Review

Renny Harlin, der uns sonst eher mit durchschnittlicher Kinokost abgespeist hat, lieferte mit „Cliffhanger“ einen Referenzactionfilm ab, der leider im Kino etwas untergegangen ist.
Die Story handelt im groben von einer Gruppe Verbrechern unter der Leitung eines wirklich genial bösartig und verrückt spielenden John Lithgow (der für jede Szene das passende Kommentar bereit hat), die nach einer spektakulären Flugzeugentführung 3 Geldkoffer in den Rocky Mountains verloren haben und diese nun mit Hilfe ihrer beiden Geiseln, den Bergwächtern Tucker und Walker (Michael Rooker und Sylvester Stallone) zurückhaben wollen.
Schon der Einstieg in den Film ist furios: Bei einer Routinerettungsaktion verunglückt die Freundin von Tucker tödlich, was zwischen den beiden eigentlich befreundeten Bergwächtern Stallone und Rooker einen Streit um die Schuldfrage auslöst. Daher geht erstgenannter erst mal weg, „arbeiten“, um das Unglück zu vergessen. Nach ein paar Monaten kehrt er wieder zurück, um seine Freundin zu bitten, mit ihm von hier zu verschwinden. Und hier merkt man auch schon ganz deutlich die Schwäche des Films: Stallone kann oder will einfach nicht glaubwürdig den schuldbelasteten, gefühlvollen Mann spielen. Er setzt einfach immer nur dieses traurige Hundegesicht auf und hält die Diskussionen so flach und oberflächlich wie möglich. Ja, mit dem Schauspielern hapert’s hier noch ziemlich, aber er ist eben der geborene Actionheld, und darum geht es hier ja letztendlich. Denn schon bald beschränkt sich der Film nur noch auf unzählige Verfolgungsjagden durch die Rocky Mountains (die hier übrigens von den Dolomiten gedoubelt werden). Dabei wird viel geschossen, viel gerannt und vor allen Dingen sehr spektakulär rumgeklettert (diese Aufgabe fällt hauptsächlich Stallone zu). Bei diesen Kletterszenen würde sich Louis Tränker zwar im Grabe umdrehen und jeder halbwegs erfahrene Bergsteiger kommt aus dem Lachen nicht mehr raus, aber es sieht nun mal unheimlich gut und gefährlich aus. Jedenfalls legen „die Guten“ einen Bad Guy nach den anderen auf die verschiedensten Arten um, bis es zum finalen Endkampf auf einem Helikopter kommt. Die Todesarten sind dabei sehr einfallsreich, Harlin nutzt hier alle Eigenarten des Terrains. Da werden Menschen auf Stalaktiten aufgespießt, Berge runtergeschmissen oder mit der Kletterhakenpistole zerfetzt. Auch wenn das nicht unbedingt realistisch sein mag, es hebt den Film doch angenehm von den sonstigen Ballerorgien ab. Auch ansonsten ist die Berglandschaft der Atmosphäre sehr zuträglich, auch wenn sie in einigen Szenen arg nach Studio aussieht (zum Beispiel beim Kampf an der Holzbrücke am Ende). Die Truppe der „Bösen“ darf dabei auch noch nach Herzenslust gemein sein, was nicht nur den schon oben erwähnten John Lithgow sichtlich Spaß macht. Als „Hauptpersonen“ wären da noch Christel (fragt mich nicht, wie die Schauspielerin heißt), eine zur Abwechslung mal von Grund auf böse Frau und der obligatorische Schwarze (der mit den coolen Sprüchen) zu nennen. Ist zwar Klischeehaft, aber was macht das bei so einem Film schon. Der Rest der Verbrecher ist nur Kanonenfutter und wird nicht näher beleuchtet.
Eine große Stärke von „Cliffhanger“ ist nicht nur die außergewöhnliche Bergkulisse und die Darsteller der Verbrecher, sondern auch die teilweise nervenzerreißende Spannung, die sich bei den Jagden aufbaut. Selten habe ich in einem Actionfilm so mit den Hauptdarstellern mitgefiebert. Zu dieser Atmosphäre trägt noch die geniale Musik von Trevor Jones bei, die nicht übertrieben laut (wie bei einigen seiner Kollegen) ausfällt, sondern meist mit kleiner Besetzung die Szenen immer passend unterstreicht.
Im Endeffekt ist Cliffhanger also ein überdurchschnittlicher, ziemlich harter Actionfilm (wobei eine Indizierung trotzdem absolut ungerechtfertigt ist), den auch mal Personen anschauen können, denen das Genre sonst nicht so 100% liegt.
9/10

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