Die Drehbuchschreiber des ersten Teils von "Hangover" Jon Lucas und Scott Moore dachten sich: Ach wir schreiben gute Stories, also können wir sie auch selber verfilmen. So geben sie Ihr Regiedebüt mit "21 & Over" ab und welch Überraschung: Der Film ist eine Mischung aus Blackout, Suff und Peinlichkeiten like "Hangover", garniert mit "American Pie"-Humor in einer "Projekt X" Location. Wer hätte denn so etwas erwartet?
Der Spaß beginnt mit Miller (Miles Teller) und Casey (Skylar Astin), die mit Brandzeichen auf dem Hintern nackt über den Campus rennen. In den restlichen 90 Minuten erfährt man, wie es dazu kam und wie der Geburtstag von ihrem Freund Jeff (Justin Chong) aus dem Ruder lief...
Die Regieneulinge Lucas und Moore sind sich ihrem Prinzip also treu geblieben: Man beginnt mit dem Schlussakt, der natürlich noch nicht ganz verraten wird, und dann spult man das Geschehen einen Tag zurück und darf den drei Würstchen zuschauen, wie sie in diese nicht gerade vorteilhafte Lage gekommen sind. Ganz ehrlich: Ich wurde schon mit der gehypten und überbewerteten "Hangover"-Trilogie nicht warm. Klar, es ist ganz lustig zu sehen, wie ein Tiger durch das Loft läuft, gerade der Zahnarzt im Film einen Zahn weniger hat etc. Aber der Weg zum Ziel war eher anstrengend als lustig.
Und genau nach diesem Prinzip (nur in etwas abgewandelter Form) geht man in "21 & Over" vor, ohne jedoch die "Qualität" des Vorbilds zu erreichen.
Wir dürfen also den drei komplett unterschiedlichen Knalltüten zuschauen, wie sie aufeinandertreffen. Ein wenig Charaktertiefe muss schon sein. Und da gefällt mir schon der Anfang nicht. Jeff, der 24 Stunden permanent unter dem striktem Gehorsam von seinem Vater und Dr. (Francois Chau) leidet, wirkt wie ein Fremdkörper in diesem Film. Gut, man wird nur einmal 21 Jahre alt (kurios: Der Schauspieler Justin Chong ist im echten Leben schon 32 Jahre alt), aber Jeff hat am nächsten Tag ein sehr wichtiges Vorstellungsgespräch und so ist er an seinem Geburtstag überhaupt nicht gut auf Party und Besaufen zu sprechen.
Nach einem kurzem Smalltalk und dem völligen Overacting von Papa Kamikaze lässt er sich dennoch auf ein Bier überreden, woraus dann mal schnell drei Kästen und zwei Liter Schnaps werden. Das geht natürlich nicht spurlos an dem armen Kerl vorbei und so liegt er irgendwann mit knapp 7 Promille ohmächtig in der Ecke. Das Ziel von Miller und Casey lautet nur noch: Schnell den im Koma liegenden Jeff nach Hause bringen, dass er sein Vorstellungsgespräch wahrnehmen kann und der tyrannische Vater nichts merkt...
Tja, und genau ab diesem Punkt verkeilt sich die Story, tritt auf einer Stelle und das Trio bekommt plotmäßig so ziemlich alle Steine in den Weg gelegt, die man sich ausdenken kann, um Jeff nicht zuhause in den Briefkastenschlitz zu werfen.
"21 & Over " entpuppt sich dabei als klassische College-Party-Sauf-Komödie, allerdings ohne wirklich glänzen zu können. Klar gibt es hier und da einige Highlights (die Studentenparty, bei der sich die Gäste Stockwerk für Stockwerk bis zum "Tower Master" hochsaufen müssen), aber im Gesamten ist die Trefferquote der Gags eher mau und der Rest der Zoten ziemlich ausgelutscht ausgefallen. Zudem nerven die drei Hauptcharaktere mit der Zeit und bleiben dem Zuschauer relativ egal, da keine Weiterentwicklung vorhanden ist - als wäre die Schallplatte hängen geblieben. Das Ende passt sich nahtlos der Qualität an und enttäuscht in allen Belangen.
Für Jugendliche bis 16 Jahren ist das alles noch witzig, aber wer älter ist und zig solcher Filme gesehen hat, den lässt dieser Streifen völlig kalt.
Wie so oft entscheidet hier der persönliche Humor und der schlechte (oder doch gute?) Geschmack, ob einem "21 & Over" gefallen wird. Wer nicht genug von diesen pubertären College-Partyfilmen bekommen kann, sollte zuschlagen und das Ding demnächst mal probeweise in der Videothek ausleihen.
4/10