Review

ACHTUNG ! SPOILER !

Die italienische Space-Opera 2+5: MISSIONE HYDRA ist nicht gerade eine Meilenstein im Genre des Science-Fiction-Films, dafür aber ein ausgesprochen witziges low budget Kuriosum und eine echte Perle des Trash-Films.

Um gleich am Anfang schon mal etwas Zeit zu schinden, wird der Zuschauer zunächst per Auto und Hubschrauber ausführlich mit den Sehenswürdigkeiten Roms bekannt gemacht. Nachdem gleich anschließend chinesische Geheimagenten zur allgemeinen Erheiterung auftreten, sorgen im Verlauf des Films vor allem die köstlichen (deutschen) Dialoge, die Darsteller und die billigen Spezialeffekte für weitere Momente unfreiwilliger Komik. So wird die Schwerelosigkeit im All simuliert, indem die Darsteller auf einem nicht sichtbaren Trampolin durchs Bild hopsen und dabei in Zeitlupe gefilmt wurden, ein Trick, der auch bei anderen Billigfilmen angewendet wurde. Um den Effekt zu verstärken, wurden einige dieser Sequenzen zudem um 90° gedreht und so kopfüber in den Film eingefügt. Während immerhin die Ausstattung des Raumschiffes recht gediegen ist und sich durchaus sehen lassen kann, sind die sonstigen optischen Effekte des Films nicht weiter erwähnenswert. Einzig einige Szenen gegen Ende des Films, als die Protagonisten zu Fuß durch die Überreste der Stadt Rom laufen, stechen hervor. Diese sehr seltsamen, aber effektiven Sequenzen erwecken den Eindruck, als gingen die Darsteller zwischen riesigen, zweidimensionalen, fast farblosen Fotos von zerstörten Gebäuden hindurch. Diese Szenen finden sich übrigens nur in der italienischen Originalfassung. Auf die weiteren Unterschiede der diversen Fassungen in denen der Film kursiert, wird weiter unten noch eingegangen.Die bereits angesprochenen Dialoge der deutschen Fassung erschöpfen sich entweder in haarsträubenden technischen Phrasen der Marke: „Lassen sie jetzt das Auswechseln des schadhaften multiteleskopischen Transkommunikationspeilers vornehmen." Oder sie sind total unsinnig wie dieser: „Selbst wenn wir jetzt auf die Erde zurück kehren, Professor, wer sagt ihnen, dass die Zukunft ihres Planeten nicht längst der Vergangenheit angehört? Oder etwa nicht !?" - „Ja, vielleicht haben sie Recht, aber noch ist nichts bewiesen."

Während die männlichen Darsteller des Films recht farblos bleiben, woran auch der effektvolle aber nur wenige Sekunden dauernde Auftritt von Gordon Mitchell nichts ändern kann, sind es vor allem die rothaarige Eleonora Ruffo und die affektierte Leontine, die dem Film einen besonderen Reiz verleihen, da die beiden Darstellerinnen trotz aller Turbulenzen immer wieder die Zeit finden, sich in neuen, gewagten Kostümen zu präsentieren. Eleonora Ruffo, der Regisseur Francisi einige eindrucksvolle Großaufnahmen gönnt und deren Make-Up in starkem Kontrast zu ihren roten Haaren steht, trägt im Verlauf der Handlung diverse sehr ausgefallene Kostüme zur Schau, die zumeist mehr enthüllen als sie verbergen. Doch es ist vor allem die weniger agierende denn posierende, sich produzierende Leontine, die mehr als einmal alle Augen auf sich zieht. So tritt sie u.a. mit einer Art Netzstrumpf-Overall auf, der an intimen Stellen nur mit ein paar roten Federbüscheln drapiert ist. Einfach großartig und bescheuert zugleich.
Die sprunghafte Handlung erfährt schließlich ihren Höhepunkt mit der wahrhaft zwerchfellerschütternden Sequenz auf dem „Affenplaneten". Dabei entpuppen sich die „Affen" als grölende Komparsen in absurden Zottelfell-Kostümen, die heftig in den kümmerlichen Kulissen herum springen. Spätestens hier stehen dem Zuschauer die Lachtränen in den Augen.
2+5: MISSIONE HYDRA ist alles in allem ein wunderbar groteskes Meisterwerk des Trash-Kinos.

