Review

Es kann nur ein Original geben…und die ewigen Vergleiche bringen nicht weiter

Keine Angst, dies ist nicht die 180ste Rezension die lange inhaltliche Vergleiche mit dem 1981 Original macht und pro und contra Argumente hin und her schiebt. Dazu nur so viel: Allein der Versuch, Genrefilme mit über 30 Jahren Abstand zu bewerten ist nicht wirklich sinnvoll. Die Sehgewohnheiten haben sich dramatisch geändert und was 1981er Zuschauer am Original im damaligen Kontext einer noch nicht übersättigten Branche gut fand, muss die heutige junge Generation nicht automatisch begeistern, und umgekehrt können die eingeschworenen Fans des Originals sicher nicht automatisch verstehen, was andere am Remake so begeistert.

Diese Polarisierung der Geschmäcker liegt daran, dass bei EVIL DEAD (2013) "Horror, Suspense und Grusel" mit "Splatter, Action und Effekten" gleichgesetzt wird. Ersteres erzeugt manchmal eine Gänsehaut, erschreckt und sorgt für das schaurig-schöne Gefühl einer oft auch noch nachwirkenden Verstörung, eben wie im Original. Letzteres unterhält auch durchaus, erzeugt aber eher distanzierende Gefühle durch ggfs. aufkommenden Ekel und der übertriebene Gewaltfaktor ohne komödiantische Entlastung ermüdet über die Zeit oder kann ins Lächerliche kippen.

EVIL DEAD ist ein gelungener, aber nicht einmal überragender oder innovativer Beitrag zum Horrorgenre, nicht mehr und nicht weniger. Zum Inhalt nur so viel: Jugendliche lesen aus dem Buch der Toten und diese lassen sich das natürlich nicht zweimal sagen…..Was bringt uns also EVIL DEAD (2013) als Beitrag zum Genre, als Film an sich. Zunächst einmal die guten Seiten. Es gibt tatsächlich eine Reihe von gelungenen creepy Szenen und die diversen Blutfontainen und der Gorefaktor sind angenehm hoch auch wenn es oft nur technisch perfektes und ungruseliges Gemetzel ist und die komplette Leinwand in blutrot getränkt erscheint.

Die handgemachten Effekte sind erstklassig und detailreich ausgearbeitet. Goretechnisch werden keine Gefangenen gemacht und das Herz des Gorehounds hüpft sehr hoch bei zahlreichen expliziten Verstümmelungen. Hinzu kommt eine sehr aufwendiger Licht- und Kameraeinsatz und jeder Lichtschimmer scheint genau so geplant zu sein und es wird sehr viel Wert auf Details und Stimmung gelegt. Interessant ist der Fakt, das im Remake eine Frau (Jane Levy als Mia) die Hauptrolle spielt im Gegensatz zum Original mit Kultstar Bruce Campbell.

Es dauert lange bis die geliebte Chainsaw zum Einsatz kommt und das Finale zieht noch mal alle Register und die Darsteller versinken fast in den zahlreichen blutigen Pfützen. Dieser übersteigerte Einsatz des roten Groovies wirkt fast wie eine surreale Übersteigerung und mit real und persönlich nachvollziehbarem Horror hat dies nur wenig zu tun. Auf der durchwachsenen Seite sind weiterhin die recht flache angelegten Charaktere und nervigen jugendlichen Durchschnitts-Darsteller zu nennen, die auch diversen Sequels von WRONG TURN oder ähnlichem entsprungen sein könnten wie schon anderswo richtig behauptet wurde.

Das ganze ist noch garniert mit einer nicht immer optimalen Synchronisation diverser Darsteller und einer ganzen Reihe von leider unfreiwillig komischen Szenen. Es wirkt wie ein Mischmasch aus diversen bekannten Subgenren wie Dämonenfilmen, angereichert mit allzu bekannten und abgedroschenen Exorzistenfilm Elementen. Oft läuft es nach dem gleichen Muster ab und dieses Konzept läuft sich im Laufe des Films etwas tot.

Und zuguterletzt: Wer auch mit dem sehr selbstbewussten Superlativ "Der schockierendste Film, den Du jemals sehen wirst" wirbt muss sich nicht wundern, wenn der Gegenwind heftig ist, da natürlich der Grad der Schockierung sehr individuell und subjektiv empfunden wird. Dennoch sollte jeder Horror- bzw. besser Splatterfan EVIL DEAD gesehen haben und als Genrebeitrag funktioniert er auch prächtig.

6,5/10 Punkten

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