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Das Found-Footage Genre bringt gefühlt fast wöchentlich neue Filme auf den Markt die sich meist im Horror Kontext bewegen. Auch gibt es in den letzten Jahren einen kleinen Science-Fiction Boom mit "back to the Roots"-Geschichten zu bewundern, wie wir mit MOON, PROMETHEUS, AFTER EARTH, ELYSIUM, ANGELS & AIRWAVES, OBLIVION und ganz aktuell GRAVITY in unterschiedlicher Weise und Qualität bewundern durften. EUROPA REPORT versucht beides sehr ambitioniert zu verbinden und schafft tatsächlich ein visuell gelungenes, spannendes und mutiges Werk. Um die Kirche gleich im Dorf zu lassen sei erwähnt, dass EUROPA REPORT zwar deutlich innovative Kraft innewohnt in der Verbindung einer geradezu klassischen Science-Fiction Geschichte mit Found-Footage Elementen.

Dies war bislang in dieser visuellen und narrativen Qualität so noch nicht zu sehen, auch wenn wir klar einen Independentfilm ohne Massenerfolgspotential vor uns haben. Wir erleben allerdings auch kein historisches Meisterwerk des Genres, eher einen sehr stimmungsvollen und wertvollen Evolutionsschritt des Subgenres Found-Footage. EUROPA REPORT versteht es sehr gut suggestive Bilder durch die wirklich geschickte Verbindung von Bild und aufwendigen Toneffekten zu erzeugen. Immer wieder werden kleine Spannungsmomente geschafft um den Zuschauer bei der dramaturgischen Stange zu halten. Allerdings müssen wir uns erst durch einen etwas zähen Beginn bewegen, der der ruhigen Erzählweise aus einer Art Rückschau geschuldet ist.

Inhaltlich geht um die Ereignisse, die im Zuge der geheimen Mission zum Jupitermond Europa im Jahr 2061 passiert sind. Kurz vor Ankunft verliert man den Kontakt zur Crew. Die Frage ist, was mit der Besatzung geschehen ist, was sie gesehen haben, beziehungsweise ob jemand überlebt hat. Dies bleibt zunächst offen. Ganz langsam zieht EUROPA REPORT die Spannungsschraube an und spätestens ab der Hälfte des Films muss man den Film zu Ende schauen und will wissen was wirklich passiert ist bzw. passieren wird. Leider werden wie in dem letzten neuen Horror Found-Footage Vertreter THE TUNNEL potentielle erzählerische Schwächen eingebaut.

In die sequentielle live Handlung, auch wenn sie sehr spannend ist, werden immer wieder Ausschnitte aus später gefilmten Material eingespielt. Diese können leider die Spannungskurve unterbrechen oder im schlimmeren Fall sogar Rückschlüsse auf die Überlebenden erlauben. Aber dies wird nur relativ selten in EUROPA REPORT eingesetzt. Oft herrscht eher entweder gespenstische Ruhe die die unbegrenzte Weite des Weltraums betont, oder es gibt klaustrophobische Bilder die voller Beklemmung sind. Wer actionbetonten Science-Fiction Horror erwartet wird durch das Space-Kammerspiel enttäuscht werden, auch wenn man Ende doch einiges passiert was sicherlich für Diskussion und aber auch Enttäuschungen sorgen wird.

Und auch die Wissenschaft selbst, der Forscherdrang und auch philosophische Fragen werden in den letzten 10 Minuten erfolgreich aufgeworfen. Tatsächlich ist der Jupitermond Europa mit seinem kilometerdicken Eispanzer und darunter vermuteten Wasser ein valider Kandidat für Leben in unserem Sonnensystem. Er soll frühestens bis 2038 von einer menschlichen Robotersonde erforscht werden und dann werden wir sehen, ob EUROPA REPORT Wirklichkeit wird. Schauspielerisch gibt es eine erfahrene Crew auf die einzeln einzugehen den textlichen Rahmen hier endgültig sprengen würde.

Als einer der ersten Vertreter, der Found-Footage mit einem klassischen Science-Fiction Setup gemischt hat, ist APOLLO 18 zu nennen. Allerdings war das erzielte Ergebnis filmisch überschaubar, mit viel Wackelkamera verbunden und auf wenige spannende Momente am Ende beschränkt. Als weiteres Vorbild sei MOON zu nennen, was aber durch deutlich mehr Budget und einen anderen Schwerpunkt gekennzeichnet war. EUROPA REPORT zieht hier ganz andere Register und ich würde mich nicht wundern, wenn es bald einige konzeptionelle Blockbuster Varianten von ihm gibt. EUROPA REPORT sieht man leider bei den Trickeffekten im Raum die Budgetbeschränkung schon deutlich an.

Da fehlt es an Tiefe, Auflösung und Detailreichtum der CGIs bei einigen Simulationen. Gut hingegen sind die Ausstattung auf der Raumstation und die Simulation der Schwerelosigkeit. Dennoch sind die Grenzen der Special Effects deutlich sichtbar, wenn einfach nur die Kamera wackelt bei entsprechenden Szenen. Man muss jedoch aufgrund der guten atmosphärischen Anteile zugeben, dass dies nicht immer störend gewirkt hat. EUROPA REPORT ist deutlich beeinflusst durch die Optik, das Timing im Sinne der "Langsamkeit als Stilmittel" und dem Versuch ein wenig als uninterpretierbar zu gelten von 2001 - ODYSSEE IM WELTRAUM von Stanley Kubrick.

In diesem kam damals auch ein undefiniertes Signal vom Jupiter welches erforscht werden sollte und zu den bekannten Begebenheiten geführt hat. Sogar Teile des Soundtracks wie "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß wurden von 2001 in EUROPA REPORT übernommen. Wenn man bedenkt, dass 2001 vor rund 45 Jahren entstand, kann man den Stand der damaligen von Kubrick geprägten Tricktechnik gar nicht genug würdigen. Ein solcher Meilenstein ist Regisseur Sebastián Cordero mit EUROPA REPORT mitnichten gelungen. Als ein must-see für Science-Fiction Independentfilm Fans mit Hang zu Found-Footage würde ich ihn trotzdem bezeichnen.

6,5/10 Punkten

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