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Es sollte ein gemütliches Wochenende mit der Familie beim Eisfischen werden, so zumindest hatte es Papa Ray (Michael Rooker) geplant, als er mit Frau Helen, Sohn David sowie dessen Freundin Gina eine Blockhütte an einem größeren See bezog. Doch merkwürdigerweise blieben die Köder in den Eislöchern unberührt, kein Fisch will anbeißen - zu allem Unglück bricht Ray in der ersten Nacht auch noch im Eis ein. Der kantige Patriarch, der in einer Holzfabrik seine Brötchen verdient, kann sich jedoch selbst retten und wird etwas später auch gefunden - kein großes Ding für ihn.
Als die Vier nun am nächsten Tag etwas ratlos in ihrem Verschlag auf dem See sitzen und über ihr mangelndes Anglerglück sinnieren, kommt ein Pick-up mit einem Trailer über den See, dem ein Vater und sein Sohn entsteigen: mit großspurigem Gehabe und lauter Musik will Cote, der im Baugewerbe arbeitet, seinem Filius Stevie zeigen, was er alles drauf hat. Schnell sind riesige Löcher gebohrt, Leinen gelegt und Scheinwerfer aufgebaut, dann düsen die beiden mit Motorschlitten über den See.
Ray, der nicht klein beigeben will, schließt sich zögernd den beiden Neuankömmlingen an, die sich in einer Mischung aus Übermut, Angeberei und Unwissenheit einen Riesenfang versprechen. Denn tatsächlich ist da etwas unter dem Eis, etwas Riesiges, Schnelles, eventuell ein großer Raubfisch, der die anderen Fische gefressen hat, sodaß diese nicht mehr anbeißen können. Das zumindest folgern die Männer aus der momentanen Situation, die sich jedoch bald ändert...

Regisseur und Drehbuchautor James Felix McKenney macht in seinem 2010er Craeture-Horror-Streifen Hypothermia - The Coldest Prey zunächst alles richtig und entwirft mit nur wenigen Protagonisten ein durchaus spannendes Szenario auf einem zugefrorenen See weitab von jeglicher Zivilisation. Auch die Figurenzeichnung mit der abgeklärten, normalen Familie auf der einen und dem überdrehten Stadtmenschen samt Sohn auf der anderen Seite ist gelungen, wobei man schon erahnen kann, wer da recht bald auf die Schnauze fliegt. Leider jedoch taucht schon in der Mitte des Films der vermeintliche Riesenfisch auf und nimmt damit nicht nur einen Gutteil der bis dato aufgebauten Spannung weg, sondern läßt aufgrund seines grotesk einfallslosen, ja trashigen Designs den Streifen mehr oder weniger abstürzen.

Denn das, was vorher wie ein Schatten blitzschnell unter dem Eis herumschwimmt, dabei diverse Leinen abreißt und einen der Männer verletzt, entpuppt sich als Marathonläufer in einem ziemlich lächerlichen Faschingskostüm, der nun seinerseits Jagd auf die Fischer macht. Trotz der sich daraus ergebenden Notsituation für die Angler (die sich erwartungsgemäß uneins darüber sind, wie es weitergehen soll) will sich keine große Spannung mehr einstellen, zumal es auch ziemlich unlogisch erscheint, daß die Protagonisten die Nacht auf dem trügerischen Eis verbringen, statt sich ins deutlich mehr Schutz bietende Blockhaus auf festem Grund zu retten.

Hätte die Regie mit dem Auftritt des offenbar dem geringen Budget geschuldeten Kostüm-Kasperls wenigstens noch bis zum Schluß gewartet, wären die insgesamt ohnehin kurzen 73 Minuten von Hypothermia - The Coldest Prey wenigstens weitgehend spannend ausgefallen - die grundsoliden Darsteller zumindest von Rays Familie, auch die gar nicht mal so schlechten Gore-Effekte (wie ein aufgeschlitzter Arm oder ein zerteilter Körper) hätten es sich durchwegs verdient. Mit dem filmdramaturgisch viel zu frühen Auftauchen der (optisch erbärmlichen) Bedrohung jedoch geht all dies verloren - auch der Umstand, daß sich das bedächtige, auf Sicherheit abzielende Handeln der beiden Frauen als wesentlich effizienter erweist als die Rache- und Vernichtungspläne der Männer. Schade, da wäre mehr drin gewesen. 4 Punkte.

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