Review

Einmal mehr muss ein Mythos für ein wenig Trash herhalten, denn die Sage von Paul Bunyan dürften allenfalls Holzfäller, Nordamerikaner oder nordamerikanische Holzfäller kennen.
Der Legende nach soll der Hüne mit seiner schleifenden Axt sogar den Grand Canyon erschaffen haben, - etwas ähnliches ist bis dato nur Chuck Norris gelungen, der bei einer Höhlenwanderung in Italien versehentlich sein Feuerzeug benutzte, wodurch der Ätna entstand.

Irgendwo in den Wäldern Minnesotas treten fünf Jugendliche eine Woche für ein Boot-Camp an, um einen Arrest zu umgehen. Unter der Leitung einer Sozialarbeiterin und eines Drill Instructors hetzt die Gruppe sportlich durch die Wildnis, als einer der Truppe ein ominöses Horn entdeckt und es mitnimmt. Doch damit schürt er die Wut eines riesigen Baumfällers, welcher daraufhin die Gruppe zu dezimieren versucht...

Es ist nicht mehr der Elefant im Porzellanladen, sondern die sprichwörtliche Axt im Walde, da das Monster annähernd vier Meter groß ist und sein Werkzeug eine entsprechende Größe aufweist. Bereits während der Exposition anno 1894 plättet der noch nicht ganz so große Paul eine Gruppe von Holzfällern, was die trashige Note deutlich vorgibt. Schade nur, dass Dan Haggerty, den ältere Semester noch als "Mann in den Bergen" kennen, nur eine Gastrolle mit zwei kurzen Szenen bekleidet.

Ansonsten ist die Story natürlich nebensächlich, denn die Camper stellen oberflächliche und eher langweilige Stereotypen dar, während der latent motzende Instructor eher als Karikatur durchgeht. Ein Waldschrat mischt zwar auch noch mit, aber nur, um den Hintergrund der Legende etwas eingehender darzubieten.
Leider dauert es annähernd 40 Minuten, bis der Hüne endlich zuschlägt, bis dato begnügt er sich mit einem Braunbären, wodurch wiederum ein Reh verschont wird. Eine schöne Naturaufnahme.

Der Fokus ist natürlich auf den axtschwingenden Unhold gerichtet, der ein wenig mit der Trollsippe verwandt sein könnte: Runder Mund, schiefe Zähne, schütteres Zottelhaar und dicker Bauch. Dazu ein stetiges Grummeln oder Brüllen, zuweilen auch mit direktem Blick in die Kamera, was nicht selten ein herzliches Schmunzeln hervorruft.
Auch die Gewalteinlagen, meistens mithilfe von CGI, fallen zwar grobschlächtig, aber keineswegs brutal aus. Denn wenn hier Körper horizontal oder vertikal geteilt werden und ein paar Köpfe rollen, wirkt dies zumeist comichaft überzeichnet, obgleich das blutige Treiben insgesamt durchaus Laune macht.

So wird eine Hütte zerdeppert, es gibt ein paar richtig übel inszenierte Greenscreens, manche Kaliber scheinen dem Monster nichts auszumachen und ein blauer Ochse mischt der Legende nach auch noch mit. Der Showdown auf einer Brücke erinnert an die Vorbilder der Fünfziger und am Ende ist eine Fortsetzung noch nicht einmal ausgeschlossen.
Dann hoffentlich mit einer besseren Synchro und passenden Stimmeffekten, da eine Stimme im Wald nicht wie die aus einem Keller klingen sollte.

Nichtsdestotrotz bereitet der Trash phasenweise Laune, sofern man mit dem Metier und den dazugehörigen billigen Effekten etwas anfangen kann. Ein ordentliches Tempo und viel Bewegung ist zumindest ab Mitte der Laufzeit vorhanden und die einen oder anderen (un)freiwillig komischen Szenen beschwingen das anspruchslose Gemetzel.
Mal abgesehen von der etwas trägen ersten Hälfte recht kurzweilig, allerdings nicht so spaßig wie der vergleichbare "Trollhunter".
6 von 10

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