Aus Alistair MacLeans Treatments um die fiktive Eingreiftruppe UNACO wurden mehrere Romane und drei Filme gestrickt, nach „Hostage Tower“ also „Death Train“ von 1993.
Das von Regisseur David Jackson geschriebene Script des TV-Terrorismusthrillers geht allerdings direkt auf politische Erlebnisse ein, die Alistair MacLean selbst nicht mehr miterlebte: Den Zusammenbruch der Sowjetunion. Diesen kann der General Konstantin Benin (Christopher Lee) nicht akzeptieren und lässt daraufhin zwei Atombomben zusammenschrauben sowie einen Zug in Bremen kapern. US-Action in deutschen Landen, das ist durchaus mal was, was man nicht alle Tage sieht und durch sein Setting kann sich „Death Train“ zumindest ein wenig von anderer Einheitsware abheben.
Bei der UNACO gehen die Meldungen vom gemopsten Plutonium und vom entführten Zug ebenfalls ein, weshalb es nicht schwer fällt erste Schlüsse zu ziehen, vor allem als die Entführer sich melden und freies Geleit verlangen. Spezialagent Mike Graham (Pierce Brosnan) wird beauftragt die Geiselnehmer zu stoppen. Eine der zahlreichen Agentenrollen Brosnans, bevor er dann tatsächlich James Bond spielen durfte.
Benins Helferlein kurven nun mit einer der Bomben gen Irak, während der General seine Forderung stellt: Die Wiederherstellung der alten Grenzen der Sowjetunion oder die Irakis kriegen die Bombe. Mike und sein Team sollen dem einen Riegel vorschieben…
Das könnte eine Art „Die Hard“-Variante an Bord eines Zuges sein, aber tatsächlich begibt sich Mike nur zwischendurch auf den Zug, meist planen er und die anderen UNACO-Agenten den Zugriff von außerhalb. Also weniger Actionfilm, sondern eher waschechter Terrorismusthriller – natürlich nicht ohne ein gewisses Maß an Ballerei. Und tatsächlich können sich die Shoot-Outs sehen lassen, wenngleich es nur recht wenige davon gibt und die meisten davon nicht allzu lang sind.
Für TV-Verhältnisse ist „Death Train“ auch sonst OK, aber zu wirklich Großem fehlt hier der Antrieb. Denn der Film mag zwischendrin ganz spannend sein, doch das Rezept ist durchschaubar: Natürlich müssen die ersten Zugriffe scheitern, sonst wäre der Film ja in Rekordzeit vorbei, neben den actionreichen Anti-Terrormaßnahmen gibt es noch ein wenig Psychokrieg zwischen Terroristen an Bord des Zuges, UNACO und Benin, der mit einer weiteren Truppe von außerhalb mitmischt. Natürlich darf der obligatorische Verräter im Team der Guten nicht fehlen, aber die Auswahl hier ist leider nicht groß, wodurch „Death Train“ wenig überraschen kann.
Immerhin hat die zweite Hälfte ein paar nette Twists im Ärmel, z.B. wenn das UNACO-Team versucht Benin und seinen Chef-Highjacker Alex Tirney (Ted Levine) gegeneinander auszuspielen oder die (ebenfalls obligatorische) finale Bombenentschärfung nicht ganz so endet, wie man es erwartet, aber diese Momente sind auch kein Meisterstück schreiberischen Könnens: Sie wirken deshalb etwas besonders, weil der Rest vom Film so gewöhnlich ist. Auch die Regieleistung ist solide, aber eben nicht herausragend, ein typisches Routineprodukt ohne große Ambitionen, aber auch ohne eklatante Schwächen, immerhin.
Pierce Brosnan übt auch schon mal solide für spätere Bond-Einsätze, das Charme und das Charisma der Kultfigur hat sein Mike Graham nicht, aber den toughen Agenten, den kauft man ihm schon ab. Alexandra Paul als starke Frau wird leider zur sehr auf den Rang der zweiten Geige verwiesen, macht aber noch viel aus der Rolle, während Patrick Stewart als Einsatzleiter doch eher eine Routineleistung runterreißt. Trotz wenig Screentime versteht Christopher Lee hingegen sich durchzusetzen: Seine Auftritte sind markant, präzise und die darstellerischen Highlights des Films.
Großartige Top-Action oder eine der wirklich gelungenen MacLean-Adaptionen (von denen es leider eh nicht so viele gibt) darf man nicht erwarten, doch solide TV-Unterhaltung bietet „Death Train“ schon. Nix Besonderes, aber auch alles andere als ärgerlich.