Der Film wurde in zahlreichen Versionen im Kino und auf Video/DVD veröffentlicht. Im September 2015 wurde in Frankreich von „Artus Films" eine DVD unter dem Titel „Destination Planete Hydra" veröffentlicht, welche die ungeschnittene, 86:05 Minuten lange, italienische Originalfassung enthält. Zum Vergleich herangezogen wurden die US-Fassung, die 1977 unter dem Titel „Star Pilot" (80:59 Minuten) kurz in die Kinos kam, sowie die deutschen Fassungen von Inter-Pathe-Video „Raumschiff Terra zum Planet der Affen" (76:25 Minuten) und von Magic Video unter dem Titel „Star Pilot" (77:28 Minuten). Während man bei der Wahl des Filmtitels in den USA vermutlich hoffte, vom damals grassierenden „Star Wars" Fieber zu profitieren, glaubten die Marketingstrategen bei Inter-Pathe dagegen wohl mehr an die Zugkraft der bekannten Filmreihe um den „Planet der Affen".

Die DVD-Version enthält als einzige die original Vorspannmusik von Nico Fidenco. Für die deutsche Fassung wurde hier eine andere Musik verwendet und für die US-Fassung kam wiederum eine andere Komposition zum Einsatz. Was beim Vergleich der Fassungen sofort auffällt ist, dass gleich am Anfang der OF eine längere Szene vorhanden ist, die in allen anderen Fassungen fehlt. Diese setzt bei ca. 1:44 Minuten ein und dauert etwa 5 Minuten. Zu sehen ist die Inszenierung eines albernen Werbespots, in dem Leontine die Hauptrolle spielt. Interessant ist dabei eine Filmklappe die kurz eingeblendet wird und der wir folgende Informationen entnehmen können: „Regia: P. Nuccorini, Operatore: S. Ippoliti. 15.Maggio 1966 'Carosello sali da Bagno Presenta: Luisa Solmi'." Pietro Nuccorini war tatsächlich Regieassistent bei 2+5: MISSIONE HYDRA, während Silvano Ippoliti für den Film die Kamera bediente. Leontine und Ihre Background-Tänzerinnen treten hier übrigens in unglaublich bescheuerten Kostüme auf und tanzen zu einer Beat-Musik, wie sie Adriano Celentano nicht schöner hätte machen können.
Unterschiedlich gestaltet ist auch die erste Szene des Films, in der ein Reiter die Landung eines Raumschiffes beobachtet. So wird nicht ganz klar, wo denn nun dieses Raumschiff heruntergekommen sein soll. In der DVD-Fassung informiert eine Texttafel, dies sei in der „Region de Molino" geschehen. In der VHS-Version von Inter-Pathe hört man in dieser Szene zunächst eine Stimme aus dem Off (die in der OF nicht vorhanden ist): „Die Geschichte dieses Films beginnt im Jahre 1958 in der Nähe von Rom und endet nach menschlicher Zeitrechnung auf dem Planeten Gamma im Jahre...aber sehen sie selbst..." Anschließend wird noch ein Ausschnitt aus der Zeitung „Corriere della Sera" eingeblendet mit der Überschrift: „Bauer behauptet: Raumschiff in der Nähe von Rom gelandet. Im Umkreis von einem Quadratkilometer Hütten und alte Bauwerke zerstört. Wissenschaftler vermuten Zerstörungen durch kleineres Erdbeben ausgelöst." In der Fassung von „Magic-Video", welche auf der US-Fassung basiert, ist der Off-Kommentar zwar enthalten, es fehlt aber die Einblendung des Zeitungsartikels. In der US-Fassung heißt es aus dem Off: „One night, during the latter part of the 20th. century, on a small planet called