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Preisfrage: Haben Robert De Niro und John Travolta schon mal in einem Film zusammen gespielt?

Das versuchen wir weiter unten zu klären. Die Geschichte der ehemaligen amerikanischen und serbischen Kriegsgegner Benjamin Ford (Robert De Niro) und Emi Kovac (John Travolta) die sich nach fast 20 Jahren treffen und wie aus der Versöhnung in der aufgestauten Emotion sich ein ganz anderes Szenario entwickelt, steht im Mittelpunkt von KILLING SEASON. Dieser beginnt mit sehr actionreichen und aufwendig gestalteten Bildern des Krieges und fängt dann an die oben bewusst grob beschriebene Handlung langsam aufzubauen. Die beiden erfahrenen Mimen legen all ihre Routine in die Waagschale und im Prinzip ist es zu 90% der überschaubaren Laufzeit ein Zweipersonenstück.

Bezüglich des filmischen Mehrwertes von KILLING SEASON schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Zum einen macht es Spaß diese zwei so unterschiedlichen Schauspieler vor einer Kamera zu erleben und in den Dialogen all ihre Mimik und Erfahrung einzubringen. Die Geschichte an sich ist ausreichend spannend gestaltet, die Laufzeit mit nur 80 Minuten ohne Abspann angenehm kurz und es gibt als Bonus noch schöne Bilder von der atemberaubenden Natur. Zum anderen hat man aber ein wenig den Eindruck, als hätte man um die beiden einfach einen Film herumgebaut um dies entsprechend kommerziell mit den beiden großen Namen auszuschlachten. So funktioniert natürlich das Business, aber so richtig gezündet hat diese Mischung bei mir nicht.

Der Inhalt der Dialoge schwankt zwischen pseudophilosophischen Aussagen bis hin zu fast religiösen Metaphern die deplaziert erscheinen. De Niro spielt wie meist intensiv und den harten Knochen der immer noch eine Antwort parat und meist das letzte Wort hat. Wirklich übertroffen hat sich eher Travolta, der mit relativ kurz Haaren und affigem Bart, Sprachproblemen und versuchtem serbischen Akzent so richtig in die Vollen in diesen  schwierigen Balanceakt zwischen Charakterdarstellung und Lächerlichkeit geht. Ob dieser Versuch sticht muss jeder selbst für sich entscheiden. Wer aber "seinen Travolta" mal ganz anders erleben will hat hier die Chance dazu. Die Gewalt selbst wirkt recht selbstzweckhaft in Szene gesetzt und irgendwie übertrieben.

Die dann recht schnell durchschaubare Hetzjagd Mann gegen Mann enthält grundsätzlich alles was einen Film spannend macht. Nur nicht die nachhaltige Glaubwürdigkeit, dass dies ein Verhalten von erfahrenen Kriegsgegnern ist. Auch das Ende ist das unglücklichste unter den möglichen Lösungen und so vorhersehbar und hollywood-typisch wie es nur sein kann. Aus diesen Gründen kann ich keine wirklich wirkliche Empfehlung für KILLING SEASON aussprechen. Irgendwie hat die Geschichte ihren Reiz und die beiden tun auf ihre Weise ihr Bestes, vor allem Travolta. Aber die Umsetzung strotzt vor diversen genannten Schwächen. Zu der einleitenden Frage: Mir ist kein big-screen-teaming der beiden bekannt…

5,5/5 Punkten

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