Wie bei allen Komikern, so gilt auch bei Gerhard Polt: Man mag seinen Humor, oder man mag ihn nicht. Die einen können sich über den bayrischen Satiriker nur so ausschütten vor lachen, die anderen können mit seiner Art von Spaß überhaupt nichts anfangen. Ich persönlich bin eigentlich kein Fan von ihm, doch muss ich zugeben, dass auch Polt durchaus seine "Momente" hat und bei seinen Auftritten doch für den ein oder anderen Schmunzler, meinerseits, sorgen kann. Von "Germanikus" durfte man aber selbst als Polt-Fan nicht viel erwarten. Den Filme die erst einmal in den Giftschrank wandern, bevor sie irgendwann mal das Licht der Leinwand erblicken, sind meist nichts Besonderes. "Germanikus" ist dabei zwar unterm Strich dann nicht ganz soo schlecht wie überall gemacht, aber wirklich gute Unterhaltung ist er auch nicht.
Ganz schlimm an "Germanikus" ist vor allem das wirre Skript und die total verblödetete Geschichte. Es geht im Prinzip um den Germanen Hermann (später Germanikus), der durch einen blöden Zufall auf den Sklavenmarkt kommt und sich von diesem dann, langsam aber sicher, bis zum Kaiser heranwirtschaftet. Wie das Ganze aber von statten geht ist nicht nur völlig unlogisch, sondern auch in keinster Weise nachvollziehbar. Das Drehbuch ist vollkommen wirr geworden und hat einfach zu keinem Zeitpunkt, auch nur annähernd, eine interessante Handlung zu bieten. Eigentlich sieht der Zuschauer dem Germanen nur 80 Minuten dabei zu, wie er von einem Fleck zum anderen latscht und blöde Sprüche abläßt. Die Nebenfiguren sind dabei allesamt völlig Banane und haben einen Wert von unter Null. Kurzum, Handlung und Story sind hier auf einem Tiefpunkt, den man selbst im niveaulosesten Teil der deutschen Comedy nur selten antrifft.
Und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass wirkliche Lacher nur Mangelware sind. Der größte Teil der Gags wird vorzüglich gegen die Wand gefahren und lädt nicht einmal zum kalten Schmunzeln ein. Eigentlich nur Gerhard Polt selbst schafft es hier und da zu gefallen. Seine mitunter recht trockenen Jokes funktionieren doch ab und an einmal und geben wenigstens dann und wann ein wenig Humor frei. Polt-Freaks dürften sogar ab und an wirklich mal ins Lachen kommen, wenn der Zyniker seinen Mund aufmacht. Ansonsten wird aber Ebbe geboten, sieht man einmal von dem Kurzauftritt einer grandiosen Anke Engelke ab, dem Cameo von "Genial Daneben"-As Bernhard Hoëcker und von Martin Schneider als römischer Friseur. Und der größte Lacher geht an Tom Gerhardt, als sterbenswilliger Christ. Während er in "Siegfried" an den Nerven sägt, schafft er es hier wirklich einen genialen Brüller abzuliefern. Na ja, wenigstens etwas.
Was die Inszenierung angeht, kann man allerdings zufrieden sein. Die Erschaffung von Rom ist größtenteils recht aufwändig ausgefallen, genauso wie Maske und Kostüme. Allein das Kolloseum, in dem das Finale stattfindet, ist wirklich prächtig. Somit schafft es "Germanikus" dann doch ab und an für ein (klein) wenig Atmosphäre sorgen und kann somit wenigstens damit ein wenig punkten.
Was die Darstellerleistungen angeht, können eigentlich nur Polt und die Gaststars überzeugen. Von Glaubwürdigkeit sind zwar alle meilenweit entfernt, doch Polt spielt seinen bayrischen Germanen mit spürbarer Freude. Dazu, wie schon erwähnt, alle möglichen Gaststars. U.a. auch Manfred "Bruce Willis" Lehmann, Moritz Bleibtreu und Rufus Beck. Eigentlich schon ein Wunder, wie Polt solche bekannten Gesichter, für seinen Klamauk, gewinnen konnte. Die restlichen Darsteller sind allerdings nicht der Rede wert. Vor allem Gisela Schneeberger geht einem, schon nach wenigen Sekunden, mächtig auf den Zeiger.
Fazit: Mäßige Gerhard Polt Klamotte, die wohl nur seinen energischsten Fans wirklich gefallen kann. Ansonsten ist dieser völlig Sinn- und Skriptfreie, wenn auch aufwändig inszenierte, Firlefanz nur hier und da mal witzig geraten und das auch nur wegen Polts trockener Sprüche und seinen brillanten Gaststars, allen voran eines zum Brüllen komischen Tom Gerhardts. Wer was mit dem Polt-Humor anfangen kann, darf sicher ruhig mal einen Blick riskieren, alle anderen sollten aber lieber einen großen Bogen, um diesen größtenteils unlustigen Beitrag deutscher Comedy, machen.
Wertung: 4/10 Punkte