Review
von Leimbacher-Mario
Laktoseintoleranz
Luis Bunuels "Die Milchstraße" ist einer seiner sperrigeren und böseren Filme, was bei dem König des Surrealismus eine echte Ansage ist - religionskritisch, symbolisch, dreist, mutig, zäh, komplex, fordernd. Erzählt wird von zwei Pilgerreisenden auf dem Weg von Frankreich ins spanische Santiago de Compestello. Auf ihrem Weg begegnen sie bzw. wir Gläubigen und Atheisten, Wundern und Lügen, Wünschen und Ängsten, Parabeln und Metaphern, Heiligen und Sündern, Rückblenden und Einbildungen, sogar dem Teufel und der Jungfrau Maria. Finden oder verlieren die zwei Pilger ihren Glauben? Werden Vorahnungen wahr? Und sind Jesus, Gott und der heilige Geist wirklich Eins?
Man muss nicht unbedingt bibelfest sein, um diese Tour der Zweifel zu verstehen. Doch schaden tut dies sicher nicht. Wer wenig mit Glauben oder Religion am Hut hat, wie gefühlt immer mehr Menschen heutzutage, der kann echte Schwierigkeiten bzw. Gähnanfälle nicht ausschließen. Diese milchige Straße aus Glaubenskritik und frecher, absolut berechtigter Gotteslästerung (in den Augen mancher), wirkte auf mich öfters einschläfernd und trocken-theoretisch als emotional und mitreißend. Ein Thesenfilm, voller Denkanstöße und einzelner Skits, die für mich nie mehr wurden, als die Summe ihrer Teile. Thematisch zusammenhängend, gefühls- und storytechnisch lose und in Desinteresse mündend. Bis auf ein paar Schmunzler, etwa wenn fundiertes Hinterfragen wiederholt mit Floskeln wie "Gottes Wege sind unergründlich!" abgetan werden, gab es immerhin und ein paar bizarre, surrrale, abstruse Momente, die man aber an einer Hand abzählen kann und die man bei Bunuel eh erwartet. Und selbst die kann er besser und intensiver.
Fazit: keine leichte Kost, nicht nur für Christen, ebenso für Cineasten und sogar Bunuel-Fans. Bis in die Grundfesten skeptisch und zerfahren, wild und rebellisch. Insgesamt für mich eher Geduldsprobe denn Roadmovie-Manifest. Schwierig...