Oftmals leiden typische Spukhausfilme oder jene mit dem Thema Zwischenreich/Jenseits an schwachen Figurenzeichnungen oder zahlreichen Klischees wie die Familie, die gerade frisch umgezogen ist. Autor und Regisseur Mark Edwin Robinson wollte dem offenbar entgegenlenken, indem er der Hauptfigur einen großen Spielraum für die Charakterentwicklung einräumt. Herausgekommen ist allerdings ein Drama, welches erst im letzten Drittel leichte Anleihen eines Gruselfilms erfährt.
Sophia (Mischa Barton) verlor vor sechs Monaten ihre Mutter und erkennt am Sterbebett ihres gläubigen Vaters, dass dieser nicht an das Leben nach dem Tod glaubt. Sophia kapselt sich daraufhin von der Außenwelt ab und verfällt in Depressionen, bis sie per Zufall Adam (Ryan Eggold) kennen lernt, der in einem Wohnkomplex lebt, in dessen oberen Etagen es spuken soll.
Nach einer Weile verschwindet Adam spurlos, während Sophia bereit ist, die Schwelle zum Jenseits zu beschreiten, um ihren Freund zu finden...
In Sachen Mystery geht es um die Frage um das, was der Tod nach uns bereit hält, ob ein Geist in einer Zwischenwelt gefangen sein kann, oder ob mit dem Ableben einfach gar nichts mehr kommt. Bis diese Fragen überhaupt behandelt werden, steht jedoch die depressive Phase unserer Hauptfigur auf dem Programm, welche von Verlustängsten geplagt, Angst vor einer neuen Bindung hat und Adam deshalb nur recht zögerlich an sich heran lässt.
Glücklicherweise stimmt die Chemie zwischen Barton und Eggold, so dass ein paar sympathische Dialoge zuweilen darüber hinwegsehen lassen, dass sich der Spuk noch nicht einmal ansatzweise bemerkbar macht.
Dabei bieten die oberen Stockwerke in ihrer heruntergekommenen Form durchaus Potential zum Gruseln, doch leider dauert es bis zum Verschwinden Adams fast eine geschlagene Stunde und auch danach kommt die Suche mit drei Freunden nur zögerlich in Gang.
Bis auf ein von selbst spielendes Grammophon, den üblichen Flüsterstimmen und einigen unerklärlichen Geräuschen hat es sich dann bereits in Sachen Effekte. Genrefans dürften bereits bei den Worten eines alten Mannes im Krankenbett abwinken und spätestens als sich das Drehbuch der Grundidee von "Flatliners" bedient, sind Hopfen und Malz bezüglich Kreativität und Innovationen verloren.
Schade um den gefälligen Score, die grundsoliden darstellerischen Leistungen und die kontrastreiche Farbgebung mit einigen ansehnlich gestalteten Lichtblicken innerhalb der Romanze, denn Gruselfreunde erhalten im Endeffekt eher eine Schlaftablette mit zuviel Drama und kaum spannenden Momenten, was sich in Anbetracht des soliden Grundstocks wie eine vergebene Chance anfühlt.
Knapp
4 von 10