Review

Vielleicht ist es nötig, daß man Filmromanzen, egal ob deutschen, amerikanischen oder britischen Zuschnitts in all ihrer glückseligen Formelhaftigkeit, so richtig bis zum Anus satt hat, um „I give it a year“ wirklich gutzuheißen – vom Normalzuschauerstandpunkt aus dürfte maximal eine durchschnittliche Wertung dabei herauskommen oder im Falle von Sülzvorlieben sogar eine vernichtende Wertung – aber dann macht die im Kern doch recht konventionelle Losgelöstheit von den üblichen Formeln mal kurzfristig so richtig Spaß.

Hier also die umgekehrte Love-Story-Fassung: Treffen – überstürzte Beziehung – noch überstürztere Hochzeit – und das alles praktisch schon zum Vorspann. Was sonst die Backstory für die wirkliche Romanze ist oder exzessive Hochzeitsvorbereitungen, wird hier flugs abgearbeitet, um dann im Alltag die Differenzen zu diskutieren.
Oder eben nicht.
Dan Mazers Film ist eben nicht an einer Analyse des Nicht-Zusammen-Passens interessiert, das ist eigentlich offensichtlich, so offensichtlich, daß es gleichzeitig Schlag ins Gesicht und größtes logisches Problem des Ganzen ist. Nie hatten die Nebenfiguren mit ihren Einschätzungen mehr recht, die im Filmtitel gipfeln (geäußert von der Schwester der Braut, auf der Hochzeit) – die Angelegenheit ist hoffnungslos, aber nicht ernst.
Und so fragt man sich dann auch nur für lange Zeit bange, ob nicht dank eines unglücklichen Schicksals doch eine der Figuren noch eine verhängnisvolle Charakterwende zum vermeintlich Besseren hinlegt, was nicht nur komplett unrealistisch wäre, sondern ein echtes Ärgernis.

Denn Nat und Josh sind Antipoden im klassischen Sinne und da gibt es keine zwei Ansichten: sie ist eine magere, erfolgsversessene Boutiquenschickse; er ist tumber, alberner und ziemlich idiotischer Loser, der seine Lebensuntüchtigkeit als freier Autor tarnt, aber keine einzige neue Zeile gebacken bekommt, das Idealbild des Playstationhängers mit den depperten Freunden.
Viel weniger klischeehaft wird’s dann auch in den Nebenrollen nicht mehr: ihre Eltern haben den semiaristokratischen Stock im Arsch; seine sind geriatrisch dauergeile Freigeister. Sein bester Kumpel ist ein unsensibler Arsch, ihre Kolleginnen nicht besser als sie. Einzig Minnie Driver, ihre Schwester, die eine scheinbar längst marode Haßliebenehe mit ihrem Ehemann Jason Flemyng erleidet, bietet da etwas realistischeren Entsatz, denn ihr Geständnis, eine Trennung käme nicht infrage, hält den Film und seine marode Prämisse überhaupt am Leben und in der Balance.

Als Garnitur kommen da dann natürlich die Ersatzversuchungen ins Spiel: da wäre einmal „Mentalist“ Simon Baker (der hier praktisch eine lustige Variante seiner TV-Rolle spielen darf), der dem typischen Ami erst Zucker und dann anschließend geradezu absurden Liebeswerben Brennstoff gibt, was dem klassischen Slowburnhumor (einer agiert, einer erträgt leidend, aber zu höflich, um einzuschreiten) entgegenkommt. „Guy“ ist für Baker zwar keine echte Herausforderung, aber er darf ein paarmal ordentlich vom Leder ziehen.
Im Umkehrschluß hat man ausgerechnet „Scary Movie“-Star Anna Faris, dem Musterbeispiel weiblichen physischen Pechvogelhumors, dramaturgische Fesseln angelegt, denn während Byrne bei Baker den Dulder gibt, muß Faris umgekehrt Rafe Spalls geistlose Grausamkeiten ihren Gefühlen gegenüber durchleiden.
Mit zahmer Mäuschenzurückhaltung bietet die sonst eher grob angelegt Faris hier eine anrührend zurückhaltende Figur und bekommt als Ausgleich ein zwar im Filmkontext unwichtiges, aber wirklich lustiges Stück Plot geboten, in dem sie – nicht eben begeistert – an einem Dreier mit Kollegen teilnehmen soll/will und trotz intensivster Bemühungen einfach nicht zum Zuge kommt, bzw. beachtet wird. Das hat dann schon fast wieder etwas vom frühen Woody Allen.

So laboriert der Film an seiner größten Schwäche dahin, der Frage „Wie konnten diese komplett entgegen gesetzten Figuren überhaupt etwas füreinander empfinden, das sogar zur Hochzeit führte?
Byrnes Nat ist wahrlich nicht wirklich liebenswert (wirkt eher etwas frigide), trotzdem möchte man den unfähigen Hänger Josh gern öfter mal gegen eine Wand klatschen.
Und so vollzieht sich hier die Umkrempelung des bekannten Schemas: nicht „wann finden sie zusammen?“, sondern „wann trennen sie sich endlich wieder?“ verschafft einem das Gefühl seliger Erleichterung im Herzen.

Dennoch macht diese lose Abfolge von bisweilen grob gestrickten, aber niemals brachialen Katastrophen Spaß, wenn man gerade nicht in der Stimmung für herzige Sülze ist.
Es ist aber anzuführen, daß am Ende den Machern auch nicht mehr eingefallen ist, als die richtigen Figuren zusammenzuführen und das auch noch in einer kongenialen, aber kaum funkensprühenden Schlußszene.

„Das hält kein Jahr!“ ist leicht und locker, manchmal mit Stückchen und viel Schaum, vermeidet fast jeden Fremdschämnachgeschmack, stattdessen bleibt man permanent in entspannter Kicherstimmung.
Dan Mazer, der die im Kern lustigen, sich aber auf platten Geschmacklosigkeiten ausruhenden Baron-Cohen-Filme rund um „Ali G“, „Borat“ und „Brüno“geschrieben hat, mangelt es auf jeden Fall noch etwas am komödiantischen Feinschliff, ein bißchen geschmackvoller ist die Comedy inzwischen aber geworden.
Vollstes Verständnis für eine Notenbandbreite zwischen 3 und 8 – ich persönlich hab mich für eine 7/10 entschieden, aber das hängt hier mehr als anderswo vom momentanen Zustand des Zuschauers ab.

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