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Nachdem er zwei Nazis erschossen hat, will der langjährige verdeckte Ermittler Daniel (Frederick Lau) gegen den Willen seiner Vorgesetzten aussteigen. Er erhält eine heruntergekommene Wohnung im Berliner Kiez Neukölln. Als er sich einen gebrauchten Fernseher kauft, lernt er den gastfreundlichen Ladenbesitzer Abbas (Kida Khodr Ramadan) kennen…

In seinem Leinwanddebüt erzählt Cüneyt Kaya, aufgewachsen in BerlinWedding, eigentlich zwei Geschichten, die einen höchst unterschiedlichen Eindruck hinterlassen. Zum einen gelingt es ihm die Situation der Menschen im größten Berliner Kiez ausgesprochen realistisch darzustellen. Die Offenheit und Herzlichkeit mit der ein neuer Nachbar, unabhängig von seiner Herkunft, in die Gemeinschaft (Ummah) aufgenommen wird, ist so lebensnah, wie die Darsteller absolut authentisch sind. Kida Khodr Ramadan („Knallhart“ 2006) und Burak Yigit („Shahada“ 2010) als sein Freund und Elektroladen-Kollege spielen als ob sie im Kreuzberger Yorck Kino mal schnell aus dem Publikum auf die Leinwand gewechselt sind, absolut treffend auch ihr Slang. Wer diese Szene nicht kennt und der auch 2013 keine türkischen oder arabischen Bekannte oder Freunde hat, dem wird „Ummah – Unter Freunden“ die Augen öffnen!
In krassem Gegensatz zur Fröhlichkeit unter den neuen Freunden steht die zweite Geschichte, die Kaya erzählt. Schon in der ersten blutigen Szene erweist sich sein Film entgegen der Werbung als Drama. Nun ist berechtigte Kritik an der Arbeit des Verfassungsschutzes durchaus ein erfreuliches Anliegen, doch hier wird der Geheimdienst allzu plakativ und undifferenziert als Gesetze brechende Mörderbande dargestellt. Vorgeschichte und Motivation zum harten Vorgehen gegen Daniel bleiben unklar, die Forderung seine neuen Freunde als Alibi-Terrorzelle auszuliefern ist so unbegründet, wie lächerlich. Zudem wird die Handlung zu einem Ende geführt, das dieser an sich Völker verbindende Berlin-Film nicht verdient hat. Auffällig sind offensichtliche Straffungen in der Postproduktion, mehrmals werden Dinge erwähnt, die zuvor keine Rolle spielten (Katze? Wasserpfeife?). Kamera und Inszenierung sind ok, stark in der Hauptrolle Frederick Lau („Picco“ 2010, „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ 2012).
Leider Zwiespältig. (5/10)

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