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"Vielleicht bist du zu mehr in der Lage als du ahnst."

Basierend auf der Kinderbuchreihe um das Zauberland Oz beziehungsweise deren Verfilmung "Der Zauberer von Oz" inszeniert Regisseur Sam Raimi ("Tanz der Teufel"-Reihe, "Spider-Man"-Reihe) einen Neuanfang im Auftrag der Walt Disney Company.

Das Publikum des Jahrmarktzauberers Oscar Diggs (James Franco), kurz Oz genannt, lässt sich nicht mehr von seinen Tricks und Illusionen überzeugen. Auf der Flucht vor Verantwortung und einem aufgebrachten Pöbel, gerät sein Heißluftballon in ein finsteres Unwetter. Er wacht in dem eigentümlichen Land Oz wieder auf und begegnet der Hexe Theodora (Mila Kunis). Diese ist überzeugt, dass es sich bei Oscar um einen echten Zauberer handelt, der das Land von der bösen Hexe befreit. In seinem Eigensinn leugnet Oscar die Hoffnungen von Theodora nicht und lässt sich von ihr zur Smaragdstadt bringen. Dort lernt er ihre Schwester Evanora (Rachel Weisz) kennen. Sie bekräftigt Theodora's Aussage und zeigt dem vermeintlichen Zauberer eine prall gefüllte Schatzkammer, die ihm gehört, wenn er die böse Hexe im Düsterwald besiegt. Angetan von den vielen Schätzen bricht Oscar zum Düsterwald auf.

"Die fantastische Welt von Oz" beginnt bewusst mit einem beengten Normalbild in trister Schwarz-weiß-Gestaltung und eröffnet mit der Ankunft in Oz seine surreale Welt mit knalligen Farben und einem mächtigen Großformat. An dieser Stelle schlägt das Werk einen sympathischen Bogen und offenbart seinen Zuschauern dabei seine eigene Intention: Es möchte uns mit allen verfügbaren Mitteln der Traumfabrik ins Staunen versetzen. So ganz wird das jedoch nur bei einem jüngeren Publikum gelingen.

Die Geschichte ist bewusst einfach gestrickt. Wir erleben, wie der egoistisch-charmante und sehr eigensinnige Hauptcharakter weitere Figuren kennenlernt und sich auf eine abenteuerliche Reise begibt, die ihn schlussendlich verändern sollte. Der schlichten Handlung fehlt es zunächst noch an Richtung und so wirkt sie wie eine Abhandlung von vorhersehbaren Ereignissen. Später kommen allerdings noch ein paar Wendungen hinzu. Und das vermittelte Gefühl stimmt von Beginn an.

"Die fantastische Welt von Oz" ist vor allem ein visuell berauschendes Spektakel. Die kunterbunten Fantasielandschaften, detailreichen Effekte und der dazu passende bombastische Soundtrack von Danny Elfman ("Alice im Wunderland", "Milk") erzeugen eine dichte Atmosphäre. Ein sprechender Affe mit Flügeln, ein Mädchen aus Porzellan sowie zahlreiche weitere Figuren tragen zu der gewünschten, fantastischen Stimmung ebenfalls hinzu.

So viel Spaß man zu Beginn mit all den menschlichen wie unmenschlichen Charakteren und dem klassischen Märchenrahmen hat, so sehr leidet der Film im Mittelteil spürbar an erzählerischem wie innovativem Leerlauf. Zu perfekt wirkt der heraufbeschworene Leinwandzauber, der die realen Darsteller beinahe als Fremdorganismus erscheinen lässt. Es fehlt streckenweise an ablenkender Spontanität und die typische Botschaft aus dem Hause Disney wirkt abgedroschen.

Die Darsteller harmonieren. Vor allem James Franco ("Planet der Affen: Prevolution", "127 Hours"), Mila Kunis ("Black Swan", "Ted") sowie Michelle Williams ("Species", "Blue Valentine") ergeben in der jeweiligen Zusammenstellung passende Paarungen. Rachel Weisz ("Die Mumie"-Reihe, "Duell - Enemy at the Gates") dagegen leidet unter der sehr blassen Charakterdarstellung.

Audiovisuell ist "Die fantastische Welt von Oz" sehr stimmungsvoll geraten. Fantasievoll ist der Film auf jeden Fall, es fehlt ihm jedoch an Eigenständigkeit. Die emotionale Komponente stimmt, Figuren und Handlung weniger. Trotz der einen oder anderen milden Horroreinlage ist das Werk märchenhaft und kindgerecht präsentiert. Daher findet ein erwachsenes Publikum nicht den Anspruch, den die älteren Verfilmungen vorweisen.

5 / 10

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