Review

Indien verändert

Wenn es um Technicolor-Epen mit orientalischen-opulenten Schauplätzen ging, wurden gerade in den 50s & 60s oft künstlerisch zwar wunderschöne, aber unübersehbar künstliche Hollywood-Kulissen gebaut. Der vielleicht größte & einfühlsamste Regisseur aller Zeiten, Jean Renoir, ging mit seiner einzigartigen Lovestory von mehreren jungen Mädchen in Indien, den komplett entgegengesetzten Weg - er fuhr ein Jahr lang nach Indien, lernte Land, Leute & Kultur kennen, und drehte absolut beeindruckend vor Ort diesen lehrreichen Film: "The River" / "Der Strom". 

Renoir hat mit "Die Spielregel" oder "Die große Illusion", ein paar meiner absoluten Lieblinge gedreht, unbestreitbare Meisterwerke. "The River" ist anders, ähnlich weise & tiefgreifend, von den Bildern vielleicht noch hübscher & ungemein strahlender, allerdings emotional für mich nicht ganz so ergreifend, fast schon etwas leer. Vielleicht liegt das an fehlender Identifikation mit den Protagonistinnen, obwohl deren Schwarm, der hübsche Kriegsveteran ja auch noch da wäre. Aber es machte einfach nicht Klick - weder durch die recht simple, manchmal langatmige Geschichte, noch durch die beschriebenen Personen. 

Dem Film würde auf Grund seiner einzigartigen Verbindung zweier Kulturen, seiner verträumt-bunten Art & seiner Lehren für junge Mädchen (oder junge Menschen allgemein) sicher mehr als nur das Image eines Geheimtipps stehen - aber für mich persönlich zog sich das Ganze sehr & ich versuchte mich mit den optischen Schmankerln über Wasser zu halten. Beachtenswert finde ich Renoirs differenzierte, wenn auch manchmal konträre Herangehensweise an die indische Kultur & Religion - mal fasziniert, mal mit Abstand, mal sehr eingebunden & mal sehr oberflächlich, sogar voller (vielleicht wahrer) Vorurteile. Das sich dieser Mann aber einem Thema angenommen hätte, mit dem er sich nicht beschäftigt hat oder das ihn nicht interessiert, könnte wohl falscher nicht sein. Im Endeffekt überwiegen Respekt & Faszination, vor allem das ruhige, wesentlich weisere indische Mädchen, machte im Gegensatz zu den unreifen Engländerinnen, Eindruck.

Fazit: wunderschöne Collage aus einer westlichen Familie & indischem Schauplatz/Kultur. Inhaltlich hat die Coming-Of-Age-Liebesgeschichte mir persönlich aber weniger gegeben als optisch. Hätte ich ihn 10-15 Jahre früher gesehen, hätte er das Zeug zu einem prägenden Film gehabt.

Details
Ähnliche Filme