Story :
Ein bewußtloser, junger Mann wird in einem abgelegenen Wald von jemand anderem durch das Unterholz geschleppt.
Das auch die hiesigen Backwoods gefährlich sind kann man sich spätestens denken als man aus dem Off das Geräusch einer stumpfen Säge hört die sich ihren Weg durch Fleisch und Knochen bahnt und jemand mit einem abgetrennten Kopf in seiner Hand auf uns zu kommt.
Leider haben 2 beste Freunde keine Ahnung was in der Umgebung ihrer alten Heimat vorsichgeht.
So versprechen sie sich ein tolles Wochenende in dem sie ihrem Hobby, der Jagd, fröhnen können.
Nachdem der perfekte Platz gefunden wurde und das Lager für die Nacht steht, erspäht man auch schon die erste potenzielle Trophäe und die Jagdgewehre werden geschultert.
Als die Waffe angelegt und das Ziel anvisiert wird erscheint aus dem nichts eine Person die eine Hockeymaske trägt und streckt unsere Jäger mit dem Baseballschläger mit gezielten Schlägen nieder.
Beide werden in eine abgelegene Hütte verschleppt die mit den verschiedensten Waffen und Maschinen bestückt ist.
Schon bald müssen die beiden Freunde feststellen das der Kidnapper im Umgang mit Handkreissäge und Messer mindestens genau so vertraut und sicher ist , wie Leatherface mit seiner Kettensäge.
Auch hier trifft die Tagline "Die glücklichen Sterben als erstes" aus Hills have Eyes vollends zu.......
Bewertung :
Mit deutschen Amateur- und Indiefilmen ist das ja immer so eine Sache.
Es gibt wenig Genrebeiträge mit denen man vollends zufrieden sein kann.
Was uns vorgesetzt wird sind Filme die vollkommen sinnfrei, schlecht umgesetzt und voll von schlechten FX sind wie z.B. DAS KOMABRUTALE DUELL oder THE BUTCHER.
Dann hätten wir da noch den Herrn Taubert, der Hypertrash am laufenden Band produziert welcher aussieht als würde das Budget grade mal im zweistelligen Euro Bereich liegen.
Und Taubert Filme kommen ja leider meist mit Nebenwirkungen daher die von "plötzlich eintrettender Müdigkeit" bis hin zu"eventuellem Realitätsverlust" reichen können.
Und leider sind auch oft die Filme von z.B. Marcel Walz oder Andreas Bethman nur bedingt zu genießen.
Wenn man sich also nun die Story zu LIMBLESS durchliest könnte man schnell denken das es sich auch hierbei wieder um deutschen Wald & Wieden Gonzo Splatter handelt, der in verwackelten Bildern mit der preiswertesten Digicam die zu bekommen war in kürzester Zeit motivationslos heruntergekurbelt wurde.
Dem ist aber zum Glück garnicht so!
Was die Crew von Boredom-Production Independentfilm und Daniel Konze hier als Debüt-Kurzfilm vorlegen erfüllt positiverweise keine der Kriterien um LIMBLESS als dilettantischen und fehlgeschlagenen Schnellschuß abzutun.
Was man hier zu sehen bekommt ist auf hohem technischen Niveau und wirkt zu keiner Zeit billig; der Style und die Bildqualität des Films schauen eher aus als hätte man es hier mit einem Fernsehfilm zu tun der für einen der öffentlich-rechtlichen Sender produziert wurde!
Man sieht also was man mit einem ambitioniertem und kreativem Team und gutem Equipment auf die Beine stellen kann wenn man nur will!
Selbst einige Filme von Olaf Ittenbach sehen meiner Meinung nach wesentlich semi-professioneller und kostengünstiger aus als LIMBLESS.
Und zu LIMBLESS muß hier auch gesagt werden das es auch so etwas wie ein Schnellschuß-Projekt war :
Die Idee zum Film hatte man an einem Freitag Abend und schon am nächsten Morgen befand man sich mitten im Dreh nachdem das Kunstblut angerührt wurde und Requisiten beim Metzger besorgt wurden.
Die gesamte Drehzeit des Films betrug grade einmal 18 Stunden und das Budget betrug 350€, wovon 100€ für Benzingeld und 150€ für die FX und Props investiert wurden.
Die Post Production von LIMBLESS war dann mit 6 Monaten schon etwas aufwändiger und länger als der Dreh selbst; diese Zeit die man investierte hat sich aber ohne Zweifel gelohnt und man bekommt einen einzigartigen Genrebeitrag von Fans für Fans serviert.
Schon der Anfang des Films ist wirklich stimmig und die Schmutzpartikel & Streifen lassen Old School Horrorfeeling aufkommen.
Die Sägesounds die hier zu Beginn verwendet wurden hören sich so echt an das man das Abtrennen von Gliedmaßen direkt vor
dem inneren Auge für sich selbst visualisieren kann; selbst wenn sich alles im Off abspielt.
Die anderen Sounds und auch die Musik die in LIMBLESS zu hören sind, sind erstklassig und unterstreichen die
Atmosphäre des Films; teils erinnert der Score an die subtile,schaudererregende Musik die man in den späten 70gern und frühen 80gern in Horrorfilmen wie z.B. PHANTASM oder TANZ DER TEUFEL gehört hat.
Am anfang des Films, wenn die Freunde im Auto auf dem Weg in den wald sind,bekommt man ein Metalstück zu hören.
Im ersten Moment denkt man das hier ein altbewährtes und auch abgedroschenes Klischee des Indie
Horrorfilm aufgegriffen wurde; doch durch ein Kommentar einer der Hauptdarsteller wird dies auf geschickte
Weise ad absurdum geführt und regt zum Schmunzeln an.
