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In Irland wohnen nur wenige Menschen, von denen die meisten eher gastfreundlich erscheinen. Bei den wenigen fremdenfeindlich gesinnten Typen sollte man sich allerdings in Acht nehmen und nicht in deren Gegenden herumkurven, oder gar im Pub ein Bier verschütten, denn das kann grobschlächtigen Terror nach sich ziehen, wie Regisseur Jeremy Lovering uns glauben machen will.

Lucy (Alice Englert) und Tom (Iain De Caestecker) kennen sich flüchtig seit zwei Wochen und wollen in Nordirland gemeinsam ein Festival besuchen. Bei einem Zwischenstopp tief in der Walachei versagen jedoch Karte und Navi und als sie den verletzten Max (Allen Leech) aufgabeln, verbessert sich ihre Situation nicht wirklich...

Die Geschichte besinnt sich auf eine scheinbar alltägliche Ausgangssituation und bezieht daraus primär im ersten Drittel seine Stärke: Allein in einer fremden Umgebung, die Beziehung ist auch noch nicht von einer Vertrauensbasis geprägt und dann kommen Unsicherheiten und zunehmende Orientierungslosigkeit hinzu, die phasenweise in Paranoia münden.

Dieser Zustand der Machtlosigkeit ist sehr gut nachzuvollziehen, da sich die Schwächen der Reisenden erst im Verlauf herauskristallisieren und die nächtlichen, sehr engen Feldwege etwas Beklemmendes einfließen lassen, was durch den eher ruhigen Score atmosphärisch dicht transportiert wird. Natürlich hätte man bei deutlich zu geringer Tankanzeige frühzeitig in Richtung Zivilisation umkehren oder zumindest eine Alternative suchen können, doch da bleibt unser frisches Paar ein wenig stoisch, während Lucy eher als Sympathieträgerin durchgeht als Tom, der ein wenig verklemmt daherkommt und sich bald als Weichei entpuppt.

Die beklemmende Stimmung geht deutlich in Terror über, als zwei Gestalten auftauchen und Lucy aus dem Auto zerren wollen. Irgendwann liegen die Nerven blank und insofern sind irrationale Entscheidungen wie Taschenlampe im düsteren Wald noch nachvollziehbar, wobei der Gegenpart immer dann zu überzeugen weiß, wenn er sich möglichst lange im Hintergrund hält, was hier irgendwann völlig über Bord geworfen wird und ein paar merkwürdige Motive zutage fördert.

Dennoch kommt die Chose latent spannend daher, die drei Darsteller performen durchaus glaubhaft, wobei Alice Englert noch am meisten abliefert und zum Schluss einen passend ruhigen Song zum Score beisteuert.
Die sehr gute Kamera bringt die Enge der Wege sehr gekonnt auf den Punkt und auch die Wahl der Locations, einschließlich des anvisierten Hotels sind treffend gewählt.

Auch wenn dem Finale die Überraschungen fehlen und das leicht offene Ende nicht jedem zusagen dürfte, bleibt unterm Strich ein passabler Indie-Terror, der mit seiner simplen und doch glaubhaften Ausgangslage punktet und das permanente Unbehagen und die daraus resultierende Angst treffend auf den Punkt bringt.
7 von 10

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