Mit einem Prequel zum Musical-Klassiker „Der Zauberer von Oz“ geht auch ein renommierter Regisseur wie Sam Raimi ein großes Wagnis ein, Teile der verspielten Magie des Originals ein wenig erblassen zu lassen, doch glücklicherweise versucht er dem Klassiker nicht zwanghaft das Wasser zu reichen, was auch einen gewissen Respekt verdient.
1905 in Kansas: Zauberer Oscar (James Franco) schlägt sich beim Wanderzirkus als Blender und Aufschneider durch, als er auf recht stürmischem Wege in Oz landet, einem farbenprächtigen Land voller Geheimnisse. Hier trifft er auf drei undurchsichtige Hexen, denen Oscar vorgaukelt, er sei der erwartete Zauberer. Doch dann zeigen die Hexen ihr wahres Gesicht…
Raimi muss sich unter der Leitung von Disney deutlich zügeln und so kann er seinen düsteren Trieben leider nur selten freien Lauf lassen, etwa als es beim Friedhof zu einer unheilvollen Begegnung kommt oder brüllende Flugpaviane wie aus dem Nichts auftauchen. Die meiste Zeit über wird eher familientaugliche Kost geboten, die zwar recht bunt glitzernd und phasenweise auch actiongeladen vorangetrieben wird, doch der Geschichte um zwei böse und eine gute Hexe mit dem unentschlossenen Gaukler im Mittelpunkt fehlt es zuweilen deutlich an Pep und Finesse.
Das macht sich auch bei den Wegbegleitern Oscars bemerkbar, denn auch wenn der kleine Affe und Kofferträger Finlay mit toller Mimik glänzt und das namenlose Porzellanmädchen ein paar rührende Momente erhält, so bringen beide die Story kaum bis gar nicht voran, während gegen Ende einige Randfiguren für etwas zuviel Kitsch sorgen.
Glücklicherweise wird nicht auch noch gesungen, denn an dieser Stelle gibt es immerhin ein kleines Augenzwinkern durch den abrupten Abbruch einer Musicaleinlage.
Ansonsten können die 3D-Effekte durchaus beeindrucken, die bewusst künstlich aussehende Welt bringt vor allem unglaublich viele fliegende Tiere und Gegenstände zutage, oftmals ist die Farbgebung herrlich verträumt und kurz vor kitschig, nur einige futuristisch anmutende Gebäude wollen da nicht so recht in die Szenerie passen.
Leider ist der Score von Danny Elfman ausnahmsweise nicht so abwechslungsreich ausgefallen, denn der klingt diesmal eher penetrant und ein wenig eindimensional.
Nach wunderbar nostalgisch anmutenden Credits, einer herrlich turbulenten Ballonfahrt und einigen recht sympathischen Figureneinführungen, verliert die Erzählung ab und an den Faden, driftet in zu pathetische Dialoge ab und wird gegen Ende etwas zu einfallslos, wenn eine kichernde Hexe mit schwarzem Rauch auf dem Besen reitet und diverse Blitzgewitter kaum eine wuchtige Wirkung entfalten. Die überdimensionale Erscheinung von Oz beim Showdown bietet zwar noch eine angemessene Verbeugung vor dem Original, doch die insgesamt etwas einfältigen Figuren tragen maßgeblich dazu bei, dass ein Mitfiebern nur bedingt gegeben ist.
James Franco passt mit seinem Dauergrinsen allerdings recht gut in die Rolle des selbstgefälligen Aufschneiders Oscar, Mila Kunis schwächelt anfangs und erhält ein katastrophales Outfit, gewinnt als Gewitterhexe jedoch deutlich, Rachel Weisz kann sich nicht wirklich hervortun, während Michelle Williams nicht mehr als passabel performt. Ordentliche Nebenrollen bekleiden noch Bill Cobbs als Handwerker und Tony Cox als dubioser Lakai, Zach Braff und Bruce Campbell haben jedoch zu wenige Szenen, um wirklich zu glänzen.
Am Ende bietet „Die fantastische Welt von Oz“ vor allem etwas fürs Auge und das kindliche Gemüt, der etwas anspruchsvollere Betrachter kommt hingegen kaum auf seine Kosten.
Es wird zwar viel Magie geboten, doch magische Momente sind nicht zu verzeichnen und auch wenn der Unterhaltungswert stimmt, so fehlt es dem Gesamtpaket doch am notwendigen Charme und mehr als seichtem Humor, um einen wirklich abgerundeten Eindruck zu hinterlassen. Mit rund 130 Minuten vor allem für die Jüngeren etwas zu lang.
Knapp
6 von 10