Review

Mit "Stendhal Syndrome" hat Dario Argento einen Film geschaffen, der vielleicht nicht die übliche Handschrift Argentos trägt, aber vielleicht auch gerade deswegen trotzdem ein Meisterwerk ist. Denn so eine Art von Film, hat man von Argento noch nicht gesehen.


Die Polizistin Anna Manni (Asia Argento) besucht in Florenz die Uffizien. Beim betrachten eines riesigen Gemäldes wird Anna schwindelig und sie bricht kurz bewusstlos zusammen. Desorientiert verlässt sie die Uffizien. Da Anna ihre Handtasche vergessen hat, bring Alfredo (Thomas Kretschmann) ihr die Tasche noch schnell hinterher und bezahlt ihr sogar das Taxi zum Hotel, da Anna nicht mal weiß, wer sie ist.
In ihrem Hotelzimmer hat Anna wieder ein Erlebnis mit einem Gemälde. In ihrer ?Traumwelt? erfährt man nun, dass Anna auf der suche nach einem Vergewaltiger und Mörder sucht, der erst in Rom Frauen vergewaltigt hat und nun in Florenz anfängt, sie nach der Vergewaltigung zu töten.
Nach ihrem Traum steht plötzlich Alfredo im Zimmer von Anna. Alfredo ist der gesuchte Vergewaltiger und auch Anna muss unter ihn leiden. Bei der Vergewaltigung wird Anna bewusstlos. Als Anna erwacht, liegt sie in einem Auto und Alfredo hat sich schon sein nächstes Opfer geholt, das er direkt neben Anna vergewaltigt. Alfredo tötet sein Opfer, Anna kann fliehen.
Kurz nach dem Vorfall verändert sich Anna drastisch. Sie schneidet ihre Haare ab und verändert auch ihre Persönlichkeit. Ferner erfährt Anna von einem Psychologen, dass sie am sog. ?Stendhal-Syndrome? leidet. Bei diesem Syndrom können die Kranken nicht sehr lange auf große Gemälde gucken. Es droht sofort eine Bewusstlosigkeit und Veränderungen der Psyche.
Es bleiben viele Fragen offen. Was will Alfredo von Anna? Warum hat er sie nicht getötet?
Aber Alfredo kommt wieder, auch wenn Anna unter Polizeischutz steht...



Es ist nicht so einfach, von diesem Film eine komplette Inhaltsangabe zu geben, da der Film einfach viel zu wuchtig ist, um mal eben in vier bis fünf Sätzen dargestellt zu werden.
"Stendhal Syndrome" ist nicht der typische Argentofilm, wie man ich kennt. Der Mörder (Alfredo) ist z.B. in relativ kurzer Zeit ertappt, aber wer denkt, dass war es jetzt, der irrt.

Die Darsteller überzeugen, insbesondere die wandlungsfähige Asia Argento, Dario Argentos Tochter. Vielleicht liefert Asia hier ihre beste Leistung überhaupt ab. Allein schon deswegen, weil sie im Laufe des Filmes doch einige charakterliche Veränderungen durchmacht. Man achte nur jeweils auf Asias Harre im Film, die sagen schon fast alles.
Auch Thomas Kretschmann als Vergewaltiger und Mörder ist grandios (ja ja, die bösen Deutschen). Er ist kalt und unberechenbar, man hasst ihn.

Der Film bietet diesmal nicht so viele Kamerafahrten, wie man es von Dario Argento vielleicht gewohnt ist, doch dafür geht er diesmal stark auf die Personen ein wie nie zuvor. Das Leiden der Anna Manni ist schon harter Tobak, der an keinem spurlos vorbeigeht.

Dafür bekommt man mal wieder einen Score um die Ohren geknallt, der diesmal wieder von Ennio Morricone stammt. Auch der Score, den man vielleicht sogar als traurig beschreiben kann, passt wie die Faust auf das Auge.

Ohne harte Details kommt der Film natürlich nicht aus, auch wenn es diesmal nicht so im Gorebereich ist. Doch wenn Thomas Kretschmann sein "Werk" beginnt, ist das schlimmer als so mancher Effekt.
Ganz unblutig geht es natürlich nicht von statten, denn irgendwann muss Anna Manni wieder auf Alfredo treffen, auch wenn der Film dann nicht zu Ende ist. Und es geht zur Sache, auch wenn Anna eigentlich unterlegen ist.

Den Film sollte jeder selbst entdecken, da ich hier nicht endlos spoilern will, man muss es selber gesehen haben. Und das Finale sollte jeder auffassen wie er will, hier ist jede Meinung möglich und sogar erwünscht.


Fazit: Wieder mal ein Meisterwerk von Dario Argento, doch diesmal auf einer ganz anderen Ebene. Ein Film von Argento war wohl noch nie so menschlich und gleichzeitig brutal wie hier. Schon allein deswegen ein Film, den man gesehen haben muss.

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