David (Shiloh Fernandez) und Natalie (Elizabeth Blackmore) treffen sich innerhalb eines großflächigen Waldgebiets mit Olivia (Jessica Lucas) und Eric (Lou Taylor Pucci), um gemeinsam ein paar Tage in einem einsam gelegenen Holzhaus zu verbringen. Sie haben zudem Mia (Jane Levy) mitgebracht, Davids Schwester, die er schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte.
Auch Unkundigen des Horror-Genres dürfte diese Konstellation vertraut vorkommen, denn schon in unzähligen Horror-/Thriller- oder Actionstreifen wurden damit die Urängste vor dem Unbekannten und dem Ausgeliefertsein bedient. Unabhängig davon, ob sich im dunklen Wald Monster, wilde Tiere oder degenerierte Einheimische befanden - sie alle standen symbolisch für eine Gefahr, die sich im Verborgenen aufhielt, um unerwartet zuzuschlagen. Mit "Evil dead" (Tanz der Teufel) setzte Sam Raimi diese Situation schon 1981 in einem für damalige Verhältnisse blutrünstigen Horrorfilm um, der die wichtigsten Standards setzte, so sehr sich folgende Genre-Filme auch bemühten, neue Gefahren, psychologische Feinheiten innerhalb der Gruppe und unterschiedliche Konsequenzen zu entwickeln. In einem Punkt blieb Raimis Film unübertroffen - die Bedrohung selbst wird nie sichtbar, sondern verbirgt sich hinter einer subjektiven Kamera, die mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Wälder rast und die Fantasie beflügelt.
Sam Raimi selbst hatte seine Idee später wiederholt variiert, aber der "Evil dead" des Jahres 2013 geht wieder unmittelbar zum Ursprung zurück und basiert größtenteils auf dem Erstling. Angesichts einer Vielzahl von Remakes früher Horrorfilme im zeitgenössischen Kino (zuletzt "Maniac" (2012)), stellt sich die Frage nach der Intention der Macher. Zwar entstanden die damaligen Werke unter schwierigen Produktionsbedingungen und verfügten nicht über die heute gewohnte technische Professionalität, blieben aber stilbildend für das Genre, dessen Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte sie erst ermöglichten. Einfach die alte Story detailgetreu wieder aufzuwärmen, schien selbst den Machern um Regisseur Fede Alvarez zu profan, weshalb gleich die erste Szene den Unterschied zum Original deutlich werden lässt - zum Nachteil des Remakes.
Während Raimi mit einer gespenstischen Kamerafahrt durch den Wald begann, bevor er unmittelbar in das Fahrzeug mit den fünf Personen überleitete, verfügt die neue Version über die inzwischen verbreitete Genre-Unsitte, in einem Vorspann auf die zukünftigen Ereignisse hinzuweisen. Damit gibt der Film der Bedrohung nicht nur unnötigerweise ein Gesicht, sondern verrät schon einen Plottwist, der im Original erst im letzten Drittel für zusätzliche Spannung sorgte. Besonders in der Hinsicht, den neuen "Evil dead" als Film für eine junge Generation an Kinogängern anzusehen, die das 81er Vorbild noch nicht kennt, verschenkt der Beginn des Films wesentliches Potential, das auch die Überarbeitung des Anlasses der fünf Protagonisten für ihre Anwesenheit an diesem ungastlichen Ort nicht zu steigern vermag.
Im Gegenteil, anstatt erneut einen Wochenendausflug zweier Paare plus Freundin zu wählen - eine schlüssige, aber zu häufig wiederholte Ausgangssituation - muss eine unglaubwürdige Geschichte über einen "kalten Entzug" dafür herhalten, zudem noch im familieneigenen Holzhaus, dass offensichtlich schon ein paar Jahre keinen Staubwedel mehr gesehen hatte, obwohl die darin hängenden Fotos noch recht aktuell wirken. Auch Mias hübsches Gesicht verrät wenig über ihre Drogenabhängigkeit und die Überdosis, die sie vor nicht langer Zeit knapp überlebt haben soll. Letztlich spielt diese künstlich geschürte Dramatik keine Rolle für die Story, da die Protagonisten kaum Eigenleben entwickeln und über hübsche Projektionsflächen für die Zerstörungswut des Dämons nicht hinauskommen. Auffällig ist zudem die Abwesenheit jeder Erotik - die Paare haben kaum etwas miteinander zu tun, die Kette schenkt David seiner Schwester (nicht wie Ash im Original seiner Freundin) und dem ersten Angriff des teuflischen Dämons fehlt die eindeutige Sexualität des Originals.
Vom Spannungsaufbau her kann "Evil dead" den Klassiker nicht annähernd erreichen, zudem scheinen die folgenden 30 Jahre Genre-Entwicklung an den Drehbuchautoren vollständig vorbei gegangen zu sein, die offensichtlich nur die Gelegenheit suchten, mit größtmöglicher Gewalt gegen die fünf Opfer vorzugehen. Darin wird die Intention für das Remake sichtbar - keine Differenzierungen der Charaktere oder originelle Story-Ideen standen im Zentrum des Interesses, sondern dank moderner Technik Splatterszenen vom Feinsten. Es wird geschnitten, gesägt und genagelt, gekocht, geknabbert und gerissen, dass es nur so eine Freude hat - zumindest für Diejenigen, denen der Anblick deformierter und blutiger Leiber als Inhalt eines Films genügt.
Zu Beginn verfügen die perfekt in Szene gesetzten Gewaltszenen noch über einen gewissen Thrill, aber mit zunehmender Dauer und nach der gefühlt zehnten Wiederholung ähnlicher Situationen, entsteht ein Abstrahierungsgrad, der auch das Absägen des eigenen Arms nur noch als tricktechnische Variante erscheinen lässt. Schrecken verbreitet "Evil dead" damit nicht mehr, da dank des optischen und inszenatorischen Overkills, unter Vernachlässigung einer nachvollziehbaren Story, keine emotionale Nähe zum Geschehen aufgebaut werden kann - normalerweise die Basis jedes Spannungsempfindens. Wie zuletzt das Remake von "Maniac" wird auch "Evil dead" seine Bewunderer finden, obwohl es sich erneut um ein seelenloses Abziehbild des Originals handelt - professionell in Szene gesetzt, die Fans hinsichtlich des Gewaltgrads in Verzückung versetzend, aber ohne atmosphärische Dichte und echte Liebe zum Horror-Genre (4/10).