Review

Hat die Ruhe weg!

Nachdem mir Thomas Arslans Gangsterkrimis exzellent gefallen haben, guckt man sich natürlich nach weiteren Werken von ihm um. Und da stößt man schnell auf "Gold" - einen lethargischen Goldgräber-Western über eine deutsche Auswanderin zwischen Aufbruch, Möglichkeiten und Gefahren eines neuen, unerschlossenen, reichen Kontinents...

Goldgräberstimmung

"Gold" fordert definitiv Geduld. Nicht viel anders als bei Arslans Krimis, aber wohl mit noch etwas mehr Weite und weniger Anspannung. Das wird einige überfordern und langweilen. Doch ähnlich wie beim Goldschürfen selbst kommen mit der Zeit immer mehr scharfe, kleine filmische Goldpartikel zum Vorschein, die alles dann doch bei Weitem nicht zur Qual werden lassen. Für mich zumindest. Die prachtvollen Landschaften und die tolle Nina Hoss. Der deutsche Blickwinkel, der in Western dann doch sehr frisch wirkt und bisher viel zu kurz kam. Eine fast meditative Ruhe, die über das Geschehen nachdenken lässt und jedem Konflikt Zeit zum Atmen. Eine nicht komplett ausufernde Laufzeit. Ein eingängiger Score voller Gefühl und Tragik. Roh, konzentriert, intensiv, langsam. Und so hat Arslan einen definitiv besonderen Western gedreht, der gerade für uns Deutsche von Mehrwert sein kann. Wenn man (gefühltes) Sitzfleisch mitbringt. Und einen Blick für Details. Die Abgründe von Arslans Berliner Unterwelt empfinde ich persönlich aber als fesselnder und kurzweiliger...

Fazit: beständig wie ein Fluss, gierig wie ein Goldgräber, weit wie ein unerforschtes Kanada... "Gold" ist trotz/gerade wegen seiner Trägheit und Ruhe ein sehr eleganter germanischer Western... Konsequent und präzise. 

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