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Von Stallone hat man nach „Rambo: First Blood“ nicht mehr allzu viel Tolles gesehen, die beiden Nachfolger mal ausgenommen, sofern man seine Ansprüche gewaltig herunterschraubt. Nachdem sein Ausflug ins Komödienfach gründlich missglückt ist, besann er sich 1993 auf alte Stärken und lieferte mit „Cliffhanger“ einen seiner besten Auftritte überhaupt ab, den man heute bedenkenlos zu den Genreklassikern der frühen 90er zählen kann.

Worauf es hier in erster Linie ankommt, ist Tempo und Geradlinigkeit, und seit „Die Hard 2“ wissen wir, dass Renny Harlin auf diesem Gebiet eine Koryphäe ist. Am Skript hat Sly gleich selber mitgewerkelt und führt uns vor Augen, dass man für einen gelungenen Actionthriller kein innovatives Drehbuch benötigt. So führt er uns hier in die verschneite Bergwelt Colorados, wo Gangster bei einem Raubüberfall per Flugzeug drei Geldkoffer verlieren, auf welche bald darauf eine erbarmungslose Hetzjagd veranstaltet wird. Natürlich ist Stallone derjenige, der die Schurken aufhalten darf, nicht ohne nebenbei noch sein aus der legendären und oft zitierten Auftaktsequenz rührendes Trauma zu bewältigen, denn die Notlage schweißt ihn wieder mit Ex-Kumpel Hal (Michael Rooker) zusammen, der seine Frau bei dem Unglück verlor und seitdem nicht mehr gut auf Gabe zu sprechen ist. Gabes Vergangenheitsbewältigung ist dann auch so ziemlich das einzige, was hier etwas Tiefe besitzt, aber das kann uns getrost egal sein.

Denn die Zutaten sind angerichtet und Harlin drückt so aufs Gas, dass man garantiert keine Sekunde damit verschwendet, an Logik zu denken. Eingerahmt in eines der besten Szenarien, die es in diesem Genre jemals zu bewundern gab, liefert er eine Actionsequenz nach der anderen ab, die neben (für damalige Verhältnisse) gelungenen Tricks aus dem Computer auch halsbrecherische Stunts nicht vermissen lassen. Wer unter Höhenangst leidet, fiebert übrigens doppelt mit, denn das Hängen am Abgrund mit einer Hand wird hier fast inflationär gebraucht. Die Hatz nach den Bad Guys wird durch deren brutales Vorgehen noch spannender, denn schnell ist klar, dass vor allem John Lithgow kompromisslos Nägel mit Köpfen macht, wenn es darauf ankommt.

Zum Glück ist das, ganz 80er-like, noch ultrahart in Szene gesetzt. Obwohl der ein oder andere klassische One-Liner manche Sterbesequenz ironisiert, ist „Cliffhanger“ einer der ganz harten Vertreter seiner Zunft im Mainstream-Bereich, der weder vor der grafischen Tötung gänzlich Unschuldiger, noch vor rassistischen Untertönen („schwarze Mistsau“) zurückschreckt. Kenner der TV-Fassung bekommen davon aber ohnehin nichts mit und der geneigte Fan weiß ja, was ihn beim DVD-Kauf erwartet, weshalb das keinen sonderlich stören sollte.

Fest steht jedenfalls, dass „Cliffhanger“ für Fans klassischer, harter Action ein Fest sondergleichen ist, bei dem vom Drehbuch bis zur Besetzung einfach alles passt, wenn man einfach nur einen straighten, Hirn schonenden Popcornfilm sehen möchte. Stallone hat man danach nur noch in Ausnahmefällen in so einer Form erlebt, ebenso hat Harlin fast ausschließlich Flops hingelegt. Trotz der ein oder anderen angegrauten Tricksequenz bleibt „Cliffhanger“ für mich ein Evergreen für anspruchslose Filmabende, den man alleine aufgrund seines großartigen Panoramas immer wieder sehen kann. Hang on!

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