Als positive Überraschung (da das Subgenre des Alien-Horrors doch einige Fehlgriffe bereithält) entpuppt sich Scott Stewarts (Buch/Regie) Film "Dark Skies", in der deutschen Fassung noch mit dem überflüssigen Zusatztitel "Sie sind unter uns" versehen. Denn der eigentliche Titel lässt die Frage, ob da etwas ist oder herkommt, erst mal offen und lenkt die Aufmerksamkeit in eine Blickrichtung, von der keineswegs klar ist, ob sie die erkenntnisversprechendste ist. Der Film beginnt vielsagend damit, dass der kleine Sammy Barrett (Kadan Rockett) mit einer Eidechse spielt, der der Schwanz abgefallen ist. Die Analogie zwischen dem Verhältnis überlegener Außerirdischer zum Menschen und dem des Menschen zum Tier - sowie die sich daran anschließende Frage, ob das überlegene Wesen sich erlauben darf, das unterlegene auszubeuten, es als Versuchsobjekt oder Nahrungsmittel zu gebrauchen - ist ja nicht neu und wurde grob schwarzhumorig auch schon in einem gänzlich unterschiedlichen Film wie Peter Jacksons "Bad Taste" umgesetzt. Hier wird sie auch nicht ausgewalzt, sondern bleibt auf die kurze Eidechsen-Episode begrenzt.
Wir erfahren aber auch, dass Familienvater Daniel (Josh Hamilton) ein bisschen als Sonderling gilt, und schon bekommt die Alienthematik im weitesten Sinne einen weiteren Anwendungspunkt, der aber auch nicht groß ausgebaut wird. Sowohl er als auch seine Frau Lacy (Keri Russell) befinden sich in einer Jobkrise und der ältere Sohn Jesse (Dakota Goyo) befindet sich auf der Schwelle zum Pubertätsalter, er entfremdet ("alienisiert") sich von seinen Eltern, indem er mit dem älteren, zu Porno- und Drogenexperimenten neigenden Jungen Kevin Ratner (L.J. Benet) abhängt, den Daniel "Ratface" nennt. Am ehesten scheint dieser Junge gegenüber Daniel die Alien-Rolle im menschlichen Umfeld zu spielen, da er als Fremdkörper Daniels Vaterautorität in Frage zu stellen und Jesse aus dem Schoß der Familie zu "entführen" droht, auch indem er ihn grobschlächtig zu ersten zwischengeschlechtlichen Kontakten mit Nachbarstochter Shelly (Annie Thurman) drängt. So erfolgt später im Film, als sich die Alien-Situation verdichtet, ein Angriff Daniels auf Kevin Ratner als eine Art Ersatzgegner.
Diese Anknüpfungspunkte zur eigentlich Alien-Thematik werden dem Zuschauer allerdings nicht aufgedrängt, sondern eher dezent angeboten. Die Präsenz der Außerirdischen, die ähnlich wie Geister im japanischen Horrorfilm häufig auch als Störung in Videoaufnahmen in Erscheinung treten, wird sehr effektiv in Szene gesetzt, besonders die Sichtung im abgedunkelten Raum mit Kopfhörern verspricht natürlich den einen oder anderen Schock (Filmmusik: Joseph Bishara), ohne dass Audio-Erschreckeffekte inflationär eingesetzt würden. Wenn ein solcher kommt, dann sitzt er auch und nervt nicht einfach nur wie in manch anderem zeitgenössischem Horror. Ein sehr ansprechender Anfall ist die Gegensätzlichkeit zwischen der Verwüstung, die die außerirdische Präsenz an der einen Stelle anrichtet, und den kunstvoll zeichenhaften Aufbauten, die sie an einer anderen hinterlässt und somit die Barretts zunehmend durcheinanderbringt. Recht gruselig sind auch die Anfälle schlafwandlerisch aussehenden Verhaltens geraten, die verschiedene Familienmitglieder an den Tag (oder besser "an die Nacht") legen.
Schließlich führt kein Weg um den Weg zum Experten herum, und hier kann J.K. Simmons als alienerfahrener Einzelgänger Edwin Pollard mit einem gewissen Underacting sein Charisma wirken lassen. Wenn die Kamera (Kinematographie: David Boyd) seine vollgestopfte und mit Katzen bevölkerte Wohnung - zudem mit monochronem Farbfilter bewehrt - erkundet, greift der Film dann aber doch in die Klischeekiste, wobei es ihm nicht wesentlich schadet, da das Finale doch mit einigen guten Ideen aufwartet und alles in allem bis zum Schluss den Zuschauer im Bann hält.