kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 18.06.2014
Da denkt sich Stephenie Meyer eine ganze Alienrasse aus, versucht, eine invasive Art von Intelligenz zu beschreiben, ihren Ausbreitungsdrang, grast die gesammelte Paranoia-SciFi-Literatur der 50er ab, betreibt einen Riesenaufwand, um sich von der eigens in Gang gesetzten Vampir-Werwolf-Welle zu distanzieren, und wofür? Für einen Seelenporno! Dieses ganze Universum steht im Dienste des Töpfchen-finde-dein-Deckelchen-Spiels, und solange nicht auch die letzte Seele ihr Äquivalent gefunden hat, kann der Abspann nicht laufen.
Nicht, dass es originell wäre, ein Buch zu schreiben bzw. einen Film zu drehen über Aliens, die Menschenkörper besetzen, eine gewisse Komplexität vor allem auf der emotionalen Ebene kann man „Seelen“ trotzdem nicht absprechen. Zwar klingen die Off-Dialoge der Gefangenen im eigenen Körper und ihr Dialog mit dem Besatzer mitunter banal und unnatürlich, doch die Grundidee hat durchaus ihren Reiz. Dieser kann immerhin eine Zeit lang gehalten werden, auch wenn er gegen die behäbige, ereignislose Handlung, wie man sie schon aus den „Twillight“-Filmen kennt, ankämpfen muss. Am Ende jedoch, als die Philosophie der Autorin preisgegeben wird, fällt alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen und die Handlung entpuppt sich als romantische Fantasie einer Träumerin, keinen Deut besser oder schlechter als einige Männerfantasien, die in der Vergangenheit gedreht wurden.
Da kann man wenigstens froh sein, dass eine Saoirse Ronan die Hauptrolle spielt, die Kristen Stewart in allen Belangen überlegen ist und mit ihrer kühlen Melancholie für Lichtblicke gesorgt, die von der starken Vaterfigur (eine der wenigen konstanten Stärken der Meyer-Verfilmungen) William Hurts vervollständigt wird.
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