Das düstere Liebesdrama "Bestie Mensch" von Renoir ist dank Jean Gabin immer noch sehr sehenswert. Neben ihm können aber auch brillante Darsteller wie Simone Simon als Geliebte und Fernand Ledoux als Ehemann bestehen. In herrlichen s/w- Bildern und einer Lokfahrt beginnt die romantische Tragödie, welche durch die Tötung eines Menschen ihren Höhepunkt noch lange nicht vollzogen hat. Als die intime Verbindung von Jacques und Severine sich verstärkt, wird dies zusehend zum schmerzvollen Seelen-Akt für beide Seiten. Doch leider ist die Verfilmung eines Romans von Emile Zora am Ende dann doch mehr eine weichgespühlte Schmonzette, die sich fortwährend im Liebes-Kreis dreht und mit der märchenhaften Aussage spielt das Nervenkrankheiten (hier Depression) mörderisch, weil unberechenbar, sein können. Diese befremdlich wirkende Sichtweise trübt die ansonsten atmosphärisch dichte Milieustudie, die sich nach einer Stunde von dem bereits durchgeführten Mordakt und den Ermittelungen an der Tat abkapselt, das Tempo etwas verliert und seine Protagonisten durch das ewige Jammertal führt. "Bestie Mensch" ist in seiner Heimat ein Klassiker, Jean Gabin sei Dank. Die Darstellung eines einfachen Arbeiters, der täglich Kohle schippt, am Abend ein Bierchen mit seinen Kollegen trinkt und trotzdem für sich sein muss, ist vielleicht eine seiner besten Rollen in einem Genre wie dem Liebesfilm, aber als intensiver Darsteller hat Gabin später noch bessere Filme abgeliefert. Trotz Schwächen und Längen immer noch sehenswert, da schauspielerische Leistungen sich über den mauen Fortgang der Geschichte hinwegsetzen.