meint man mit eigenen Augen zu sehen, wie sie das Kompliment direkt mit einem breiten Lächeln annimmt. In ihrem ausgefallenen Kostüm, derer sie in den folgenden 90 Minuten noch so einige auftragen wird, verströmt sie nicht nur grenzenloses Selbstbewusstsein, sondern auch gerade den nötigen Schlag gespielter Naivität, damit ihre Ausstrahlung endgültig durch die Decke schießt.
Hat man eine solche Ablenkung im Zentrum, braucht es drumherum oft gar nicht viel mehr. Entsprechend spartanisch ist „Sheba Baby“ ganz und gar um seine Protagonistin Sheba Shayne herum aufgebaut, die von Grier ähnlich wie ihre Friday Foster aus dem gleichen Jahr als weichere, konsensfähigere Version ihrer ikonischen Coffy– und Foxy-Brown-Charaktere aus den beiden Vorjahren angelegt wird.
Diesmal verschlägt es sie als Chicagoer Privatdetektivin zurück in ihre Geburtsstadt Louisville, wo ihr Vater Andy (Rudy Challenger) ein Kreditunternehmen betreibt und von Gangstern gewaltsam dazu gedrängt wird, sein Geschäft aufzugeben. Über die harten Basics hinaus hat der stark vom klassischen Western beeinflusste Plot kaum Verstrickungen zu bieten, also konzentriert er sich voll und ganz auf seine Kernkompetenzen: Einschüchterungen und Schießereien im Viertel, Widerstand gegen den Mob und Rachefeldzüge der Gerechtigkeit, nur dass hier eben die verchromten Kühlergrills stylischer Karossen des 70er-Baujahrs dekorativ vor der Kamera parken anstatt von Pferden.
Über alldem schwebt der Kampf gegen Windmühlen, den eine weibliche Ermittlerin in einer Stadt von außerhalb annehmen muss, um Fortschritte zu erzielen. Selbst im Kreis ihrer Verbündeten, bis hin zu dem Mann, mit dem sie ein Bett teilt, ist sie gezwungen, Zweifel mit handfesten Taten zu zerstreuen. Das heute weitgehend anerkannte Dogma der toughen Superfrau war seinerzeit noch nicht etabliert; die Spannungen, die aus dem permanenten Kampf um Respekt entstehen, beschäftigen einen Löwenanteil der investigativen Routine, mit der die einzelnen Stationen bis zum Kopf der kriminellen Organisation abgearbeitet werden, der wie so oft selbstherrlich auf einer großkotzigen Yacht am Hafen sitzt, fern von all dem Trubel im Zentrum, wo Glasfassaden zerschossen und Autos in die Luft gesprengt werden.
Aufgrund dieser Umstände ist Sheba, ähnlich eben wie Friday, mit einer gewissen Tendenz zur Aufdringlichkeit ausgestattet. Die Personen, die sich ihr in den Weg stellen, zermürbt sie mit purer Penetranz, die auch einhergeht mit der immer noch wandlungsfähigen, diesmal jedoch vergleichsweise zugeknöpften Garderobe, die in Kombination mit der piefigen Frisur in die Welt zu schreien scheint, dass diese Frau es nicht mehr nötig hat, Sex als Waffe einzusetzen. So manche Figur scheint innerlich mit den Augen zu rollen, wenn sie die Bühne betritt, oder es gar zu bevorzugen, den Otto zu machen und sich zu verdünnisieren, solange sie noch nicht entdeckt sind; ansonsten bestünde schließlich die Gefahr, dass ihnen die Visage in Sahnetorten, Chlorgranulat oder in die Bürsten einer laufenden Autowaschanlage gedrückt wird.
Dann wiederum neutralisiert Grier den Effekt der strengen, unerbittlichen Ermittlerin durch ihre ungestellte Natürlichkeit, was ihre Figur ein wenig ambivalent erscheinen lässt. Rein schauspielerisch wirkt sie selbst in den wenigen Situationen überfordert, in denen ihr ein paar Grundlagen der Emotionalität abgerungen werden, und doch trägt sie das magere Gerüst des Films schon aufgrund ihrer Aura praktisch im Alleingang. Die Vater-Tochter-Konstellation hätte man allerdings definitiv gerne vertieft gesehen, letztlich bleibt sie lediglich der Kickstart für eine relativ geradlinige Solo-Mission, die sich von Hinweis zu Hinweis hangelt und am Ende der Reise fast vergessen zu haben scheint, was die ursprüngliche Motivation für den Feldzug war.