earth, the third from the sun, in the solar system of the milky way, a strange occurence took place on the island of Sardinia. This event would alter the lifes of every living thing on the planet." Texttafel und/oder Zeitungsausschnitt kommen hier allerdings nicht vor. Unschlüssig war man sich wohl auch, um was für Geheimagenten es sich denn nun handelt, die im Film eine wichtige Rolle spielen. In der Originalfassung heiß es: „Siamo cinesi della repubblica popolare." In der deutschen Fassung: „Wir sind chinesische Geheimagenten und haben einen Spezialauftrag für Rot China auszuführen." In der US-Fassung wird jedoch behauptet: „We're Oriental, not Chinese."
In einer Szene des Films wird ein handschriftlicher Zettel eingeblendet, mit dem die Assistenten von Prof. Solmi um Hilfe ersuchen. Dieser Zettel ist in der Originalfassung auf italienisch, in der Inter-Pathe Fassung auf deutsch, in der Version von Magic allerdings auf englisch, so wie auch in der US-Fassung.
In der DVD-Fassung sind die Szenen auf dem „Affenplaneten" deutlich länger als in den anderen Fassungen und widmen sich hauptsächlich dem Liebesgeplänkel zwischen Luisa und Belsi.
Für Irritation sorgen auch die völlig ohne Sinn in den Film eingefügten Szenen aus dem amerikanischen no budget Film „The Doomsday Machine (Hydra - Verschollen in Galaxis 4)" und im Zuge dessen auch aus dem japanischen „Gorath", denn Szenen aus diesem Film waren bereits für „The Doomsday Machine" verwendet worden! Diese Szenen finden sich nicht in der Originalfassung, sondern wurden später in die US-Fassung eingebaut, auf der auch die deutschen Fassungen basieren. Zu sehen (neu synchronisiert) sind in diesen Szenen u.a. Casey Kasem und Grant Williams aus „The Doomsday Machine". Die Länge der Sequenzen summiert sich auf ca. 3 Minuten und sie finden sich etwa ab der 52, der 55 und der 74 Minute.
Während die deutsche Fassung damit endet, dass die auf dem von einem Atomkrieg zerstörten Heimatplaneten der Aliens gestrandeten „due donne e cinque uomini" beschließen, eine neue Gesellschaft aufzubauen, erscheinen am Ende der Originalfassung noch eine Handvoll primitiv gekleideter Menschen am Strand des Planeten, scheinbar die letzten Überlebenden des Krieges.

Ein wenig rätselhaft ist die Identität der in den Credits als „Leontine" gelistete Darstellerin, über die es nur wenige Informationen gibt. Verschiedenen Quellen zufolge wird sie entweder als Leontine May, hin und wieder aber auch als Leontine Snell bezeichnet. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass ihr richtiger Name Leontina Mariotta ist. Für Leontine Snell gibt es in der IMDb aber einen eigenen Eintrag. Sie ist vor allem als Partnerin von Regisseur Dino Risi bekannt.
Laut IMDb hat Leontine May zwischen 1963 und 1971 in ca. 14 Filmen mitgewirkt, u.a. in „Goldface - Der phantastische Superman" (1967) und „Kreuzfahrt des Grauens" (1971) sowie in einigen Italo-Western, Sandalenfilmen und Eurospy-Streifen.

Lauf OFDb wurde der Film in Deutschland auch noch von Venus Video, VAF Video Programm Cassette, Royal Video, Loyal Video und Action Video veröffentlicht und 1993 bei RTL II ausgestrahlt.

