Ein Remake, das im Zuge der unzähligen Neuverfilmungen im Horrorbereich schon beinahe überfällig erschien, wurde nun von einem Debütanten inszeniert. Fede Alvarez kennt das Original von Sam Raimi immerhin so gut, um einige Referenzen einzustreuen, wobei die eigenen neuen Ideen leider nur oberflächlich angekratzt werden.
Um den kalten Entzug durchzuziehen, vertraut sich Mia (Jane Levy) ihrem Bruder David Shiloh Fernandez) und drei weiteren Freunden an: Gemeinsam wollen sie ein paar Tage in einer abgelegenen Waldhütte verbringen. Doch kurz nach ihrer Ankunft entdecken sie in den Kellerräumen Tierkadaver und ein uraltes Buch. Und eine schwarzmagische Beschwörungsformel sollte eben niemals laut vorgelesen werden…
Der Hintergrund mit dem kalten Entzug und dem Bruder, der seine Schwester in einer wichtigen Phase ihres Lebens allein ließ, wäre definitiv ausbaufähiger gewesen, da die Beziehung der Geschwister zu selten ins Spiel kommt und erst gegen Ende eine stärkere Relevanz erhält. Da hätten kleine Flashbacks eventuell ein wenig Tiefe verliehen und auch einige Dialoge mehr hätten gewiss nicht geschadet.
Demgegenüber geht der Stoff recht zügig von der Bühne. Rasch ist das Böse entfacht, der Hund wird schwer verletzt gefunden, das ominöse Buch inspiziert und Mia in den Wald getrieben, wo die ersten Spezialeffekte untermauern, dass gute Einstellungen auch ohne Computer möglich sind. Die triste Farbgebung unterstreicht indes den latent ernsten Grundton, denn während das Original zuweilen ins Humorvolle abdriftete, gibt sich das Remake bis zuletzt todernst, was durchaus der düsteren und meist klaustrophobischen Atmosphäre dienlich ist.
Splatterfans kommen derweil recht ordentlich auf ihre Kosten, denn es wird verbrannt, blutig amputiert, massenweise Nägel durch die entsprechende Pistole in Körper geschossen, ein Schädel wird zertrümmert, eine Spritze landet unterm Augapfel und die gute alte Kettensäge kommt natürlich auch noch zum Einsatz. Sämtliche Effekte können überzeugen, ähnlich wie die Maske insgesamt solide Arbeit leistet, auch wenn die Besessenen, nicht zuletzt aufgrund der derben Fäkalsprache stark an „Der Exorzist“ erinnern.
Obgleich die Darsteller allesamt eher austauschbar erscheinen, liefert jeder einen guten Job ab, die Kamera übernimmt gekonnt einige Fahrten und Einstellungen des Originals, nur der Score hätte etwas zurückhaltender ausfallen können, da das Original hauptsächlich von den natürlichen Geräuschen lebte, was hier ein wenig zu kurz kommt.
Storytechnisch driftet der finale Akt ein wenig vom Ursprung ab und gerät arg konventionell und überraschungsarm. Dabei ist das Tempo zwar recht flott und der Blutgehalt wird in einigen Szenen noch einmal gesteigert, doch wirklich anheben kann Alvarez die Spannungskurve nicht mehr. Ohnehin sind einige ruhigere Momente weitaus effektiver in Szene gesetzt, denn gerade wenn es um Vertrauensfragen geht, ist das Timing meistens optimal.
Selbstverständlich hätte es dieses Remake nicht gebraucht, allenfalls um den Stoff einem jüngeren Zielpublikum anzugleichen und entsprechend Kohle zu scheffeln. Für sich stehend ist der Streifen angenehm blutig, phasenweise spannend, storytechnisch allerdings ein wenig oberflächlich ausgefallen, auch wenn er latent Kurzweil beschert.
Einen Meilenstein konnte niemand erwarten und schon gar nicht den „schockierendsten Film“, den man jemals sehen wird, aber zumindest einen, der für ein Debüt viel versprechend verpackt ist und Horrorfreunden grundsolide Unterhaltung beschert.
6 von 10