Vom recht blassen Austin Stoker als Love Interest ist allgemein ohnehin nicht viel Support zu erwarten; Yaphet Kotto machte in „Friday Foster“ als Griers Sidekick wesentlich mehr her. Auf der Gegenseite versammelt sich wiederum das typische Wurzelgemüse aus überwiegend schwarzen Thugs, die von einem weißen Hai an der Spitze der Nahrungskette kontrolliert werden. D’Urville Martin macht als windiger Angelköder mal wieder besonders viel Wind, insbesondere, wenn er mit gezückter Knarre über den Jahrmarkt rennt und mit großen Augen von der weitgehend weißen Besucherschaft gemustert wird.
Der drei Jahre später tragisch bei einem Hubschrauberabsturz gestorbene Regisseur und Autor William Girdler, der bereits mit seinen früheren, ebenfalls in und um Louisville gedrehten Filmen wie „Three on a Meathook“ (1972), „Abby“ (1974) oder „The Zebra Killer“ (1974) seinen Hang zu reißerischer Genreware auslebte und auch anschließend mit „Grizzly“ (1976), „Panik in der Sierra Nova“ (1977) oder seinem Abschiedswerk „Der Manitou“ (1978) an dieser Marschrichtung festhielt, wird auch im vergleichsweise zahmen „Sheba Baby“ noch von einem gewissen Hang zur Theatralik angetrieben.
Das Handeln einer jeden Figur kommt stets einem Statement gleich, still und heimlich beseitigt wird hier niemand. Manches artet dabei auch in Zitaterie aus; wenn gegen Ende ein Schurke per Seil von einem Motorboot über einen See gezogen wird, dann darf man das wohl als direkten Verweis auf die Asphalt-Version derselben Art von Folter in „Coffy“ (1973) betrachten. Dass es dabei auch mal ein wenig merkwürdig zugeht, lässt sich wohl mit dem Übermut erklären, mit dem die Figuren ihren Trieben folgen. Bei dem unkoordinierten Einbruch ins Kreditbüro von Shebas Vater verhalten sich Einbrecher wie Besitzer beispielsweise hochgradig unbeholfen, und auch Shebas Einlage auf der Yacht hat mehr von einem Bitchfight in einem Untergrund-Boxring als vom selbstbeherrschten Gala-Auftritt eines Bondgirls, trotz des dynamischen Wechsels aus Neoprenanzug und Abendgarderobe.
Die Regie dürfte bei alldem manchmal gerne etwas dynamischer sein, denn die durchaus abwechslungsreichen Sets werden doch am Ende relativ monoton in Szene gesetzt. Louisville darf zwar viele seiner Facetten zeigen, aber wenn, dann doch eher im Postkarten-Modus. Der nachlassende Fokus des Drehbuchs schlägt sich letztlich auch auf die Schauwerte nieder, die nicht mit der nötigen Sorgfalt behandelt werden, um notfalls mögliche Schlaglöcher im Skript ausbessern zu können.
Es reicht immerhin für einen relativ klassischen enzyklopädischen Eintrag ins Blaxploitationfach mitten aus der Hochphase, der von seiner unvergleichlich charismatischen Hauptdarstellerin gerettet wird, die noch jeden Rohrkrepierer zwei Klassen besser zu machen wusste, selbst wenn sie mal nur eine Light-Variante von sich selbst liefert. Aber ohne einen zugkräftigen Lead wie Pam Grier wäre diese Produktion ohnehin obsolet gewesen, denn wie so viele Filme der 70er um schwarze Helden und Heldinnen zelebriert auch „Sheba Baby“ den Personenkult an sich gewissermaßen als Proto-Version des zeitgenössischen Superheldenfilms – in diesem Fall nur eben im Urban-Crime-Story-Gewand, ganz ohne große Schauwerte und Spektakel – sieht man einmal davon ab, was Pam Griers Kleiderschrank alles Buntes zu bieten hat.