Presseheft:
„Ein Raumschiff vom Planeten Gamma landet irgendwo in Europa. Professor Lannert vom Interplanetarischen Raumfahrtinstitut macht sich mit seinen Mitarbeitern auf die Suche nach dem vermeintlichen Landungspunkt. An der vermuteten Landungsstelle ist nichts zu sehen. Eigenartig ist nur die überhöhte Radioaktivität des Geländes.
Als sie die Suche schon aufgeben wollen, entdecken die Wissenschaftler den Eingang einer unterirdischen Höhle. Das Raumschiff hat sich tief ins Erdreich gebohrt und so einen riesigen Hohlraum geschaffen.
Das Raumschiff vom Planeten Gamma wird von Captain Keina geführt. Die Computerzentrale auf dem Planeten Gamma hat mit Hilfe von Strukturmatrizen den Psychoempfänger auf die Erdsprache vorprogrammiert. Somit ist eine Verständigung zwischen den Erdbewohnern und den Invasoren vom Planeten Gamma möglich.
Captain Keina nimmt Verbindung mit Professor Lannert und seinen Mitarbeitern auf. Bereitwillig zeigt man ihnen das Raumschiff und bittet um Hilfe bei der Reparatur eines Ionentriebwerkes. Bei der zu harten Landung ist ein Flügel des Rückstoßtriebwerkes abgebrochen.
Während der Professor noch mit der Raumschiffmannschaft verhandelt, taucht ein neues Hindernis auf. Professor Lannert wusste nicht, dass er seit Wochen vom rotchinesischen Geheimdienst überwacht wurde. Unbemerkt sind ihm die Agenten auch bei seiner Suche nach dem Raumschiff gefolgt. Der Führer der Geheimdienstler ist CHANG, der den Professor zwingen will, ihm sein unterirdisches Atomlabor zu zeigen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den Wissenschaftlern und den Agenten. In letzter Sekunde greifen Invasoren von der Gamma ein und vernichten die chinesischen Agenten bis auf einen, CHANG kommt mit dem Leben davon.
Die Raumschiffbewohner halten die Tochter des Professors und seine Mitarbeiter als Geiseln zurück und zwingen Professor Lannert, die Ersatzteile des Ionentriebwerkes zu besorgen. Dann startet das Raumschiff zu einem Probeflug und nimmt Professor Lannert und seine Mannschaft mit. Als die Wissenschaftler merken, dass die Invasoren gar nicht die Absicht haben, sie wieder zur Erde zurückzubringen, kommt es zu einer dramatischen Auseinandersetzung. Das Raumschiff kommt vom Kurs ab und gerät in den Anziehungsbereich des Affenplaneten. Dieser Planet in Galaxis 2 wird von menschenähnlichen Affen mit einem hohen Intelligenzgrad bewohnt. Die Affen lassen das Raumschiff zwar landen, aber sie haben die Absicht, es zu vernichten. Wieder kommt es zu dramatischen Kämpfen und wirklich in letzter Minute gelingt es der Raumschiffbesatzung, erneut zu starten. Auf ihrem Weg durch dass All stoßen sie auf ein anderes Raumschiff, welches von der Besatzung verlassen zu sein scheint. Als ein Kommando an Bord geht, um das Raumschiff zu untersuchen, treffen sie nur noch auf tote Raumfahrer. Die Erde wurde durch einen Atomkrieg zerstört und das Raumschiff konnte nicht zurückkehren. Das Raumschiff Terra geht wieder auf Gamma-Kurs, um zu prüfen, was aus dem Planeten geworden ist.
Als das Raumschiff Terra nach langer Irrfahrt auf dem Planeten Gamma landet, ist dort jegliches Leben erloschen.
Gemeinsam mit der Raumschiffbesatzung wird Professor Lannert versuchen, mit seinen Mitarbeitern den Planeten Gamma neu zu besiedeln. Ob es gelingt...wird die Zukunft zeigen."

Aus der Werbung:

Dieser Film öffnet die Tür in die Vergangenheit und zeigt uns andere Dimensionen.
TERRA...ein Raumschiff aus der Vergangenheit.
Sie entdecken den Affenplaneten und erleben den Weltuntergang.
Ein Raumschiff auf der Suche nach der Welt von morgen. 

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