Im Zuge der Veröffentlichungen der Celestial's Shaw Brothers Film Library auf den modernen Medien der VCD, DVD, BD innerhalb Asiens und anschließend auch schnell in Lizenzierungen im westlichen Markt angestoßenes Projekt, dass als Teil einer kleinen Reihe von angedachten Remakes ebenso funktioniert wie als komplett eigenständiges Werk. In Begleitung der früheren The Warlords (2007), 72 Tenants of Prosperity (2010), Wuxia (2011), Legendary Amazons (2011) als Update für bereits längere Zeit geplant, stellt sich die Wartezeit und die mehrfachen Veränderungen in der Wahl des Regisseurs und der weiteren Beteiligten im Nachhinein und in Unkenntnis anderer Visionen als Glücksgriff heraus. Anders als erwartet wird keine prompte Kopie der bekannten Geschichte um die The Flying Guillotine (1975) gesucht und so auch kein nachgebautes Gleichstück in vergebener Liebesmüh und Anpassung um der Anpassung willen, sondern eine autonome Mündigkeit in Selbstverwaltung der Identität erreicht. Ein historical war drama mit eigenen Stärken (vor allem dem von Handwerk und Technik) und eigenen politischen und philosophischen Ansinnen, dass Geschichte und Figuren ernst und analog dazu auch die Aussagen erwachsen, wenn auch im großen Martyrium und Sinnlosigkeit des Krieges bestimmt:
1740, Frühe Qing-Dynastie, unter der Herrschaft des Qianlong Emperor [ Wen Zhang ]. Um die rebellierende Gruppierung der Herders, angeführt von Wolf [ als jesusgleiche Erlöserfigur: Huang Xiao-ming ] zu stoppen, wird die kaiserliche Leibgarde der "The Guillotines" auf den Opportunisten angesetzt. Ein nur im Dunkeln und Geheimen operierendes halbes Dutzend speziell zum Töten ausgebildeter Attentäter, angelernt von Gonge [ Jimmy Wang Yu ] und geleitet von Nala Leng [ Ethan Ruan ], der bei dem Auftrag unliebsamerweise Begleitung von der Aufsicht von Haidu [ Shawn Yue ] bekommt. Da unter der Operation auch das Teammitglied Guaerjia Musen [ Chris Lee ], die einzige anwesende Frau und Tochter eines hochrangigen Offiziellen in die Fänge der Guerillas gerät, steht nach der ersten Hetzjagd bald ein dräuendes Schach aus Belagerung und Oppression, fern von der Hauptstadt und inmitten eines armseligen Wüstenvorortes in der nordwestlichen Gnasu Provinz im Raum.
Die gewisse Seriosität und Redlichkeit des Werkes darf man dabei sicherlich Produzent und Presenter Peter Chan und weniger, wenn auch dennoch dem sonst alles andere als integer angesehenen Regisseur Andrew Lau gutschreiben. Bereits im Auftakt an ist die Situation von einer unheilschwangeren Atmosphäre, einem allgemeinen Milieu aus Tod und Verderben und vorher Neid und Hass und Missgunst in der Gesellschaft verkörpert, die Farben gelblich krank und mit düsteren Nebeln umgeben. Gekämpft und gemordet wird in brutaler Herrschaft und mit vernichtenden Waffen, der Leib des Menschen auf- und zerrissen und die Extremitäten wie überflüssige Anhängsel vom Torso getrennt.
Eine Killereinheit als williges Werkzeug der Diktatur, als selbsterwähltes und Angst und Schrecken verbreitetes Mittel des Schreckensregimes, dass die Bevölkerung von oben herab unterdrückt und nah in die Armut und den ständigen Zustand von Krankheit, Gebrechen, Ausgemergeltsein drängt. Vieles ist feige und hinterhältig in den Charakterisierungen der Figuren angelegt, wird jede Möglichkeit zum Ausspielen der körperlichen oder waffentechnischen Kraft, zum Ausschalten zumeist wehrloser oder von vornherein unterlegener 'Gegner' und auch Androhung, Bedrohung und Folter als Medium zum Erfolg gewählt. Ein düsteres Kapitel der Historie, die anschließend in den Geschichtsbüchern umgeschrieben ohne Makel und zum anhaltenden Glanz und Gloria des Kaisers für die Nachwelt und die Ewigkeit dastehen soll.
Der Unterschied zwischen den Handlungen, der Herkunft, der Denkweise und den Umgang mit der Situationen macht den entscheidenden Einfluss der Erzählung aus, sind die Personendaten und das Innere die erste und die längere Zeit erst einmal egal, bevor die Identität doch zum Vorschein kommt und letztlich die Selbstbestimmung zählt. In frühester Kindheit dem familiären Heim entrissen und als Kindersoldaten annektiert und reglementiert, wird erst die anonyme Gleichheit in der Totalität gesucht und nur zögernd die eigene Existenz, das Dasein und nicht bloß das Vorhandensein erfragt. Rückblenden. Prophezeiungen. Anekdoten und Titelthemen, die aus Laus erstem wirklichen Durchbruch, der Heroic Bloodshed Triade Young and Dangerous [ 1996 ] stammen und hier doch recht fehlplaziert sind.
Wie auch die Produktion selber, die bereits 2006 und damalig noch in enger Verwandtschaft zum gleichzeitig angekündigten The Five Venoms Remake angekündigt und als immer wieder kurz vor dem Drehstart stehend proklamiert, sucht auch ihr Inneres von Form und Materie ihre Einkehr in Sein und Präsenz. Von möglichen Regisseuren wurden Teddy Chen und Dante Lam genannt und wieder umgestoßen und die Ernährung des Projektes vom zwischenzeitlichen Boom ähnlich aggressiver Wu xia pian nah an die Überdruss- und Auflösungserscheinungen der einstigen Welle gedrängt. Ungeachtet dessen und auch fern einer seichteren Unterhaltung wird hier eher der steinige Weg der Sinnsuche, urwüchsig und grob, martialisch und moralisch, zwischenzeitlich durchaus auch mit einer Zähigkeit im Geschehen und der anhaltenden Verzögerung von Narration und Inszenierung, die phasenweise nur noch aus Zeitlupen und permanenten Kameraschwenk und Rundläufen zu bestehen scheint, gewählt. Eine Belagerungssituation im Feindesland mit jeweils unterschiedlichen Vor- und Ausrufezeichen von Befindlichkeiten, in der die Situation mehrmals zu kippen droht und schließlich nichts mehr wie am Anfang gedacht zählt.
Heerscharen von Verletzten und Toten füllen das Geschehen, ist die Action zuweilen sparsam eingesetzt, wenn denn angefordert aber von Masse und Druck geprägt. Die titelgebende Waffe kommt weniger zum Einsatz, als das sie vielmehr das Synonym einer personellen Gerätschaft, dem Namen der Tötungseinheit stellt; eher wird das Schwert gezogen und geschlachtet und geköpft, und die Errungenschaften des Westens wie Pistolen und Gewehre bis hin zu Kanonen und anderen Instrumenten von Destruktion und Devastation gewählt. Final positioniert man sich komplett als Film, der den Krieg gleichzeitig verabscheut, quasi-messianisch erhöht und breitwandfüllend in voluminösen Bombenhagel und wuchtigen Explosionen zudem auch inszeniert und so wieder als Machtmittel propagiert.