Auch die Darsteller sind klasse; die zwei Jäger wirken glaubwürdig und kein Hang zum Overacting ist hier zu erkennen.Natürlich kann man über den Killer nicht viel sagen da er den ganzen Film über kein Wort spricht und auch die ganze Zeit die Maske trägt; aber seine Präsenz wirkt ohne Zweifel bedrohlich.
Die Gore FX sind wirklich erstklassig; sie sehen realistisch aus, kommen hart daher und sind alle Handgemacht; lediglich zwei digitale Effekte hat es in LIMBLESS gebraucht.
Farbe uns Konsistenz des zur Verwendung gekommenen Filmblut haben mir auch bestens gefallen und sehr zugesagt;
ein schöner tief-roter und dickflüssiger Lebenssaft der hier aus den Wunden und abgetrennten Gliedmasen herausläuft befriedigt die Gorehounds definitiv.
Die Location ist exquisit gewählt worden und vermittelt das perfekte Backwood Feeling im leicht nebelverhangenem und regnerischem Wald und man kann beim schauen des Films das nass-kalte Wetter fast am eigenem Körper spüren kann.
Zwangsläufig wird man aufgrund des Schauplatzes an Filme wie WRONG TURN, VERSUS, FREITAG DER 13TE oder MANHUNT BACKWOODS MASSACRE denken müßen.
Die Hütte im Film, in der LIMBLESS dann in der zweiten Hälfte spielt, sorgt für eine morbid-schaurige Stimmung und es macht den Anschein als wäre Leatherface in seine erste eigene Bleibe gezogen und sammelt anstatt Knochen und
Menschenhaut nun Waffen,Folterwerkzeuge und Maschinen.
Es ist schier unglaublich das dies der erste Film von Daniel Konze ist, der zuvor "nur" 2 BMX Videos gedreht hatte.
LIMBLESS bietet ein tolles Ambiente gepaart mit Thrill und Hard-Gore FX und vom sonst meistens vorherrschenden Distanzverlust im deutschen Indiehorror nimmt man nicht das geringste wahr.
Aufgrund der doch harten FX dürften auch Fans von SAW oder HOSTEL hier auf ihre Kosten kommen!
Damit ein Splatterfilm erst richtig wirkt und funktioniert benötigt man eine homogene Mischung aus Effekten, Montage, Schnitt und Ton und diese Attribute findet man hier alle.
Eventuell werden einige kritischen Zungen anprangern das man hier "erneut" einen Killer in Hockeymaske vorgesetzt bekommt, wenn man sich den Film aber aufmerksam anschaut dürfte dem Zuschauer schnell auffallen das die Maske nur Mittel zum Zweck ist.
Die Maske ist lediglich ein Artefakt und austauschbar; man hätte genauso gut eine Leatherface Maske, eine Michael Myers Maske, einen geschlossenen Motoradhelm oder eine einfache Sturmhaube nehmen können.
Eigentlich sollte es für jeden ersichtlich sein das es sich nur um ein Requisit handelt damit das Finale des Films stimmig und schlüssig ist!
Ich bin definitiv durchaus begeistert und habe eigentlich nur einen Kritikpunkt denn ich anmerken muß : Die Laufzeit!
Ich war richtig im Sog von LIMBLESS drin und da war er leider auch fast schon zu Ende; weswegen ich ihn mir nach Sichtung des Bonusmaterials auch direkt noch ein zweites Mal angeschaut habe!
Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Film von Boredom-Production, THE RISE OF VALHALLA, der im Sommer 2014 das Licht der Welt erblicken wird und allein schon die Story liest sich klasse und der Teaser des Soundtracks klingt wirklich bombastisch!
Ab dem 26.1.2013 könnt ihr euch aber auf der Boredom-Production Webseite schonmal den Teaser zu THE RISE OF VALHALLA ansehen und wie ich selbst auch ungeduldig auf auf den Film warten.
Für mich einer der besten Independent Horror Kurzfilme der letzten Jahre in tollem Stil und sehr ambitioniert und blutig umgesetzt!
9 von 10 Jagdwochenenden
Zur DVD :
Die DVD zu LIMBLESS ist nur über die Boredom Webseite zu beziehen, wovon leider nicht mehr viele verfügbar sind.
Die DVD ist auf 50 Stück limitiert und hat ein tolles animiertes Menü welches auch mit Musik unterlegt ist.
Neben dem Hauptfilm gibt es dort auch eine selbstlaufende Bildergalerie, Outtakes, einen Headshot Test und ein Bild in Bild Audiokommentar.
Der Bild in Bild Audiokommentar ist in geselliger Runde mit ein paar Bier aufgenommen worden und lustig und informativ; ihr dürft euch nur nicht über die längere Laufzeit
des Audiokommentars verglichen zum Fill wundern.
Es gibt keine längere Fassung; der Audiokommentar ist einfach nur länger weil Regisseur Daniel Konze vom Bier etwas Druck auf der Blase hat und eine Pinkelpause brauchte.
Als Bonus gibt es den Hauptfilm auch nochmal in einer 720p Fassung im MP4 Format.
Der Ton liegt hier in Dolby Stereo und Dolby Digital 5.1 vor und ist schön dynamisch geworden.
Außerdem sind auch noch englische Untertitel vorhanden.
Eine rundum gelungene DVD Veröffentlichung die keine Wünsche offen läßt!
Den kompletten Film könnt ihr euch übrigens bei Youtube und vimeo anschauen.