Als "Tanz der Teufel" im Jahre 1981 von einem gewissen Sam Raimi in die Kinos kam, konnte noch keiner ahnen, was aus dem Film und seinem Schaffer, sowie seinem Hauptdarsteller, einmal werden würde. Kurzum, Erfolg auf ganzer Linie. Der Film gilt bis heute als absoluter Kultfilm, Sam Raimi ist mittlerweile ein Star-Regisseur und Bruce Campbell einer der gefragtesten und beliebtesten Schauspieler im B-Moviebereich, zu diesem Status er auch absolut steht. Als schon vor einigen Jahren die Info aufkam, dass ein Remake des Kultfilms kommen soll, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Fans, welcher sich aber schon bald in Neugier abänderte, als bekannt wurde, dass Campbell und Raimi das Werk produzieren werden. Und nun ist es endlich da.
Die Geschichte von "Evil Dead" ist dabei ähnlich gehalten, wie die vom Original, zumindest was den groben Umriss angeht. Auch hier sind es vier junge Menschen, die sich in einer Waldhütte mal für einige Zeit ausruhen wollen. Im Keller des Hauses findet man ein altes Buch mit merkwürdigen Sprüchen. Und schon bald scheint etwas Unerklärliches von der Hütte und den jungen Leuten besitzt zu ergreifen, vor allem von Mia, die gerade einen Drogenentzug macht. Ein blutiges Spektakel nimmt seinen Lauf... Und dieses Spektakel hat es absolut in sich. Was die Story allerdings angeht, bleibt diese durchweg dünn, kriegt aber durchaus den Spagat hin, zwischen Versatzmomenten aus dem Original und Neuerungen hin- und herzuschwenken, ohne das es einen sonderlich stört. Zwar ist dieser Spagat nicht ganz so elegant, wie z. Bsp. im äußerst gelungenen "Maniac"-Remake, doch wer Referenzen ans Original sucht findet diese genauso oft, wie die jenigen, die etwas Neues haben wollen, zumindest im direkten Vergleich zum Raimi-Streifen.
Wer allerdings mal etwas sehen wollte, dass noch so gar nicht da gewesen ist, der wird etwas enttäuscht werden. Denn das sich das Rad des Horrorfilms heutzutage kaum noch neu erfinden kann ist nur zu bekannt und so dürften vor allem alte Horror-Hasen letztlich dennoch kaum Spannung verspühren. Die Charaktere sind letztlich genauso schlau, wie ihre Mitspieler in so vielen anderen Filmen. Es wird z. Bsp. immer in den Keller gerannt, wenn es komisch knackt und man eigentlich weiß, dass es nichts Gutes bedeuten kann, wenn die Neugier über einen siegt. Genauso wie eine Flucht natürlich durch allerlei Unmöglichkeiten verhindert wird und alle irgendwo gezwungen sind auf einander hocken zu bleiben, obwohl man im wirklichen Leben schon längst irgendwo das Weite gesucht hätte, koste es was es wolle. Kurzum, wer in den letzten 10 Jahren schon ordentlich am Horrorfilme schauen war, den wird hier kaum etwas von Socken reissen.
Aber trotzdem, oder gerade deswegen, muss man es den Machern dennoch lassen, einen recht ordentlichen Horrorschinken, im sonstigen Allerlei des heutigen Horrors, auf die Beine gestellt zu haben. Denn wenn man sich "Evil Dead" mal unter den gleichen Gesichtspunkten anschaut, wie damals das Original beäugt wurde, ist doch eine erstaunliche Konsequenz in der Umsetzung festzustellen. Genauso wie damals werden auch hier die Figuren in eine unheillvolle und recht atmosphärisch inszenierte Situation geschickt und bis zum Schluss bleibt das Böse unerklärlich. Zwar sieht hier alles nach Dämonen oder ähnlichem aus, aber wirklich eine 100% Erklärung bleibt uns, genau wie beim Original, verborgen.
Und ebenfalls wie beim Original ist es vor allem die letzte halbe Stunde, die dann wie der Teufel reinhaut. Während damals Ash mit der Kettensäge losging, um seine besessenen Freunde mit Kettensäge zu zerteilen und Raimi dadurch endlich auch zeigte, was er in Sachen Schmoddereffekte so drauf hat, werden hier Schädel saftig zertrümmert, Arme abgesägt oder einfach abgerissen, sowie Körper, auf bisher kaum gesehene Art, mit der Kettensäge zerstört. Dazu ein blutiger Regen und vieles mehr. Für das Siegel "blutigster und gorigster Kinofilm des Jahres" dürfte es jedenfalls ausreichen.
Letztenendes ist "Evil Dead" somit für Horrorfrischlinge ein nicht zu verachtendes Werk an Atmosphäre und blutigstem Splatterkino, welches unterhaltsam geworden ist und durchaus als gutes Einstiegswerk gesehen werden kann. Genauso wie es damals "Tanz der Teufel" war, der für Horrorfreunde eines DER Werke überhaupt darstellte, die man unbedingt gesehen haben muss. Ob "Evil Dead" nun diesen Status einmal erreichen wird bleibt abzuwarten und kann wohl letztlich auch nur von der heutigen noch, in Sachen Horror, eher unbefleckten Jugend beantwortet werden, wenn das Werk seine Jahre auf den Buckel hat. Ein leiser Zweifel in dieser Richtung bleibt, denn so gesättigt wie heute war der Horrormarkt damals nicht, als das die Chancen zum Kultfilm gleich hoch wären. Und für einen Horrorfreak ist das Ganze unterm Strich und trotz Blut und Gedärm im Überfluss halt doch zu beliebig geworden. Guckbar ist der der neue "Evil Dead" aber allemal.
Wertung: 6,5/10 Punkte