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Die junge Polizistin Anna Manni (Asia Argento) verfolgt einen Serienvergewaltiger  und –mörder (Thomas Kretschmann) von Rom nach Florenz. Allerdings ist dieser schneller als sie – er bringt Anna in seine Gewalt, vergewaltigt sie und zwingt sie einem Mord zuzuschauen, tötet sie aber nicht. Zurück in Rom nimmt sie ein paar Tage Urlaub und fährt zu ihrem Vater aufs Land. Alfredo, der Vergewaltiger, ist aber immer noch hinter ihr her und bringt sie ein zweites Mal in seine Gewalt …

Was für ein Rausch. Geschichte, Bilder, darstellerische Leistung, alles geht wie ein Rausch an mir vorbei. Erschlägt mich, erdrückt mich, und ich fühle mich den Bildern und ihrer Wirkung ausgeliefert wie Anna mit ihrer Krankheit. Ein selten böser und düsterer Film, der zuerst beunruhigt und dann verstört. Bereits die Szenen in Florenz, einer sonnigen und leichten Stadt, voll mit Touristen, hier bereits verströmt Argento reine Finsternis, wenn er Anna dem Serientäter aussetzt und sie inmitten der Touristenströme mit ihm allein lässt. Die Bilder von Rom wirken wie ein Tanz auf einem Vulkan, und wenn sich die Handlung dann aufs Land verlagert, nach Viterbo, zu Anna Vater, spätestens dann ist klar, dass Florenz noch hell und lieblich war gegen diesen Schrecken.

Dann die Schauspieler. Asia Argento gibt alles, aber wirklich alles. So beeindruckend, so intensiv, habe ich sie bislang noch nicht gesehen. Thomas Kretschmann ist ein Monster ohnegleichen, auch hier ist der Ausdruck „intensiv“ nur der Platzhalter für etwas was erst noch erfunden werden muss. Kein Mensch, neben dem man auch nur in der Straßenbahn sitzen möchte. Neben diesen beiden Darstellern(?) verblassen die anderen Schauspieler naturgemäß etwas, sind aber immer noch stark genug um in Erinnerung zu bleiben. Luigi Dilberti als väterlich-kantiger Inspektor, der sich Vorwürfe macht weil er Anna in diese Gefahr gebracht hat. Marco Leonardi als typisch italienischer Lover, der selbst nach einer Vergewaltigung seiner Liebsten nur an Sex denken kann, und nicht versteht wieso sie gerade so gar keine Lust hat (Genial: Die gespielte Vergewaltigung Marcos durch Anna. Die Umdrehung des italienischen Geschlechterbildes …). John Quentin als verknöcherter Vater, der überhaupt nicht versteht dass sich die Welt weiterdreht und Dinge sich manchmal ändern. Und und und …

Ein großes und finsteres Kaleidoskop, eine böse Geschichte um Besessenheit und Krankheit, ein Bilderrausch, der von der erste bis zur letzten Minute fesselt. Definitiv ein Film zum öfters schauen, weil man bei jedem Mal neue Dinge entdeckt. Auch wenn er wehtut.

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