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Los Angeles ca. 2008: Marc (Israel Broussard) ist mal wieder von seiner alten Schule geflogen und so kommt er auf eine neue Highschool im edleren Vorort Calabasas. Er ist kein wirklicher Freak oder Außenseiter, aber auch nicht besonders selbstsicher. Dennoch lernt er schon am ersten Tag die attraktive Rebecca (Katie Chang) kennen, die ihn 1.) schnell auf eine spontane Diebestour mitnimmt (sie checkt bei parkenden Auto, ob diese zufällig offen sind und nimmt sich das mit, was ihr gefällt) und 2.) ihn mit ihren Freundinnen Nicki (Emma Watson), Chloe (Claire Julien) und Sam (Taissa Farmiga) bekannt macht. Sie schließen Marc schnell ins Herz, zumal er guten Geschmack hat und sich für Mode und Promis interessiert. Tja, und zufällig entsteht bei der mit genug krimineller Energie gesegneten Rebecca die Idee, mal bei Promis zu gucken, was die so im Haus „haben“, wenn diese unbewohnt sind. So steigen die Kids in immer mehr Promihäuser ein, allein acht Mal bei Paris Hilton, um sich zu bedienen, das Diebesgut entweder anzuziehen oder zu vertickern und sich so ihren Idolen nahe zu fühlen oder sogar selbst Promis zu werden. Irgendwann jedoch werden sie von einer Überwachungskamera gefilmt und so zieht sich langsam, aber sicher der Ring um den „Bling Ring“ zu…

Homeschooling made in Hollywood: Kinder; ich zeige euch einen wirklichen Wohltäter und wichtigen Menschen und ihr sagt mir, warum sie so beneidenswert ist. Die Mutter (Leslie Mann) von Nicki hält eine Fotocollage von Nelson Mandela hoch…NEIN: von Angelina Jolie … und ist dabei selber so kamerageil, dass sie das Interview mit ihrer später verhafteten Tochter immer wieder unterbricht, um sich in Szene zu setzen. Da muss man doch gestört werden, oder?

Dieser Frage geht Sofia Coppola in ihrem neuen Film nach. Er beruht auf der wahren Geschichte des Bling Rings, einer Gruppe von Jugendlichen, die in diverse Häuser von Stars einbrachen. Um zu klauen, um ihre Neugier zu befriedigen, um sich cool, stark und reich zu fühlen… ganz so wie die Stars, die sie anhimmeln. Egal, ob Lindsay Lohan, Paris Hilton, Rachel Bilson, Orlando Bloom oder Audrina Partridge: es sind meistens Stars (abgesehen von Orlando Bloom und Rachel Bilson), die ihren Ruhm primär aus ihrer schieren medialen Omnipräsenz speisen, ohne wirklich zum Beispiel überragende Filmstars zu sein.
Bei Hilary Swank oder Meryl Streep wurde nicht eingebrochen – zu normal wirken solche Stars, zu wenig prominent und vor allem haben diese keinen offensichtlich luxuriösen Lifestyle, den es zu kopieren lohnt. Sie sind wie Schlangen an der Brust von Hollywood, „erzogen“ durch verstörte oder abwesende Eltern und Klatschmagazine, in denen B-Promis unsäglichen Mist verzapfen können, den diese leeren Kids begierig aufsaugen und dann bei den Interviews nach ihrer Verhaftung von sich geben: „Ich möchte einmal ein Land führen“, sagt Nicki nach ihrer Verhaftung? Wohin? In eine Bling Bling-Diktatur?

Sofia Coppola macht auch hier etwas, weshalb ich viele ihrer früheren Filme so mag: sie beobachtet, sie schafft Stimmungen mit Bildern und Musik und sie wertet nicht. Das überlässt sie uns, dem hoffentlich mündigen Zuschauer. Und sie schafft jugendliche Figuren, die (abgesehen von Marc) nicht unbedingt 100%ig sympathisch sind, die man aber trotzdem nicht blind verurteilt, trotz ihrer Straftaten. Und – ich als schäbiger Mann muss es zugeben – die Hauptdarstellerinnen, vor allem Claire Julien und Taissa Farmiga, sind mehr als hübsch anzuschauen. Sie sind umwerfend. Und dabei bleibt „The Bling Ring“ merkwürdig unerotisch, selbst als Nicki an der Stange von Paris Hiltons Partyraum tanzt: Sexualität findet kaum statt, lediglich Sexyness. Und Marc ist schwul und passt als Einziger in Paris’ Schuhe, schließlich hat sie Grüße 43. Sein Glück und der Neid der Mädchen ist ihm sicher.

Ein bizarrer Trip, Promiprojektionen mit schwarzen, sarkastischen Abgründen, die funkelnd schön sind. Cooler Film, Frau Coppola, wieder mal!

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