Da ich mich seit jüngster Zeit mehr auf das afrikanische Kino konzentrieren wollte, kam es mir wie gelegen, als mir eine DVD-Ausgabe von Judy Kibinge's politisch untermauertes Schicksalsdrama "Something Necessary" in die Hände fiel. Bisher hat mich kein afrikanischer Film, den ich sah, enttäuscht. "Something Necessary" setzt diesen Trend erfolgreich fort.
Der Film dreht sich zentral um Anne und Joseph, Bewohner Kenias, welche beide auf ihre Weise mit den Umständen nach der Präsidentschaftswahl 2008 umgehen und ihre eigenen Probleme und Sorgen, welche die Unruhen mit sich brigen, bezwingen. Während Anne nach einem Angriff auf ihre Farm ihr Leben nun ohne ihren Ehemann, einen einflussreichen Farmer, bezwingen muss, versucht Joseph, Mittäter beim Überfall auf Annes Farm, eigene Wege zu gehen, unabhängig von Gewalt und Kriminalität. Doch Druck von Außen setzt dem Leben Beider schwer zu.
Die Hauptdarsteller Walter Lagat (Joseph) und Susan Wanjiru (Anne) schaffen es Dank einer authenthischen Darstellung ihrer Figuren, einen bleibenden Eindruck bei dem Zuschauer zu hinterlassen. So schaffen sie es ihren jeweiligen Charakter, deren Eindrücke, Gefühle so nah wie möglich an die Mentalität eines gespaltenen, jedoch stolzen Staates anzugleichen, was nicht zuletzt am guten Drehbuch, geschrieben von Rhesa Mungai, liegt. Diese schauspielerische Fähigkeit wird leider aufgrund der sehr knappen Laufzeit von gerade einmal 82 Minuten nicht vollends ausgenutzt. So können sich die Schauspieler nicht gänzlich entfalten, was der Charaktertiefe der Figuren zu schaden kommt. Dadurch entsteht biem Zuschauer eine Gleichgültigkeit betreffend dem Schicksal der Charaktere, was sehr schade ist, da genügend Potenzial vorhanden war.
Die technische Aufmachung des Filmes wirkt sehr professionell. Der Ton und die Schnitte sind sauber und auch kameratechnisch konnte ich keine Mängel feststellen. Die Aufmachung des Filmes ist eher düster, auf satte Farben wird überwiegen verzichtet, um eine der Handlung entsprechenden Atmosphäre zu erzeugen. Nur der Soundtrack wirkt entgegen dazu zu freudvoll, beinahe naiv, als dass sie der ernsten Handlung gerecht wird, was jedoch im Gesamtbild von keiner großen Bedeutung ist, zumal das Geschehen ohnehin selten mit Musik unterlegt wird.
Auf die Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen wird überraschenderweise nur kurz eingegangen, sowohl am Anfang, wie auch am Ende des Filmes. Diese Rahmenhandlung dient eher als Mittel zum Zweck, um die Message des Filmes, welche bereits beim Betrachten des Covers klar wird, dem Zuschauer nahezubringen. Kibinge's Film funktioniert sowohl als Plädoyer an die Vergebung, als auch als Kritik an den unbewussten Umgang mit Gewalt vielerlei Menschen, was zwar keine neuen, aber zeitlose Aussagen sind.
Für geschichtlich Interessierte, welche einen tieferen Eingang auf die Erlebnisse in Kenia 2008 erwarten, ist dieser Film nicht zu empfehlen. Personen, die ein gefühlsorientiertes Drama mit politischem Kontext sehen wollen, sei dieser Film eher ans Herz gelegt.