Vor ungefähr zwei Wochen bei einem bierseligen DVD-Abend gegen halb 2 Uhr morgens ein Dialog zwischen mir und einer noch verbliebenen Freundin:
„Scheiße, bin ich müde... aber wollen wir noch nen Film schauen? Das letzte Bier muss noch weg und Wein ist ja auch noch da..." -
„Klar, warum nicht. Hätte hier noch 8 ½, Blow Up..." -
„Nee, das raff ich jetzt nicht mehr. Haste irgendwas weniger Intellektuelles mit?" -
„Ah, doch, ja. Hier: Death Train - Fahrt in den Tod. Der ist bestimmt total trashig. Zumindest sieht schon das DVD-Cover schon so aus." -
„Ja, sieht gut aus, da muss man nicht so sehr mitdenken und es ist auch nicht so schlimm, wenn man einpennt." -
„Genau!" -
„Geil. Schmeiß rein... Prost!" (wir stoßen mit dem letzten Schluck Bier an).
Der Film beginnt und man sieht in einer der ersten Einstellungen einen unmotivierten Zeitraffer, der einen langsam fahrenden Zug schneller wirken lässt.
„Mann, sieht das scheiße aus... Worum geht's da überhaupt?" -
„Ach, irgend so ein Terroristen-Scheiß in Die Hard-Manier." -
„Na Moment, wenns auf nem Zug spielt, dann ist das nicht Die Hard, sondern Alarmstufe: Rot 2 mit Steven Seagal, ne?" -
„Schon, man muss aber bedenken, dass die Alarmstufe:Rot-Reihe wiederum nur ein Abklatsch von Stirb langsam ist." -
"Nein ist sie nicht!" -
"Doch, Die Hard on a Boat oder Die Hard on a train eben." -
(es folgt ein längerer Exkurs um Stirb langsam und Steven Seagal mit vielen Denkpausen, da der Alkohol zunehmend seine Wirkung auf das Sprachzentrum zeigt.)
30 Minuten „Handlung" später. Also irgendwie geht es um eine Bande von Terroristen, die einen Zug ausgeraubt hat, der danach explodiert ist. Nur einer hat überlebt und zwar dieser Pseudo-Bruce Willis oder Möchtegern-Steven Seagal. Und der findet dann raus, wo sich die Terroristen verkrochen haben (irgendwo in Mexiko) und die werden dann hopps genommen. Mit dem Zug (warum auch immer) sollen sie zurück gebracht werden in die USA wegen Verhandlung und so. Aber natürlich haben sie einen Wärter bestochen, der ihnen zum Ausbruch aus ihren Ketten verhilft, der Ober-Schurke, der Alan Rickman oder Gary Busey nicht mal annähernd das Wasser reichen kann, bringt den Zug und die an Bord befindlichen, bunt zusammen gewürfelten Fahrgäste in seine Gewalt und will... keine Ahnung was der will. Jedenfalls knallt er dann n paar Leute ab und dieser Bruce-Verschnitt der auf den Namen Ryan hört und von Bryan Genesse (wem auch immer) gespielt wird, wehrt sich als Einziger und macht sie alle platt. Irgendwie sieht er einer Kreuzung zwischen Sebastian Deyle (kennt jemand Sturm der Liebe, diese geile ARD-Soap?) und Daniel Baldwin aber ähnlicher. Nun ja.
Ich glaube, das war der Aufhänger für folgende Diskussion:
„Oh Mann, ist Death Train scheiße." -
„Naja, war ja zu erwarten, bei so nem Cast, wo man keinen kennt. Aber der da sieht aus wie Danny Trejo." (wir machen Michael Anthony Rosas alias „Salazar" aus schlechte Kopie vom guten Danny aus.) -
„Und der da wie eine schlechte Kopie von Fred Ward. Ist ja voll der Look-a-like hier. Mann, mann, mann." -
Schau mal dort, Michelle Rodriguez in schlecht!" (ich zeige auf Tarri Markell)) -
„Aber wer ist „Weaver", der Ober-Schurke?" (wir rätseln um diejenigen Personen, die Bentley Mitchum ähnlich sehen) -
„Ah, der würde gern Robert Downey Jr. sein" -
„LOL!" -
„Rofl, du hast LOL gesagt!" -
„Hä, wie jetzt?" (längere Pause)
„Oh Mann, sehen die Explosionen billig aus und der Zug auch. Sieht aus wie in Osteuropa gedreht..."
(kurzes Nachschauen in der IMDb) -
„Ja, du hast Recht, Bulgarien. Und diese billig choreografierten Kämpfe...tstststs... völlig lustlos diese Inszenierung. Noch nicht mal trashig, sondern richtig scheiße." -
„Aber die Action hält mich vom Einschlafen ab." -
„Mich..." (hier fehlt das Wort „nicht", die Augen fielen mir zu)
Nach Ende des Films:
„Man war der scheiße." -
„Oh ja... 1 von 10!" -
„Na sei mal nicht so hart... 2 von 10. Immerhin konnte ich ab und zu lachen, weil die Darsteller so schlecht waren und so viele Ungereimtheiten drin waren. Natürlich feiert man in der letzten Kaschemme in Mexiko, wenn man grad Diamanten in Millionenwert geklaut hat und man sieht immer, dass der Zug viel zu langsam ist." -
„Am geilsten immer noch der besoffene mexikanische Stereotyp-Lokführer, mit dessen Zug der andere zusammen rast. Keine Hand am Knüppel, nur eine an der Flasche, die andere am Radio. Alter ist das doof... " -
"Hahaha, Knüppel..." -
"Oh Mann... Na ich geh jetzt heim." -
„Jo, tu das. Ciao."
Der Wein war mittlerweile geleert, ebenso wie mein Kopf. Woran das wohl lag? Naja, jedenfalls ging ich ins Bett.
Als ich etwa 6 Stunden später aufstand, konnte ich mich nicht mehr erinnern, was wir zum Schluss für einen Film geschaut hatten. Ich lief durch mein Zimmer, sah die Hülle der Death Train-DVD und musste ziemlich müde lächeln.