Der Finne Renny Harlin hat in seiner Filmkarriere bisher einige hochkarätige Actionfilme gedreht, wobei "Die hard 2" (1990) wahrscheinlich der bekannteste ist. 1993 inszenierte er einen weiteren adrenalingeladenen Reißer, mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle: "Cliffhanger".
Die Story: Nachdem die Freundin seines besten Kumpels Tucker (Michael Rooker) ums Leben gekommen ist und dieser Gabe Walker (Stallone) für den Tod verantwortlich macht, hat sich Walker aus den Bergen zurückgezogen. Als er seine alte Flamme Jessie (Janine Turner) besuchen kommt, wird er zu einem Einsatz überredet, denn ein Flugzeug mit Zivilisten ist in den Bergen der Rocky Mountains abgestützt ist. Zusammen mit Tucker macht sich Walker auf die Suche, macht aber beim Flugzeug angekommen eine unschöne Entdeckung, denn statt den hilfsbereiten Passagieren werden die beiden von bewaffneten Gangster rund um ihren Anführer Qualen (John Lithgow) in Empfang genommen. Denn die haben ein anderes Flugzeug beraubt, sind mit ihrem abgestürzt und nun auf der dringenden Suche nach der Beute...
"Cliffhanger" verlagert das "Stirb langsam"-Thema in die Berge und bietet vor beeindruckender (allerdings in den Dolomiten) gedrehter Naturkulisse halsbrecherische Action. Zugegeben, die Story ist arg dünn geraten und um Figurenzeichnung wird sich erst gar nicht bemüht. Wie so oft bei Actionfilmen werden auch die Logik und in diesem Fall die physikalischen Gesetze etwas strapaziert (Gabe Walker wäre im Laufe des Film wahrscheinlich mind. dreimal erfroren). Aber wie so oft sieht man über solche Kleinigkeiten einfach hinweg. Ein Punkt allerdings hat mich dann doch etwas gestört. An einer Stelle im Film begegnen sich Walker und Jessie in einer Hütte, nachdem Walker die Bösen losgeworden ist. Nun befanden sich die Macher in einer kleinen Zwickmühle, denn nun hätten die beiden Hilfe rufen können. Und was passiert an solch einer Stelle? Na klar, das Funkgerät ist durch Kälte und Frost außer Kraft gesetzt. Wie gesagt, Plausibilität ist relativ, aber zumindest ein wenig origineller hätte das ganze dann schon ausfallen dürfen.
Ansonsten gelingt Harlin ein vortrefflicher Spannungsaufbau, auch wenn der Film erst nach einer halben Stunde so richtig in Fahrt kommt und zum Ende hin etwas abflacht. Dabei müssen Gabe und Jessie nicht nur den Gangstern, sondern auch der Natur (und Fledermäusen) trotzen.
Die Action bei "Cliffhanger" spielt in der obersten Liga. Egal ob es sich um die Kletterpartien handelt, oder um die Kämpfe, beides ist fantastisch in Szene gesetzt. Dabei gehören die Kämpfe mit zum brutalsten, was das Actiongenre zu bieten hat, wobei die Indizierung des Streifens vielleicht nicht unbedingt gerechtfertigt, aber zumindest nicht verwunderlich ist (siehe "Fußball"-Szene). Trotzdem ist von der gekürzten Fassung aus dem Fernsehen bzw. der 16er-DVD eindeutig abzuraten. Denn gerade durch die Brutalität gewinnen die Actionszene - auch wenn dies etwas zynisch klingen mag - an Spannung und Biss. Es geht ja schließlich ums Überleben.
Die Darsteller können in "Cliffhanger" allesamt überzeugen, auch wenn sie meist nur körperlich gefordert sind. Höhepunkt des Films ist auf jeden Fall John Lithgow, der als nihilistisch-durchgeknallter Fiesling sichtlich Spaß an seiner Rolle hatte. Dabei sind alle Gangster schön böse gezeichnet. Solchen Leuten wie Delmar oder Kynette möchte man bei einer Bergtour nun wirklich nicht über den Weg laufen.
Sylvester Stallone liefert ebenfalls eine gute Leistung ab, wobei Michael Rooker ihm noch ab und zu die Show stellen kann, weil er als Tucker einen doch etwas größeren Leidensweg hat.
Fazit: "Cliffhanger" ist trotz dünner Story und vorhersehbarem Erzählverlauf ein toller Vertreter des Actionkinos. Die Darsteller, insbesondere die Antagonisten, wissen zu überzeugen und die Action haut ordentlich rein (im wahrsten Sinne des Wortes).