kurz angerissen*
Das Remake des mexikanischen Indies “Somos lo que hay” schwenkt von der gesellschaftlichen Einbettung der Kannibalenthematik in die vom christlichen Fundamentalismus bestimmten Backwoods Amerikas und macht sich den Stoff auf diese Weise zu eigen, obwohl die Grundkonstellation lediglich 1:1 auf links gedreht wird: So ist es diesmal die Mutter, die in der ersten Szene stirbt und der Vater, der seine Kinder fortan auf den schicksalhaften Weg bringen wird, ohne dass der Geschlechtertausch intensiv genug im Subkontext genutzt würde.
Leider verpasst Jim Nickle auch, seiner Neuauflage ein visuelles und dramaturgisches Update zu verpassen. 60 Minuten, vielleicht sogar 80, schleppt sich die Handlung in ihren ausgemergelten Farben spannungslos dahin und erringt dabei nur ein Mindestmaß von der angepeilten Subtilität. Wiederum kann man sagen, der Weg sei der richtige, Splatterorgien und sonstige Plakativitäten zu vermeiden, doch die Umsetzung sei beschränkt. Nicht einmal mit dem einzigen adrenalinhaltigen Moment, dem Ende, möchte man mitgehen, da hier der mühsam erhaltene Verzicht auf Drastisches mit einem Schlag aus dem Weg geräumt wird, ohne dass dies in der Intensität mit der charakterlichen Entwicklung vereinbar wäre, die insbesondere die beiden Töchter des Kannibalen durchmachen.
Das Original wird letztlich vor allem deswegen knapp übertroffen, weil der Erzählfokus geradlinig bleibt und aus dem Zusammenhang gegriffene Subplots vermieden werden. Das bestmögliche Resultat hat man aus dem Stoff aber wieder nicht erzielen können.
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