Found Footage-Filme sind nach wie vor auf beiden Seiten sehr beliebt. Bei den Produzenten, da solche Streifen nicht viel Geld kosten und somit das Risiko, einen finanziellen Flop einzufahren, sehr gering ist. Auf der anderen Seite jedoch auch bei uns Zuschauern, bzw. Fans, da es auch viele Menschen gibt, die mit diesem Genre gar nix anfangen können. Meine Meinung dazu ist: Ich sehe dieses Genre gerne, habe aber schon mehr Bockmist als brauchbare Filme gesehen.
Dass sich jedoch mittlerweile auch namhafte Regisseure an diesem Genre austoben ist mir neu. Bei "Devil´s Pass" versucht sich niemand geringeres als Renny Harlin, der schon Feuerwerke wie "Stirb Langsam 2", "Mindhunters", "Deep Blue Sea" oder etwa "Cliffhanger" abfeuerte.
Die Story dreht sich um "Das Unglück am Djatlow-Pass", eine wahre Geschichte, bei der im Februar 1959 neun Bergsteiger in den russischen Bergen ums Leben kamen. Die Ursache ist bis heute ungeklärt, dementsprechend mit Verschwörungstheorien verbunden ( wer tötete nochmals JFK ?) und - natürlich prädestiniert ist, für einen klasse Filmstoff abzuliefern.
Eingebettet wird dies in eine Rahmenhandlung, bei der fünf Studenten aus dem heutigen Amerika auf den Weg ins kalte Russland machen, dies natürlich dokumentieren wollen mit dem Ziel, des Rätsel´s Lösung zu finden...
Um es kurz zu machen, mit "Devil´s Pass" liefert der Typ, ja, genau der Typ der "Stirb Langsam 2" abgedreht hat, seine wohl bis dato größte Filmgurke ab. Bis auf minimale Ausnahmen zähle ich jetzt mal listenartig, ohne groß zu spoilern, die negativen Dinge bei diesem Found Footage-Schrott auf:
Es beginnt bereits mit der Kameraart, bzw. -haltung. Diese ist so aalglatt gebügelt, dass dieser Film schon beinahe als reinrassiger Spielfilm durchgehen könnte. Es gibt keine Anzeichen von Wackeln oder sonstigem Schnickschnack, das nach "Selbstgedreht" aussieht. Nein, es wird noch besser: Die Kamerafrau unter den fünf Charakteren, hat für die Doku scheinbar 10 km Fußweg mehr als die anderen zurückgelegt. Ständig sieht man Panorama-Aufnahmen mit der Gruppe, bei der die Kamerafrau locker 50 bis 100 Meter weg steht, um die Reise möglichst schön aufzunehmen. Auch beim Wandern durch die Berge sitzt die Kamera so stabil, wie es nur Drei-Wetter-Taft bei der Haarpracht kann. Wenn es mal hektisch wird, passieren keine Schwenks, kein Gezittere oder sonstiges: Die Figuren sind immer ganz im Bild.
Nicht dass mir diese zweifelhafte Vorgehensweise auf die Nüsse gehen würde, aber dann kann man auch gleich einen lupenreinen Horrorfilm drehen, bei dem die Protagonisten nicht ständig in die Kamera brabbeln müssen.
Zweiter absoluter Negativpunkt ist, dass Harlin scheinbar auch ansonsten mit diesem Genre nichts anfangen kann. Denn, ganz ehrlich: Die ersten sechzig (!) Minuten passiert rein gar nix. Nichts, nada. Keine Atmosphäre, keine Spannungsmomente oder sonst etwas, was mich vor dem Einschlafen retten könnte.
Das einzig gute, was ich an dieser lahmärschigen Produktion mitnehmen konnte ist, dass ich mich mit anderen Fragen beschäftigen konnte: Warum zur Hölle haben Russen in der deutschen Synchro immer so einen behinderten Akzent in Filmen, als wenn alle einen Schlaganfall erlitten hätten? Ich kenne genug Russen (jo mein Block und so, ne), die natürlich ebenfalls einen Akzent haben - der jedoch nicht annähernd an diese Form rankommt.
Falls ihr denkt, der dreamlandnoize hat eh einen an der Waffel und euch entscheidet, diesen Film anzuschauen, könnt ihr euch natürlich auch genauso wie ich anderen Sachen widmen. Bügeln, Zigaretten stopfen oder auf dem Smartphone surfen.
Während mich also die langatmige Einführung von einer Stunde beinahe an den Rande eines Nervenzusammenbruchs geführt hätte, geht es dann auf einmal, wie aus dem Nichts, doch noch mit Found Footage vom Feinsten los.
Die Bilder wackeln, die Kamera ist unscharf und wackelt sich einen dermaßen ab, als müsse man die ersten verpennten Zwei Drittel nachholen. In vielen Szenen erkennt man beinahe gar nichts mehr, was aber eben auch ein markanter Punkt in diesem Genre ist. Hier würde ich ja dann endlich mal Beifall klatschen, doch - sorry Renny - die Story entwickelt sich nach meinem Geschmack dermaßen ins Lächerliche, dass es weh tut und man auch den Rest des Films als absolut vergeudete Zeit abhaken kann.
Fazit:
Somit haben wir es mit einem absoluten Filmwrack zu tun. Eine Stunde aalglatte Bilder, in denen nichts passiert. Nur, um am Ende eine lächerliche Auflösung zu bieten, die ich sonst nur von den Scary-Movie-Filmen kenne.
2/10