Ich hätte es wissen müssen, die Vorzeichen waren da! Wenn sich ein Film - oder einzelne Szenen davon - bereits auf dem Cover als "kultig" bezeichnet, muss das doch einfach eine leere Phrase sein, welches nur als Verkaufshelfer für einen unentschlossenen DVD-Käufer dient. So auch in diesem Fall.
Aber Moment, mit der FSK 18 Freigabe birgt der Silberling doch noch Hoffnung in Richtung Psychothriller mit einem Hauch Blut und Gewalt, vielleicht sogar ein bescheidener Splatter-Anteil?
Ich muss leider beide Geschmäcker enttäuschen, da ALONE in seiner Idee nicht aufgeht. Zu einseitig wird der kurze Lebensabschnitt von Alex beleuchtet, zu wenig Spannungsaufbau, zu wenig Qualitätsanspruch.
Auch die wenigen (Haupt-)darsteller des Films konnten mich nicht so recht überzeugen, da bereits die Hauptstory dünn ausfiel und dementsprechend die Charakteren einseitig beleuchtet werden und gar keine Möglichkeit haben, sich in ihrer Rolle auszutoben.
Die interessanten Ansätze sind da, sowohl story- und charakterenmässig. Aber leider hat sich der junge Regisseur auf einen kurzen Lebensabschnitt von Alex beschränkt und verzichtete abgesehen von einigen wenigen sekundenschnellen Rückblenden auf Alex' unglückliche Vergangenheit. Von der Hauptperson erfährt man während der 89 Minuten Laufzeit herzlich wenig, obwohl ich überzeugt wäre, man hätte den Film bedeutend interessanter gestalten können, wären da vielleicht noch ein paar Details mehr über die Hauptpersonen verraten worden. Nach einigen Andeutungen über die nicht einfache Vergangenheit des Inspektors zum Beispiel wird hier abgeklemmt.
ALONE kommt aber trotz all der fehlenden Tiefschichtigkeit ziemlich verstörend rüber. Auch ein bisschen ungewollt. Dies liegt vor allem an den ungewöhnlichen zittrigen und schnellen Schnitten sowie der speziell gehaltenen Kameraperspektiven. Nicht zuletzt sind einige Schreckensmomente auch auf das Konto der hervorragend abgemischten dts Tonspur zuzuschreiben, welche jedoch meiner Meinung nach im Vergleich zum Film selbst überdimensioniert daherkommt.
Und warum so eine hohe Altersfreigabe? Slasher, Blut, Sex, Gewalt? Alles im Mass und züchtig. Deshalb habe ich keine Erklärung für das rote Siegel auf der Rückseite. Ich kenne Filme, die bedeutend derber und brutaler daherkommen und mit dem blauen Siegel bestückt wurden.
Fazit: Wenn man auf brachiale Soundeffekte steht, bitteschön. Ein Hauch "Sieben"? Auch gut. Aber irgendwie hat man beim Abspann das Gefühl, es fehlt etwas. Das gewisse Etwas. Deshalb nur 4 von 10 Punkten.